DIE LINKE. Saar
09.05.2012
"Kultur für alle“ – das haben wir LINKE im Kommunalwahlkampf versprochen, das bleibt unser Handlungsmotto. Darum haben wir im Stadtrat auch unermüdlich für die SozialCard gestritten. Damit haben Arbeitslose, Sozialrentner und Hartz-IV-Empfänger jetzt auch die Möglichkeit an vielen Veranstaltungen teilzunehmen, kostenlos in der Stadtbibliothek Bücher auszuleihen und etwa im "Filmhaus“ verbilligten Eintritt zu bekommen. Vielleicht können wir die SozialCard bald auch etwa im Theater oder in einem privaten Kino wie der CameraZwo einführen. Und weil "Kultur für alle“ unsere Maxime ist, ehrt unsere Fraktion am Donnerstag auch das Ehepaar, das vor 53 Jahren die Filmkunst nach Saarbrücken gebracht hat: Inge und Günter Theis. Die beiden haben 1959 in der Ludwigstraße 59 in Malstatt das Kino "Camera“ gegründet. Damals lief gerade Alfred Hitchcocks Film "Vertigo“ in den Kinos an, und Bernhard Wickis Anti-Kriegsfilm "Die Brücke“. Auch daran kann man sehen, wie lange das schon her ist. Diese Filme sind längst Klassiker. In der "Camera“, die Ende 1967 an die Berliner Promenade zog, liefen anspruchsvolle und künstlerische Filme, die immer auch unterhaltsam waren, abseits von Heimatfilmen, Schlager-Schnulzen und den ganz großen Kassenschlagern. Mehrmals wurden Inge und Günter Theis für das abwechslungsreiche Programm ausgezeichnet. Unvergessen etwa auch das Metro-Goldwyn-Meyer-Festival Mitte der 60er Jahre, bei dem Filme von Stars wie Clark Gable, Ava Gardner, Liz Taylor oder Paul Newman gezeigt wurden. Auch wenn die „Camera“ nicht mehr existiert – die Kinogründer haben durch ihr Engagement Spuren hinterlassen. Ihr Filmtheater war die Keimzelle des Max-Ophüls-Festivals und auch so etwas wie der Wegbereiter für das "Filmhaus".
02.05.2012
Es ist nicht wirklich überraschend, was CDU und SPD im Land da ausgehandelt haben: ein Sammelsurium der Formel-Kompromisse, statt eines zukunftsweisenden Konzepts. Da wurden wichtige Wahlversprechen schnell wieder einkassiert – etwa beim Mindestlohn, bei dem es jetzt doch keine Initiative im Bundesrat geben soll. Statt die Reichen endlich zur Kasse zu bitten und sich für eine Vermögenssteuer einzusetzen sollen 2400 Stellen im Land gestrichen werden. Die Sparlasten dürfen also wieder einmal die Bürgerinnen und Bürger und die Landesbediensteten tragen. Diese Streichwut wird Auswirkungen auf uns alle haben: Weniger Polizisten bedeuten weniger Sicherheit auf den Straßen. Mit weniger Lehrerinnen und Lehrern kann es keine kleineren Klassen geben. Und die reichen Steuersünder – die wirklich dicken Fische also – können noch beruhigter sein, wenn in den Finanzämtern und bei der Steuerfahndung noch weniger Menschen arbeiten. Wirklich peinlich gerät auch der im Wahlkampf groß angekündigte Entschuldungsfonds für die Städte und Gemeinden. Gerade einmal 17 Millionen Euro für 52 Kommunen soll es geben. Keine wirkliche Hilfe für eine Stadt wie Saarbrücken. Dabei wäre es wichtig, dass grundsätzlich über die Verteilung von Lasten und Pflichten nachgedacht wird. Ein besonders kurioses Beispiel ist da bekanntlich die Verkehrsüberwachung: Die Stadt Saarbrücken macht damit Verlust, weil sie den Großteil der Kosten für Personal und Material tragen muss, das Land aber einen großen Batzen der Einnahmen kassiert. Hilfreich wäre es auch, wenn das Land endlich die Bettensteuer genehmigt und auf die Gewerbesteuer-Umlage verzichtet, den Teil der Gewerbesteuer-Einnahmen also, den die Stadt an das Land zurückgeben muss. Aber da haben wir von der neuen Regierung wohl nicht viel zu erwarten.
25.04.2012
Die 63. Saarmesse ist zu Ende – das letzte Mal unter der alten Leitung. Die Zahl der Besucher spricht für sich: Saarbrücken muss ein Messestandort bleiben und mit neuen Ideen noch attraktiver werden. Davon profitiert nicht nur die Stadt sondern die ganze Region. Deshalb haben wir LINKE im Stadtrat uns von Anfang an dafür stark gemacht, dass nicht einfach Verträge gekündigt werden, ohne dass klar ist, wie es weitergeht. Deshalb haben wir uns dafür eingesetzt, dass auch weiterhin Messen in Saarbrücken stattfinden. Das bringt Besucher und Geld in die Landeshauptstadt und ist wichtig für die heimische Wirtschaft. An welchem Standort künftig Messen stattfinden werden, das wird wohl hoffentlich in der nächsten Zeit geklärt werden. Denn natürlich brauchen alle Beteiligten Planungssicherheit: Die Aussteller und Firmen ebenso wie die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger. Ich bin überzeugt davon, dass uns in Saarbrücken das gelingen kann, was in anderen Städten auch funktioniert: Neben größeren Besuchermessen auch kleinere attraktive Fachmessen. Das Saarland hat zum Beispiel im Bereich der Medizintechnik eine führende Stellung eingenommen. Rund 9000 Saarländer arbeiten schon in dieser Branche, fast 400 saarländische Unternehmen sind hier teilweise in ganz Europa aktiv. Warum also keine Saarbrücker Medizintechnik-Fachmesse? Auch in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Maschinenbau, Bergbau-Technik und Nanotechnologie haben wir Saarländer Potential mit dem wir uns selbstbewusst präsentieren können. Denn Messen sind ja immer auch eine Art Visitenkarte für eine Region – und das Saarland kann sich auf diese Weise als interessanter Forschungs-, Produktions- und Industriestandort mit Zukunft präsentieren. Ob dies dann im alten Messegelände, an der Congresshalle oder an einem anderen Standort geschieht, ist dann fast schon Nebensache.
18.04.2012
Vor 225 Jahren ist einer der ganz großen Saarbrücker Bürger gestorben: Friedrich Joachim Stengel. Der Baumeister hat Saarbrücken geprägt wie kein zweiter. Die weißen "Stengel-Häuser“ am Ludwigsplatz und am Schlossplatz, das Saarbrücker Schloss, das er Mitte des 18. Jahrhunderts teilweise wieder aufbaute und vor allem natürlich die Ludwigskirche, die in diesem Jahr 250. Geburtstag feiert. Ich finde es gut, wenn eine Stadt sich an die Männer und Frauen erinnert, die in der Vergangenheit Großes geleistet haben. Und deshalb freut es mich, dass es jetzt im Stengeljahr eine ganze Reihe interessanter Veranstaltungen zu Ehren des Baumeisters gibt. Vorträge, Ausstellungen, Konzerte. In dieser Woche kann man Stengels Meisterwerk, die Ludwigskirche, im wahrsten Sinne des Wortes in einem ganz neuen Licht sehen. Denn jetzt werden bei Einbruch der Dunkelheit Bilder auf die Kirche projiziert. Die Lichtprojektion ist ein gelungenes Werk zweier Künstler und steht der Landeshauptstadt gut zu Gesicht. Mitte Mai wird dann im Innenhof der Stadtgalerie das Oboen-Orchester der Musikhochschule ein Serenadenkonzert geben. Das der wunderschöne Hof jetzt endlich wieder für Veranstaltungen genutzt wird, ist eine absolute Bereicherung für Saarbrücken. Interessant wird sicher auch die Eröffnung des Altstadt-Festes Ende Juni, denn dann gibt es zu Ehren Stengels „Stengel und der Orlando Circle“ mit Architektur, Licht und Klang. Barocke Stimmen werden sich mit modernen Liedern verbinden. Und zum Abschluss des Altstadt-Festes gibt es die Feuerwerksmusik im Open-Air-Konzert vor dem Staatstheater. Saarbrücken hat also in der nächsten Zeit wieder einiges zu bieten für Kulturliebhaber. Und weil die meisten Veranstaltungen kostenlos sind, können wirklich alle Saarbrücker das Angebot genießen.
11.04.2012
Noch haben wir Osterferien, doch bald geht der Alltag wieder los. In Alt-Saarbrücken wird sich für die Schulkinder dann etwas Wesentliches ändern: Denn auch an der Dellengarten-Schule wird es dann für alle Grundschulkinder in der Ganztagsbetreuung ein kostenfreies Mittagessen geben. Dann gibt es dieses wichtige Projekt schon an fünf Schulen in Saarbrücken. Dafür hat DIE LINKE lange, hart und erfolgreich gekämpft. Und der Ausbau wird weitergehen. Der Zuspruch gibt uns Recht. An diesen Schulen nehmen jetzt viele Kinder am Mittagessen teil, die vorher außen vorbleiben mussten. Sei es, weil sich die Eltern die Essenskosten nicht leisten konnten, sei es, weil die Eltern die langwierigen, bürokratischen und oft demütigenden Antragsformalien nicht über sich ergehen lassen wollten, die sonst nötig sind, um einen Zuschuss zu bekommen. Ich meine: Kein Kind soll ohne warme Mahlzeit einen langen Schultag überstehen müssen - ganz egal, wie groß der Geldbeutel der Eltern ist. Und wir dürfen unsere Kinder nicht schon im Grundschulalter in arm und reich teilen. Deshalb werden wir uns dafür einsetzen, dass mit den Mitteln des Bundes aus dem Bildungspaket auch an weiteren Schulen alle Kinder ein kostenfreies Mittagessen bekommen. Es ist schon eine Leistung, dass rot-rot-grün mit Unterstützung der FDP dieses Projekt auch angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt umsetzen konnte. Die CDU im Land hat Millionen in den "teuersten Bunker der Republik“, den Vierten Pavillon verpulvert. Wir gehen dagegen sinnvoll mit dem Steuergeld um und investieren es in unsere Kinder. Denn Kinder sind unsere Zukunft. Deshalb bauen wir Kinderbetreuungsplätze aus, stellen zusätzliche Erzieherinnen ein, und setzen in ein kostenfreies Mittagessen für alle Kinder an Ganztagsgrundschulen.
04.04.2012
Seit 21 Jahren zahlen die Deutschen Monat für Monat brav den Solidaritätszuschlag. Gedacht war er als wichtige Unterstützung für den Aufbau der neuen Bundesländer. Fast 22 <//span>Jahre nach der Deutschen Einheit muss aber die Frage erlaubt sein, ob der Zuschlag in dieser Form noch nötig ist. Immerhin gibt es auch im Westen Deutschlands Städte und Gemeinden, die völlig überschuldet sind und nicht mehr die nötigen Mittel für die dringendsten Investitionen haben. Darunter leiden dann die Bürgerinnen und Bürger: Schwimmbäder und Theater werden dicht gemacht, Parks und Grünanlagen nicht mehr gepflegt, Kinderbetreuungsplätze nicht weiter ausgebaut. Wie wäre es deshalb mit einer anderen Form der Solidarität? Der Solidarität der vermögenderen Steuerzahler mit dem Gemeinwesen? Warum also nicht den Soli in eine Schulden-Abbau-Steuer umwandeln? Mit den Einnahmen - immerhin rund 13 Milliarden Euro jährlich - könnten Länder und Gemeinden in Ost und West Kredite abzahlen und so wieder mehr Handlungs-Spielraum bekommen. Die Stadt Saarbrücken muss schließlich jährlich über 40 Millionen Euro nur für Zinszahlungen ausgeben. Geld, das man sicher sinnvoller verwenden könnte. Für wichtige Investitionen in soziale Gerechtigkeit wie den Ausbau des kostenfreien Mittagessens etwa, oder für die Förderung unverzichtbarer sozialer Projekte. Natürlich müsste man über die Details reden. Warum nicht den Solidaritätszuschlag in verschiedenen Stufen einführen - wer weniger verdient, müsste dann auch einen niedrigeren Satz zahlen, hätte also eine Steuerermäßigung. Dazu noch einen Entschuldungsfonds für Städte und Gemeinden, wie es ihn in Rheinland-Pfalz längst gibt, und wir bekommen in Saarbrücken endlich wieder Handlungsspielräume.
28.03.2012
Die Landtagswahl ist vorbei, die Saarländerinnen und Saarländer haben gesprochen. Ich bin überzeugt: Politiker sind gut beraten, wenn sie sich ein solches Wahlergebnis ganz genau anschauen und darauf untersuchen, was sich die Mehrheit der Menschen für dieses Land offensichtlich wünscht. Ein Blick auf die geringe Wahlbeteiligung zeigt: Offenbar habe viele Saarländer nicht verstanden, warum sie überhaupt wählen sollen, wenn doch ohnehin schon alles gelaufen zu sein schien. Schließlich haben Frau Kramp-Karrenbauer und Herr Maas immer wieder klar gemacht, dass sie das eigentliche Wahlergebnis gar nicht interessiert und sie so oder so eine Große Koalition eingehen wollen. Nun liegt die SPD doch deutlich unter ihren eigenen Erwartungen und deutlich hinter der CDU zurück - sicher auch eine Quittung für das unselige Geturtel mit den Christdemokraten. Wichtig ist aber: Die Chance für einen echten Politikwechsel ist da. Mit uns LINKEN kann die SPD den Ministerpräsidenten stellen und ihre zentralen Wahlversprechen umsetzen: Leiharbeit begrenzen, ein echtes Tariftreuegesetz einführen und im Bund für einen gesetzlichen Mindestlohn und eine Millionärssteuer kämpfen. Mit uns ist all das möglich - mit der CDU niemals. Nach einer solchen Wahl kann man also auch sehr gut prüfen, wie ernst Wahlversprechen genommen werden. Auch für die Stadt Saarbrücken hängt viel von den nächsten Tagen ab: Denn wir brauchen endlich eine Landesregierung, die bei Städten und Gemeinden nicht immer nur kürzt und streicht, sondern die ihnen unter die Arme greift und auch bei der Entschuldung hilft. Eine Regierung, die die längst fällige Genehmigung der Bettensteuer nicht weiter verschleppt. Eine Große Koalition wird für all das keine Lösung sein.
21.03.2012
Man soll ja Politiker nicht an ihren Worten messen, sondern daran, ob sie ihr Wort auch halten. Heiko Maas etwa verspricht den <//span>Saarländerinnen und Saarländern jetzt, sich für gute Arbeit und faire Löhne einsetzen zu wollen. Für einen gesetzlichen Mindestlohn, für ein echtes Tariftreuegesetz und für eine Bekämpfung der Leiharbeit - ganz genauso wie DIE LINKE. Nur: Wer hat all dies erfunden? Wer hat mit Hartz IV den Grundstein für die Rutschbahn der Löhne gelegt? Wer hat den Ausbau der Leiharbeit betrieben? Wer hat durchgesetzt, dass Arbeitslose jeden Job zu jedem Micker-Lohn annehmen müssen - und damit den Boom der Billigjobs und Niedriglöhne durchgesetzt? Richtig, es war die SPD, gemeinsam mit den Grünen und unterstützt von der CDU. Außerdem weiß Herr Maas ganz genau, dass er all seine Versprechungen mit der CDU als Koalitionspartner nie umsetzen kann. Deren Spitzenkandidatin, Frau Kramp-Karrenbauer, hat das jetzt ja noch einmal bestätigt. Kein Wunder, steht im CDU-Wahlprogramm doch klar und deutlich: "Wir sind nicht grundsätzlich gegen Zeitarbeit“. Dort steht auch, dass die CDU “keinen staatlich festgelegten Mindestlohn“ möchte. Wenn es Herrn Maas ernst ist mit seinen Versprechungen, dann sollte er nicht ausgerechnet ein Bündnis mit der CDU anstreben. Ein Blick in die Stadt Saarbrücken zeigt, dass es auch anders geht. Dort haben wir LINKE gemeinsam mit SPD und Grünen im Bündnisvertrag klar vereinbart, dass die Stadt und die städtischen Gesellschaften „bei der Beschaffung und Auftragsvergabe soziale und ökologische Standards berücksichtigen“. Die Tariftreue, also die „Einhaltung von Tarifverträgen - auch durch Subunternehmer“ ist Grundsatz für das rot-rot-grüne Bündnis. Man sieht: Es geht doch, wenn man wirklich will.
14.03.2012
Nach vielen Jahren des Nichtstuns hat die CDU jetzt auf einmal bemerkt, dass sich in der Stadt und im ganzen Land die Schuldenberge auftürmen. Herr Strobel erklärt, die Stadt müsse Stellen streichen um die Schuldenlast zu senken – nur welche Stellen er wegfallen lassen würde und was das für die Bürgerinnen und Bürger bedeuten würde, verrät er nicht. Und Frau Kramp-Karrenbauer auf Landesebene wünscht sich gar eine "Zukunft ohne Schulden“. Dabei ist nicht vergessen, dass die CDU in Saarbrücken bis 2009 jahrelang gemeinsam mit der FDP regiert hat - und in dieser Zeit den Schuldenstand deutlich erhöht hat. Es ist nicht vergessen, dass die CDU im Land seit 1999 den Schuldenberg sogar verdoppelt hat! Von 6,4 Milliarden Euro im Jahr 1999 auf über 12 Milliarden. Oskar Lafontaine hat dazu den schönen Satz gesagt: "Bei der Schuldenbremse will die CDU den Brand löschen, den sie selber gelegt hat.“ Recht hat er! Wir haben hier in Saarbrücken gezeigt, dass wir ohne CDU, in einem rot-rot-grünen Bündnis, den Haushalt spürbar verbessern können - ohne Stellenabbau, ohne Schwimmbadschließungen. Wenn Jamaika im Land nicht bei der Bettensteuer und der Vergnügungssteuer auf Glücksspielautomaten gemauert hätte, wären wir noch viel weiter. Natürlich müssen wir Schulden abbauen im Land wie in der Stadt. Aber warum weigern sich Herr Strobel und Frau Kramp-Karrenbauer denn, dabei diejenigen in die Pflicht zu nehmen, die wirklich mehr als genug haben? Warum wollen sie einseitig nur bei Arbeitslosen, Geringverdienern, Familien sparen und die Bürgerinnen und Bürger durch Streichung öffentlicher Angebote belasten? Wir wollen, dass Reiche sich an der Finanzierung des Gemeinwesens wieder stärker beteiligen – etwa mit einer Millionärssteuer.
07.03.2012
Alle paar Jahre können bei uns alle Erwachsenen von einem der wichtigsten Rechte unserer Demokratie gebrauch machen: Dem Wahlrecht. Mit unserer Stimme entscheiden wir Wählerinnen und Wähler, wie es in der nächsten Zeit weitergehen soll. Bei der Oberbürgermeister-Wahl im Oktober haben wir aber leider erleben müssen, dass immer weniger Menschen auch wirklich wählen gehen. Die Gründe dafür sind unterschiedlich. Die einen halten eine Wahl für nicht wichtig genug, andere haben schon aufgegeben und denken, dass sie mit ihrer Stimme ohnehin nichts ändern können. Und jetzt, vor der Landtagswahl, bestätigen CDU und SPD diese Zweifel. Warum noch wählen gehen, wenn ganz unabhängig vom Wahlergebnis die nächste Regierungskoalition schon ausgemacht ist? Warum noch wählen gehen, wenn zwei Parteien jetzt auf Schmusekurs gehen, die inhaltlich nichts gemeinsam haben und deshalb ihre eigenen Positionen schnell über Bord werfen? Ich bin überzeugt: Wahlen werden von den Wählerinnen und Wählern entschieden, nicht von einer einzelnen Dame und einem einzelnen Herren in irgendeinem Hinterzimmer ausgekungelt. Jede Stimme zählt. Und nach der Wahl muss man dann sehen, was die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger will. Man kann sich aber schlecht über die zurückgehende Wahlbeteiligung ärgern, und dann nicht auf die Wähler hören wollen. Und viele junge Menschen, die gern wollten, dürfen noch nicht einmal wählen. Dabei ist, wer heute 16 oder 17 Jahre alt ist, vielleicht mitten in der Ausbildung oder hat sie gerade beendet, zahlt Steuern und Sozialabgaben. Oder er geht zur Schule, bereitet sich auf einen Abschluss vor. Mit 17 dürfen Jugendliche im Saarland den Führerschein machen. Nur eines dürfen sie nicht: Darüber mitentscheiden, was in dieser Gesellschaft passiert. Das müssen wir ändern.
29.02.2012
Schlechte Nachrichten für die Wirte in Saarbrücken: Das schärfste Rauchverbot Deutschlands bleibt vorerst unverändert in Kraft – auch wenn eine große Mehrheit der Landtags-Parteien ihren Wählerinnen und Wählern vor der letzten Landtagswahl 2009 etwas ganz anderes versprochen hatte. Da warb die CDU für ein „Rauchverbot mit Augenmaß“ und die SPD hat dieses strikte Totalverbot bisher immer abgelehnt. Natürlich müssen Nichtraucher geschützt werden, keine Frage. Deshalb ist es sinnvoll, dass in Speiserestaurants die Glimmstegel aus bleiben müssen. Deshalb sollten in größeren Kneipen die Raucher auch nur in eigenen Nebenräumen qualmen dürfen, so dass die Nichtraucher nicht belästigt werden. Und in kleinen, inhabergeführten Kneipen sollte jeder Wirt selbst entscheiden dürfen, ob bei ihm geraucht werden darf, oder nicht. Nichtraucher hätten dann ja ebenfalls die freie Wahl, wo sie hingehen wollen. Nichtraucherschutz ja – aber keinen ideologischen Übereifer also. Leider sind CDU und SPD im Landtag im Geiste schon so sehr in der großen Koalition vereint, dass sie jetzt lieber ihre eigenen Wahlversprechen einkassieren, als einem Antrag der LINKEN zuzustimmen. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns nach der Wahl drohen könnte: Eine Regierung, die ihre Versprechen nicht hält und sich nur auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigt. Herr Maas wird mit seinen Wunschpartnern von der CDU weder ein Tariftreuegesetz umsetzen, noch die Gemeinschaftsschulen ausbauen oder Initiativen für einen Mindestlohn und eine Millionärssteuer starten können. Und wir in Saarbrücken werden von einem solchen Bündnis kaum finanzielle Unterstützung erwarten können, denn offenbar geht es beiden ja nur noch ums streichen und kürzen.
22.02.2012
Bildung heißt das Zauberwort unserer Zeit. Bildung ist der Schlüssel im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Armut. Wer gut ausgebildet ist, der hat bessere Chancen eine gute Arbeit zu finden. Deshalb ist es wichtig, dass wirklich jeder dieselben guten Chancen erhält, gerade auch Kinder, deren Eltern arm sind. Auch diese Kinder müssen endlich dieselben Möglichkeiten haben, ein Gymnasium bis zum Abitur zu besuchen und zu studieren. Davon sind wir leider weit entfernt. Die Stadt Saarbrücken kann keine Lehrpläne ändern und kein längeres gemeinsames Lernen durchsetzen, sie ist auch nur für Grundschulen, Kindergärten und Kindertagesstätten zuständig. Doch auch dort kann sie etwas für bessere Bildungschancen tun: Neue Erzieherinnen einstellen, damit es mehr Kinderbetreuungs-Plätze gibt. Daran arbeiten, dass kein Grundschulkind mehr ohne warme Mahlzeit den Schultag bestehen muss. Denn leider nehmen noch viele Kinder nicht am Schul-Mittagessen teil, weil es sich die Eltern nicht leisten können oder weil sie sich ein langwieriges, bürokratisches und entwürdigendes Antragsverfahren für einen Essensgeld-Zuschuss nicht zumuten wollen. Deshalb haben wir durchgesetzt, dass es an vier Schulen für alle Kinder kostenloses Mittagessen gibt. Im April wird die fünfte Schule folgen – und danach wird der Ausbau weitergehen. Wir unterstützen den weiteren Ausbau der Saarbrücker Grundschulen zu echten Ganztagsgrundschulen und wollen prüfen, wie wir in unserer Stadt für alle Grundschüler kostenlose Schulbücher bereithalten können. Auf Landesebene hat DIE LINKE die Gemeinschaftsschule mit auf den Weg gebracht, die jetzt ausgebaut und mit Leben gefüllt werden soll. Wir wollen Unterrichtsausfall entschlossen bekämpfen und kleinere Klassen durchsetzen.
16.02.2012
Wie hat die CDU bei der letzten Stadtratssitzung vor Wut geschäumt: Am Personal müsste gespart werden, fordert sie – obwohl dort in der Vergangenheit schon mehr als genug gekürzt und gestrichen wurde. Ross und Reiter nennen die Christdemokraten aber nicht. Warum sagen sie nicht endlich klar, wo sie Stellen abbauen wollen. Weniger Erzieherinnen für unsere Kinder? Weniger Feuerwehrleute für die Sicherheit unserer Stadt? Weniger Müllwerker für die Sauberkeit Saarbrückens? Mit uns nicht! Wir wissen, dass ein Stellenabbau im Öffentlichen Dienst nicht nur bedeutet, dass Arbeitsplätze verschwinden – nein, er führt auch dazu, dass das Angebot für die Bürgerinnen und Bürger immer weiter ausgedünnt wird. Wie wollen wir in Saarbrücken mehr Kita-Plätze schaffen, wenn wir nicht zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher einstellen? Auf der Landesebene haben wir dasselbe Problem: Wie will die SPD im Land die Gemeinschaftsschule ausbauen, wenn sie doch gleichzeitig gemeinsam mit der CDU Stellen im Öffentlichen Dienst streichen will? Kleinere Klassen und weniger Unterrichtsausfall – das geht nur mit mehr Lehrerinnen und Lehrern. An der Sicherheit der Menschen darf auch nicht gespart werden. Deshalb haben wir den Abbau von 300 Stellen bei der Polizei abgelehnt. Deshalb sind wir dagegen, dass fast die Hälfte aller Polizeiinspektionen nachts nicht mehr besetzt sein wird – auch in Alt-Saarbrücken. Jamaika und die SPD im Landtag haben leider für diesen Abbau gestimmt. In Saarbrücken haben wir im rot-rot-grünen Bündnis dagegen einen Abbau von Stellen bei der Stadt und ihren Gesellschaften ausgeschlossen. Stattdessen wollen wir etwa durch die Bettensteuer oder eine höhere Vergnügungssteuer auf Glücksspielautomaten die Einnahmen erhöhen.
08.02.2012
Ob in Europa, im Bund, im Land oder hier in der Stadt Saarbrücken: Überall sind die Kassen leer und die Schulden türmen sich. Niemand wird mehr ernsthaft bestreiten wollen, dass diese Schuldenberge abgetragen werden müssen. Die Frage ist nur: Wie? Und von wem? Der CDU fallen dazu stets nur Personalabbau und Sozialkürzungen ein. Doch während der Staat in den letzten Jahren immer mehr und mehr Miese gemacht hat, sind die Steuern für Reiche, große Konzerne und Erben großer Vermögen immer weiter gesenkt worden. Die Zeche haben bisher immer die kleinen Leute zahlen müssen - Rentner, Arbeitslose, Geringverdiener, Alleinerziehende. Gerecht ist das nicht. Wir in der Stadt Saarbrücken haben das anders gemacht. Wir haben mit unseren Bündnispartnern den Haushalt der Stadt schon über 60 Millionen Euro jährlich verbessern können, aber ohne Stellenabbau, ohne Sozialabbau, ohne Privatisierungen. Wir haben im Gegenteil in die soziale Gerechtigkeit investiert: In eine SozialCard, in das kostenfreie Mittagessen an Grundschulen und in einen Windelbonus. Und trotzdem erfüllt die Stadt Saarbrücken die strengen Auflagen der kommunalen Schuldenbremse. Denn eine Schuldenbremse muss ja nicht neoliberal angewandt werden, muss ja nicht automatisch zu sozialem Kahlschlag führen. Es geht auch anders. DIE LINKE im Land will sich deshalb auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die Reichen etwa mit einer Millionärssteuer stärker in die Pflicht genommen werden. Im Bund wäre schon viel erreicht, wenn der Spitzensteuersatz zumindest wieder so hoch wäre, wie zu Zeiten Helmut Kohls - der nun wirklich kein radikaler Linker war. Und wir in der Stadt wollen mit der Bettensteuer wenigstens einen Teil der schwarz-gelben Steuergeschenke an die Hoteliers für die Allgemeinheit zurückfordern.
01.02.2012
"Mehr Demokratie wagen“, das war einmal das Motto von Willy Brandt, das eine ganze Generation begeistert hat und heute nach wie vor hochaktuell ist. Ich spreche jetzt nicht von der vorgezogenen Landtagswahl - auch wenn es natürlich gut und wichtig ist, dass die Wählerinnen und Wähler jetzt gefragt werden und über einen Neuanfang entscheiden können. Mehr Demokratie sollte aber auch in den Betrieben verwirklicht werden. Deshalb wollen wir, dass staatliche Mittel - Steuergelder also - nur noch dann an ein Unternehmen fließen sollen, wenn im Gegenzug die Belegschaft an diesem Betrieb beteiligt wird. Wir sollten nicht mit Steuergeldern Betriebe retten, damit sie dann von irgendwelchen Heuschrecken gekauft und zerlegt werden. Sondern wir sollten mehr Demokratie wagen und Hilfen davon abhängig machen, dass alle Steuerzahler – also etwa das Land - oder die Belegschaft beteiligt werden und über die Zukunft ihrer Firma mitentscheiden können. Wir sollten auch nicht vergessen, dass starke Gewerkschaften und Betriebsräte für unser demokratisches System unverzichtbar sind. Bei unserem Neujahrsempfang letzte Woche hat unsere Fraktion deshalb den Anti-Preis "Haawebraddeler“ an den Geschäftsführer eines Unternehmens vergeben, in dem ein besonders gewerkschaftsfeindliches Flugblatt ausgehangen hat. Und wie uns die Kollegen und Gewerkschaftsvertreter berichtet haben, soll die Geschäftsführung offensichtlich versucht haben, die Wahl und Arbeit eines Betriebsrates zu stören. Das darf man nicht hinnehmen. Wir sind solidarisch mit den Gewerkschaften und Betriebsräten. Auch im Fall Höll, wo ein großer Teil der Stammbelegschaft durch Billigarbeitskräfte ersetzt werden soll. Und bei anderen Wurstfabrikanten soll es noch weit schlimmer sein.
25.01.2012
Es wird also Neuwahlen geben im Saarland. Und danach hoffentlich eine Regierung, die fünf Jahre hält und eine Politik im Sinne der Bürgerinnen und Bürger macht. Wie das geht, sieht man bei uns in Saarbrücken. Da hat das rot-rot-grüne Bündnis in den letzten zweieinhalb Jahren schon viel erreicht. Obwohl auch wir in der Stadt sparen müssen – und seit diesem Jahr unter einer unsäglichen Schuldenbremse leiden – haben wir es geschafft, dass es keinen Sozialabbau, keinen Stellenabbau bei der Stadt und ihren Gesellschaften und keine Privatisierungen gibt. Durch die Bettensteuer versuchen wir, die Einnahmesituation zu verbessern, ohne dabei die Bürger zusätzlich zu belasten. Und wir haben in mehr soziale Gerechtigkeit investiert: Mit der SozialCard, der schrittweisen Einführung des kostenfreien Mittagessen für alle Grundschulkinder und dem Windelbonus etwa. Wir sparen auch nicht bei der Bildung sondern investieren in zusätzliche Ganztagsschulen und eine bessere Kinderbetreuung. Natürlich ist all das nur ein Anfang, der Grundstein für eine andere Politik. Aber eine neue Landesregierung könnte sich daran auf jeden Fall ein Beispiel nehmen. DIE LINKE geht in Saarbrücken konsequent den Politikwechsel an und ist ein verlässlicher Partner in einem stabilen Bündnis. Verlässlicher Partner sind für uns auch die Gewerkschaften, die unverzichtbar sind für die demokratische Mitbestimmung der Beschäftigung. Bei unserem Neujahrsempfang am Mittwoch werden wir zum ersten Mal einen Preis verleihen, mit dem Personen "geehrt“ werden sollen, die durch besonders umstrittene, nassforsche Äußerungen aufgefallen sind: Den Haawebraddler. In diesem Jahr zeichnen wir einen Mann aus, der sich wegen eines gewerkschaftsfeindlichen Flugblatt den Ärger von Betriebsräten zugezogen hat.
18.01.2012

Da will der Versicherungskonzern Talanx an die Börse – und um sich für Anleger attraktiver zu machen, kündigt er die Schließung der meisten seiner Standorte an. So ist die HDI-Gerling-Filiale in Saarbrücken jetzt in Gefahr, mit über 200 Arbeitsplätzen. Der französische Autokonzern PSA denkt gleichzeitig darüber nach, die Deutschland-Zentralen von Peugeot und Citroen zusammenzulegen – entweder in Saarbrücken oder aber in Köln. Hier geht es um 330 Arbeitsplätze. Wir müssen um diese Jobs kämpfen. Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie immer mehr Unternehmen aus dem Saarland abwandern – wie etwa Praktiker in Kirkel. Beispiel Telekom: Die hat im Jahr 2009 in ihrem Callcenter am Eschberg 228 Arbeitsplätze abgebaut und im letzten Jahr 116 weitere Jobs zur Disposition gestellt. Die Telekom-Tochter Vivento hat in Saarbrücken 60 Leiharbeiter vor die Tür gesetzt und bei Halberg-Guss konnte ein Stellenabbau nur verhindert werden, weil die Mitarbeiter zu Abstrichen und Mehrarbeit bereit waren. Weder die CDU-Landesregierung, noch Jamaika waren erfolgreich: Größere Neuansiedlungen von Industrie-Betrieben? Fehlanzeige. Ein Plan, wie neue, zukunftssichere Arbeitsplätze entstehen könnten? Nicht in Sicht. Deshalb sollten wir uns in Saarbrücken über alle Fraktionsgrenzen hinweg dafür einsetzen, dass HDI-Gerling und Peugeot in Saarbrücken bleiben und neue, zukunftsfeste Jobs entstehen. Der Getriebebauer ZF ist ein gutes Beispiel dafür, wie das gelingen kann. Es war Oskar Lafontaine, der ZF nach Saarbrücken geholt hat. Heute arbeiten hier über 6000 Menschen, jetzt erweitert der Automobilzulieferer mit Unterstützung der Stadt seinen Standort noch und schafft dadurch 200 neue Arbeitsplätze.
11.01.2012
Jamaika geplatzt, der Fluch der Karibik beendet. Von einem Modell für andere Bundesländer oder gar den Bund war im Zusammenhang mit dieser rabenschwarzen Ampelkoalition schon länger nicht mehr die Rede. Jetzt ist das ungeliebte Bündnis also implodiert - nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Wie es weiter gehen wird, das werden die nächsten Tage zeigen. Kann sich der große Wahlverlierer von 2009, die CDU, ein weiteres Mal die Macht retten, dieses Mal in einer großen Koalition? Oder gibt es Neuwahlen? Diese Entwicklung auf Landesebene hat natürlich auch einen großen Einfluss auf Sie und uns alle, auf die ganze Stadt. Jamaika hatte ja immer seine Probleme mit dem erfolgreichen rot-rot-grünen Bündnis im Stadtrat - jetzt könnte sich das Verhältnis des Landes zur Stadt verbessern. Was wird eine neue Landesregierung - jetzt oder nach möglichen Neuwahlen - tun, um die finanzielle Situation der Landeshauptstadt zu verbessern? Wird unsere Forderung nach einem Entschuldungsfonds für Städte und Gemeinden erfüllt? Jamaika hat in diesem Bereich viel versprochen und wenig gehalten. "Das Saarland braucht starke und handlungsfähige Kommunen“, hieß es im Koalitionsvertrag von CDU, FDP und Grünen. "Deswegen wollen wir den Kommunen in möglichst vielen Bereichen unterstützend zur Seite stehen.“ Davon konnte nicht die Rede sein, statt dessen wurde bei Städten und Gemeinden gnadenlos gekürzt, gestrichen und die Sparaxt angesetzt. Vielleicht wird eine neue Landesregierung ja auch endlich die Bettensteuer genehmigen, wie das in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz längst passiert ist. Bleibt zu hoffen, dass sich nicht nur die Gesichter auf der Regierungsbank ändern, sondern auch ein Politikwechsel stattfindet.
04.01.2012
Es ist schon tragisch: Da verfällt ein altes, ehrwürdiges Gebäude vor aller Augen - und niemand tut etwas. Der historische Rodenhof ist vielen Saarbrückerinnen und Saarbrückern nicht nur als schönes und beliebtes Restaurant in Erinnerung. Er ist auch ein Gebäude mit langer Geschichte. Gebaut als Gutshof des Fürsten Ludwig ist es das einzige, was noch vom legendären Ludwigspark übrigen geblieben ist, den der Fürst Ende des 18. Jahrhunderts für seine zweite Frau, das „Gänsegretel von Fechingen“ anlegen ließ. Was muss das damals für eine Pracht gewesen sein: Ein Lustschloss – an der Stelle, an der heute die Gesamtschule Ludwigspark steht – und ein großer Park, angelegt als Volksgarten, also für jedermann zugänglich. Der ehemalige Gutshof hat sicher bessere Tage gesehen. Seit Jahren steht das Gebäude leer und verfällt. Immerhin, das Dach ist jetzt notdürftig abgestützt. Aber wie es weitergehen soll, ist völlig unklar. Auch die Bauaufsicht hält den Zustand für bedenklich. Und immerhin ist der historische Rodenhof nicht nur irgendein altes Haus, sondern ein Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes. Aber da das Gebäude Privatleuten gehört, kann die Stadt scheinbar nicht viel ausrichten. Und trotzdem würde ich mir mehr Engagement wünschen. <//span>Wem ein solches Kleinod gehört, der sollte auch verpflichtet sein, es zu erhalten. Für den Erhalt eines anderen, deutlich hässlicheren Baudenkmals geben die Steuerzahler gleichzeitig notgedrungen Geld aus: Für das Finanzministerium am Stadtgraben. Der Klotz ist zum Baudenkmal erklärt worden, und der Staat muss sich als Eigentümer natürlich an die Auflagen halten. Verfallen wird dieser Bau also nicht. Genau das erwarten viele Saarbrückerinnen und Saarbrücker mit Recht auch am Rodenhof.
28.12.2011
Sind die Weihnachtsfeiertage bei Ihnen auch wie im Fluge vergangen? Jetzt steht schon der Jahreswechsel bevor - die Zeit der Rück- und Ausblicke. 2011 war politisch ein spannendes Jahr: Die Atomkatastrophe von Fukushima hat uns – 25 Jahre nach Tschernobyl - endgültig gezeigt, dass wir uns schnellstens von der unbeherrschbaren Kernkraft mit ihren verheerenden Risiken trennen müssen. Immer mehr Menschen sind trotz harter Arbeit arm- und jetzt stemmt sich selbst die CDU nicht mehr gegen Lohnuntergrenzen. Allerdings will die Union nur eine Wischi-Waschi-Regelung, die der Wirtschaft nicht wehtun darf und die kaum einem Arbeitnehmer hilft. Aber immerhin hat ein Umdenken eingesetzt. Und in Saarbrücken? Da haben wir 2011 den Ausbau des kostenfreien Mittagessens für alle Schulkinder vorantreiben können: Nach den Grundschulen Folsterhöhe und Weyersberg sind inzwischen auch die Turmschule Dudweiler und die Grundschule Füllengarten dazu gekommen. Im nächsten Jahr wird es das Projekt auch an der Dellengartenschule geben. 2011 ist auch die SozialCard für Hartz-IV-Empfänger, Sozialhilfeempfänger und Sozialrentner eingeführt worden. Seit diesem Jahr haben wir in Saarbrücken auch einen Windelbonus, um kinderreiche Familien und kranke Ältere bei den Müllgebühren zu entlasten. Projekte, für die DIE LINKE lange und hart gekämpft hat. Die Oberbürgermeister-Wahl im Oktober hat uns außerdem noch einmal gezeigt, dass wir uns Gedanken machen müssen, wie Sie, die Bürgerinnen und Bürger, stärker an den Entscheidungen beteiligt werden können. Wir haben dafür eine Einwohner-Fragestunde im Stadtrat vorgeschlagen. Dieser Vorschlag wird jetzt in einer Arbeitsgruppe der Verwaltung beraten – und wir LINKE werden auch im neuen Jahr darauf achten, dass dieses Thema nicht unter den Tisch fällt.
21.12.2011
Weihnachten ist für mich eine Zeit zum Entspannen und zum Atemholen. Dem hektischen Alltag entfliehen und mit der Familie gemütlich beisammen sein - mit meiner Frau, meinem Sohn, meiner Schwiegertochter und meinen sieben Enkeln. Gemeinsam in die Kirche gehen, zusammen essen, vor dem geschmückten Weihnachtsbaum sitzen. Zeit miteinander verbringen. Mit Kindern ist Weihnachten ja ohnehin etwas ganz besonderes. Wir sollten in diesen Tagen aber auch an die denken, denen es nicht so gut geht. Immerhin feiern Christen jetzt ja die Geburt eines Kindes in ganz ärmlichen Verhältnissen – in einem Stall, nicht in einem Palast. Wie viele Menschen - auch in diesem Land, auch in dieser Stadt haben ebenfalls kein Dach über dem Kopf, müssen Weihnachten in einer Wärmestube oder in einer Obdachlosenunterkunft verbringen? Wie viele Saarbrückerinnen und Saarbrücker können mit ihrer Familie kein schönes Fest feiern, weil sie in Armut leben müssen. Weil der Bund etwa Hartz IV-Empfängern nicht einmal einen Weihnachtsbaum zugesteht. Wie viele Kinder in diesem reichen Land müssen in Armut leben? Wie viele sind krank oder einsam? An sie sollten wir denken – nicht nur an Weihnachten, sondern an jedem einzelnen Tag im Jahr. Für sie sollten wir uns einsetzen. Jeder kann etwas tun – und sei es durch eine Spende für die wichtigen Projekte wie etwa die Wärmestube oder die Initiative für krebskranke Kinder. Und wenn im neuen Jahr über den Haushalt der Stadt beraten wird, dann sollten wir uns über alle Parteigrenzen hinweg daran erinnern, wie unverzichtbar die Arbeit der sozialen Initiativen, Vereine und Projekte ist. Das wäre mein Weihnachtswunsch. Ihnen allen und Ihren Familien frohe und besinnliche Weihnachtstage.
14.12.2011
Diese Landesregierung spielt offensichtlich gerne Sandmännchen und streut den Saarländerinnen und Saarländern haufenweise Sand in die Augen. Zurzeit zieht die Jamaika-Clique durchs Land und erzählt das Märchen von der großzügigen Entlastung der saarländischen Kommunen. Hört sich ja auch gut an. Nur mit der Realität hat das alles leider nichts zu tun. Man muss kein Rechengenie sein, um zu bemerken, dass die geplante Entlastung geringer ausfällt, als die zusätzliche Belastung durch die Übernahme von Kulturausgaben des Landes. 55,5 Millionen Euro soll allen saarländischen Kommunen in den nächsten fünf Jahren insgesamt erlassen werden - jährlich also 11,1 Millionen Euro. Dem stehen Mehrausgaben für den Kulturbereich von jährlich 16 Millionen Euro entgegen. Für die Stadt Saarbrücken bedeutet das allein für das nächste Jahr geschätzte 1,4 Millionen Euro Mehrbelastung. Das Land steckt der Stadt also weniger in die eine Tasche, als es ihr aus der anderen wieder nimmt. Die Kommunen dürfen zwar die Hälfte des Kulturetats des Landes zahlen - mitreden und mitentscheiden dürfen sie aber nicht. Jamaika spricht von Entlastung und zockt doch wieder einmal die Städte und Gemeinden gnadenlos ab. Das klang im Koalitionsvertrag noch ganz anders: Da haben CDU, FDP und Grüne versprochen, "den Kommunen in möglichst vielen Bereichen unterstützend zur Seite“ zu stehen und „Möglichkeiten zu eröffnen, damit ihre Zukunftsfähigkeit gesichert werden kann.“ Zukunftsfähigkeit kann aber nicht durch ständige Mehrbelastungen gesichert werden. Auch nicht dadurch, dass für eine Stadt wie Saarbrücken Verkehrskontrollen zum Verlustgeschäft werden, weil das Land den Großteil der Einnahmen einstreicht, die Stadt aber auf den Personal- und Sachkosten sitzen bleibt.
07.12.2011
Letzte Woche hat der Landtag mit den Stimmen der Jamaika-Fraktionen und der SPD die höchst umstrittene Polizeireform auf den Weg gebracht. 300 Stellen werden abgebaut, obwohl es bereits jetzt in einigen Bereichen zu wenig Polizisten gibt. Fast die Hälfte aller Polizeiinspektionen wird nachts nicht mehr besetzt sein – darunter auch die in Alt-Saarbrücken. Dabei halten sich Verbrechen, Randale und Verkehrsdelikte nicht an Bürozeiten. Wenn künftig nachts in Alt-Saarbrücken etwas passiert, wird es wohl länger dauern, bis die Polizei vor Ort ist. Vor kurzem habe ich mit einem Saarbrücker gesprochen, der in der Nähe der Ludwigskirche wohnt und an dessen Auto nachts von jungen Randalierern die Rücklichter eingetreten worden sind. Eine Nachbarin hatte den Lärm gehört, die Polizei verständigt und kurz darauf konnten die Täter geschnappt werden – das war auch gut so, denn sie waren gerade dabei, alle Autos, die in der Straße standen, zu demolieren. Nun ist ein beschädigtes Auto ärgerlich – aber es gibt ja noch weit schlimmere Anlässe, bei denen es gut ist, wenn die Polizei schnell vor Ort ist. Im Zuge der Reform verliert die Landeshauptstadt auch den Leiter des Polizeibezirks als verbindlichen Ansprechpartner etwa für Großveranstaltungen. Stattdessen wird es – wie in Klein- und Mittelstädten – nur noch mehrere gleichberechtigte Inspektionsleiter geben. Wer wird also künftig in Gesprächen mit Stadtverwaltung und Feuerwehr verbindliche Zusagen machen können? Die Linksfraktion hat deshalb gegen dieses Vorhaben gestimmt. Und ich kann mich dem saarländischen Landesvorsitzenden des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Felix Recktenwald, nur anschließen, der gesagt hat: "Wer an der Qualität der Polizei spart, investiert in Kriminalität.“
30.11.2011
Es gibt Bereiche, bei denen Profit nicht alles sein darf. Eine gute Gesundheitsversorgung etwa muss es in einem reichen Land wie unserem für jeden geben – nicht nur für ein paar Menschen mit dickem Geldbeutel. Und niemand darf frieren oder ohne Strom in einer dunklen Kammer hausen müssen, nur weil er zum ärmeren Teil der Bevölkerung gehört. Private Unternehmen haben allerdings ein klares Ziel: Den Profit zu mehren - notfalls auch durch Stellenabbau und höhere Energiepreise. Deshalb gehören wichtige Betriebe wie Energieversorger oder Krankenhäuser – die Daseinsvorsorge eben - in öffentliche Hände. Deshalb ist es gut, dass die Stadt über die städtische VVS wieder am Heizkraftwerk Römerbrücke beteiligt und wieder selbst in die Energieerzeugung eingestiegen ist. Diesen Weg müssen wir weiter gehen. Und tatsächlich bietet sich zurzeit eine gute Chance dafür. Denn der Essener RWE-Konzern will jetzt Anteile am Energieversorger VSE – dem etwa das Kraftwerk Ensdorf gehört - verkaufen. Da sind das Land und die Kommunen gefragt. Sie müssen bei der VSE einsteigen. Ziel muss mindestens eine öffentlich-rechtliche Anteils-Mehrheit sein. Und natürlich muss die Saarbrücker VVS als größter öffentlicher Energieversorger im Saarland mit ins Boot. Energieversorgung gehört in die öffentliche Hand – das steht übrigens auch so in unserer Landesverfassung. Dort heißt es in Artikel 52 eindeutig: "Schlüsselunternehmungen der Wirtschaft (Kohlen-, Kali- und Erzbergbau, andere Bodenschätze, Energiewirtschaft, Verkehrs- und Transportwesen) dürfen wegen ihrer überragenden Bedeutung für die Wirtschaft des Landes oder ihres Monopolcharakters nicht Gegenstand privaten Eigentums sein“. Und daran sollten wir uns halten.
23.11.2011
Da begehen drei junge Menschen, wahnsinnig vor Hass, 14 Jahre lang heimtückische Morde an unsschuldigen Menschen, überfallen brutal mehrere Banken – und keiner kommt ihnen auf die Spur, keiner will einen Zusammenhang zwischen den Taten bemerkt haben. Auch der Anschlag auf die Wehrmachts-Ausstellung im Saarbrücker VHS-Gebäude ist ja bis heute nicht aufgeklärt. Ein verwerflicher brauner Sumpf, der sich da auftut. In der Öffentlichkeit spricht man zynisch von den "Döner-Morden“, bedient sich dabei ausgerechnet der Sprache dieser Nazis – dabei wurden eben keine Döner umgebracht, sondern echte, unschuldige Menschen. Das Schlimmste sickert jetzt langsam durch: Offenbar haben Polizei und Verfassungsschutz schon viel länger viel mehr gewusst. Offenbar haben sogenannte V-Männer der Verfassungsschutzbehörden diese Mörderbande tatkräftig unterstützt. Das muss Konsequenzen haben. Jetzt muss schonungslos aufgeklärt werden. Und wir müssen endlich die NPD verbieten. Es ist ein Unding, dass Neonazis staatliche Gelder über die Parteienfinanzierung erhalten und dass braune Hass-Aufmärsche das Deckmäntelchen der Legalität bekommen, weil sie von der NPD angemeldet worden sind. Es ist verlogen, dass DIE LINKE vom Verfassungsschutz unter Dauerbeobachtung steht, weil wir diesen Raubtier-Kapitalismus überwinden wollen – der ja mit Recht gar nicht von der Verfassung geschützt wird – und die Nazibanden nicht. Im Saarland ist die Beobachtung der LINKEN immerhin beendet. Aber es ist verrückt, dass sich in der braunen NPD unzählige V-Männer tummeln, von denen niemand mehr sagen kann, ob sie im Dienste des Verfassungsschutzes die Rechtsextremen überwachen, oder im Dienste der Rechtsextremen die Verfassungsschützer übers Ohr hauen und dabei noch kräftig abkassieren.
16.11.2011
Was macht eine lebendige, menschliche Stadt aus? Genügend Spielplätze für Kinder, Bolzplätze für Jugendliche? Ein breites kulturelles Angebot? Gepflegte Parks und Grünanlagen? Eine ganze Palette an Vereinen, Projekten und Initiativen – vom Sport- über den Musikverein bis hin zu Anlaufstellen für Obdachlose, Drogenanhängige oder Arme? Die Unterstützung ärmerer und Benachteiligter – etwa durch eine SozialCard, ein kostenfreies Mittagessen an Schulen oder einen Windelbonus? Ich bin überzeugt: All das gehört zu einer lebendigen und menschlichen Stadt unbedingt dazu. In den Augen einiger Bürokraten der Landesregierung sind das allerdings nur sogenannte "Freiwillige Leistungen“, die eine Stadt nicht unbedingt bieten muss – die also verzichtbar wären. Empörend! Gibt eine Kommune Geld für eine neue Straße, eine Halle oder eine Messe aus, dann gilt das als Investition – zu Recht, denn die Stadt muss dafür zwar bezahlen, erhält aber Bauten im selben Wert. Gibt eine Kommune aber Zuschüsse, damit Jugendliche eine Perspektive haben, oder damit Langzeitarbeitslose neue Chancen bekommen, gilt das nicht als Investition, sondern als freiwillige Leistung. Ungerecht und falsch: Denn ohne manche Projekte müsste der Staat später viel mehr Geld ausgeben – für Gefängniskosten etwa, wenn Jugendliche straffällig werden. Sollen wichtige Projekte ihre Arbeit einstellen müssen, nur weil Jamaika im Land aus Rücksicht auf die Hoteliers die Genehmigung der Bettensteuer verzögert und mit Rücksicht auf Spielhallen-Betreiber eine Erhöhung der Vergnügungssteuer auf Glücksspielautomaten? Sollen Sie, die Bürgerinnen und Bürger, leiden – nur weil das Land die Kommunen in die Zange nimmt? Wir müssen dafür kämpfen, dass Saarbrücken eine lebendige, menschliche Stadt bleibt!
09.11.2011
Es ist wirklich unerträglich: Überall in dieser schönen Stadt schießen die Video-Werbewände wie Pilze aus dem Boden. Auch in der Eisenbahnstraße, kurz vor der Staatskanzlei, gibt es jetzt eine solche grelle Dauer-Berieselung. Da wurde glücklicherweise nach heftigen Protesten die Videowand am ehemaligen Karlsbergschiff in der Saar wieder entfernt – und dafür eine viel größere in der Bahnhofstraße aufgebaut. Im Sekunden-Takt wechseln Bilder und Werbung, Saarbrücken wird verschandelt, Autofahrer werden durch das ständige grelle Blinken abgelenkt, Anwohner durch permanente "Lichtspiele" belästigt. Und die Stadt ist machtlos. Denn für solche Videowände braucht der Betreiber keine Baugenehmigung. Soll in Saarbrücken also wie im Wilden Westen das Recht des Stärkeren herrschen? Auf keinen Fall! Saarbrücken ist ja auch nicht Las Vegas. Hier bestimmen alte Stengel-Bauten, alte Kirchen, kleine Plätze und prächtige Bürger-Häuser das Stadtbild. Saarbrücken ist viel zu schön, um zu einer Billig-Dauerwerbe-Sendung zu verkommen! Wir müssen deshalb Möglichkeiten finden, gegen diese Verschandelung unserer Stadt anzugehen. Es kann doch nicht sein, dass die Stadt den Händlern in der Bahnhofstraße vorschreiben kann, ob sie Kinderspielgeräte vor der Tür aufstellen darf – aber nicht verhindern kann, dass wir mit Videowänden zugepflastert werden. Wir versuchen doch, diese Stadt noch attraktiver zu machen, wir wollen ja auch Besucher anlocken und auch gerade junge Familien für diese Stadt gewinnen. Da sind solche hässlichen Werbewände nun wirklich nicht hilfreich. Aber natürlich ist vor allem das Land gefordert, das eine klare Regelung finden muss. In Rheinland-Pfalz ist das möglich – warum dann nicht hier?
02.11.2011
Wenn sich gerade mal rund ein Drittel der Wahlberechtigten an der Saarbrücker Oberbürgermeister-Wahl beteiligt, muss das ein Weckruf für alle Fraktionen im Stadtrat sein. Wir müssen darüber nachdenken, wie wir die Menschen in dieser Stadt wieder für Politik interessieren und begeistern können. Sie dürfen nicht das Gefühl haben, dass über ihre Köpfe hinweg entschieden wird sondern müssen konkret eingebunden werden. Das ginge etwa über einen Bürgerhaushalt: Wenn jeder Einwohner Ideen und Anregungen zum Haushalt abgeben und Vorschläge von Verwaltung und Fraktionen bewerten kann, wäre das ein großer Fortschritt. Wenn auch wirklich alle Bürger dieser Stadt angesprochen werden. Reine Internet-Abstimmungen etwa klingen zwar modern, lassen aber diejenigen außen vor, die keinen Internetanschluss haben – und das sind meist Menschen mit kleinerem Geldbeutel und Ältere. Wir wollen die Bürger dieser Stadt aber noch stärker beteiligen, deshalb haben wir den Antrag gestellt, dass künftig zu Beginn der Stadtratssitzungen eine Einwohner-Fragestunde stattfindet, wie es in anderen Städten längst üblich ist. Die Saarbrückerinnen und Saarbrücker sollen dann die Gelegenheit haben, die Themen anzusprechen, die ihnen unter den Nägeln brennen und direkt Fragen an die Stadtverwaltung und die Fraktionen zu stellen. Außerdem sollten Jugendliche bei Entscheidungen, die sie unmittelbar betreffen, beteiligt werden. Deshalb könnte ich mir für Saarbrücken einen Jugendbeirat vorstellen, der Rederecht in den Ausschüssen und im Stadtrat hat und bei Planungen und Projekten von Anfang an eingebunden wird. Im Bündnisvertrag mit SPD und Grünen haben wir vereinbart, "die lokale Demokratie durch den Ausbau der Beteiligungsmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger an den Diskussions- und Entscheidungsprozessen zu stärken’“.
26.10.2011
Charlotte Britz bleibt also Saarbrücker Oberbürgermeisterin. Zur erfolgreichen Wahl möchte ich an dieser Stelle herzlich gratulieren. Diese Wahl ist allerdings mit einem klaren Auftrag verbunden. Denn die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hat sie schließlich nicht wegen ihrer Plakate gewählt, sondern weil die ehemalige und neue Oberbürgermeisterin im Wahlkampf mit Themen geworben hat, die ganz oder teilweise Themen der LINKEN sind: Das kostenfreie Mittagessen an Grundschulen und die Sozialcard etwa. Projekte also, die es ohne uns LINKE gar nicht geben würde, für die wir gekämpft haben. Deshalb gehe ich davon aus, dass sie und das rot-rot-grüne Bündnis im Stadtrat gemeinsam auch weiterhin daran arbeiten, diese Stadt gerechter zu machen. Die Bürgerinnen und Bürger erwarten mit Recht, dass Worten Taten folgen. Und so bin ich sehr zuversichtlich, dass wir es in den nächsten Jahren gemeinsam schaffen, dass das kostenfreie Mittagessen für alle Schulkinder an immer mehr Schulen angeboten werden kann. Dass wir auch neue Projekte beherzt angehen, um Saarbrücken für eine Stadt für alle zu machen. Das schlechte Ergebnis der Grünen-Kandidatin Willger ist dagegen ein klarer Beweis dafür, dass die Menschen an der Saar kein Verständnis für die Politik der Jamaika-Clique haben. Wer Teil einer Koalition auf Landesebene ist, die bei Arbeitslosen, Behinderten, Familien, Jugendlichen und auch bei den Kommunen spart und auf der anderen Seite gut dotierte Posten für ausrangierte Parteifreunde schafft, der wird von der Bevölkerung zurecht abgestraft. Die CDU muss endlich einsehen, dass sie keine Mehrheit hat. Wer wichtige Projekte wie die Sozialcard oder den Windelbonus als "Sozialromantik" beschimpft, der hat es auch nicht verdient, diese Stadt zu regieren.
19.10.2011
Das Saarland hat dem Bergbau und den Bergleuten unglaublich viel zu verdanken. Ohne diese mutigen Menschen wäre diese Region nicht nach vorne gekommen, hätten wir auch den Aufbau nach dem Krieg nicht bewältigt, hätten viele keinen Job, kein Geld, nichts zu beißen und schon gar keine Wärme gehabt – und zwar in der ganzen Bundesrepublik. Diese Menschen haben unter Tage ihr Leben riskiert und ihre Gesundheit gefährdet. Das sollten wir nicht vergessen. Schlimm genug, dass die CDU-Landesregierung völlig überhastet das Bergbau-Aus beschlossen hat – ohne Rücksicht auf die Menschen, die davon leben. Rund 2000 Saarländer wurden geradezu aus dem Land getrieben und nach Ibbenbüren verbannt. Familien werden so auseinandergerissen. Ein unrühmliches Ende für ein stolzes Kapitel der saarländischen Geschichte. Jetzt ist die Landesregierung auch noch völlig unfähig, die Erinnerung an diesen wichtigen Teil unseres kulturellen Erbes lebendig zu halten, wie man am Beispiel Velsen sieht. Das Land gibt keinen Cent, um das Bergwerk zu erhalten und zu einem spannenden Erlebnis-Ort zu machen. Im Mai nächsten Jahres endet die saarländische Bergbau-Geschichte, und Jamaika hat noch nicht mal ein Gutachten in Auftrag gegeben, um zu prüfen, was man mit den ehemaligen Bergbau-Flächen im Land anfangen könnte. Ich habe schon vor Monaten im Landtag eine entsprechende Anfrage gestellt, aber Jamaika hat offenbar kein Interesse an Bergbau-Tradition. Dass jetzt engagierte Privatleute in einem Trägerverein das Bergwerk Velsen übernehmen, zeigt, wie sehr die Saarländer mit der Kohle verbunden sind. Aber eigentlich wäre das Land gefordert. Wer Millionen für Gondwana und den Ferienpark am Bostalsee ausgibt, der sollte auch Velsen nicht vergessen – ein wichtiges Kulturerbe dieser Region.
12.10.2011
Viele winken beim Thema Städtischer Haushalt direkt ab: Das Thema zu komplex, die Lage zu aussichtslos. "Das bisschen Haushalt“ macht sich eben keineswegs von allein, sondern ist vielmehr die Grundlage für alle politischen Entscheidungen in dieser Stadt. Wenn wir wichtige Projekte fördern und in mehr soziale Gerechtigkeit investieren wollen, dann muss auch die Finanzlage stimmen. Und jeder weiß ja, dass wir da vor gewaltigen Aufgaben stehen. Immerhin hat Saarbrücken rund eine Milliarde Euro Schulden. Allein für die Zinsen sind Jahr für Jahr über 40 Millionen Euro fällig. In den letzten beiden Jahren haben wir deshalb gemeinsam mit SPD und Grünen ein ehrgeiziges Programm zur Verbesserung des städtischen Haushaltes aufgelegt und Maßnahmen beschlossen, die die Stadt Jahr für Jahr um über 20 Millionen Euro entlasten – sozial gerecht, ohne Stellenabbau, ohne Schwimmbadschließungen. Aber klar ist: Allein wird die Landeshauptstadt nicht aus der Schuldenfalle kommen. Landauf, landab steht Städten und Gemeinden das Wasser bis zum Hals. "Kommunen in Finanznot – Wie kommt eine Stadt wie Saarbrücken aus der Schuldenfalle?“ heißt deshalb eine Veranstaltung der LINKEN im Stadtrat, zu der ich Sie alle herzlich für Dienstag, 18. Oktober ab 18 Uhr in den Rathausfestsaal einlade. Dabei ist etwa Dr. Dierk Hirschel, Wirtschaftspolitik-Experte der Gewerkschaft ver.di, der die These vertritt, dass Schulden keineswegs zwangsläufig „Teufelszeug“ sind – wenn sie für wichtige Investitionen verwendet werden – und dass wir vor allem ein Einnahmeproblem haben. Dabei sind auch Raimund Hirschfelder als Mitglied des Präsidiums des saarländischen Städte- und Gemeindetags, Martin Luckas, der Geschäftsführer des Landkreistags Saarland sowie Dr. Heino Klingen von der Industrie- und Handelskammer.
05.10.2011
Jugendliche haben es nicht immer einfach, Gehör zu finden. Schließlich sind die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung meistens dem Jugendalter entwachsen. Und leider sind einige Unverbesserliche immer noch der Meinung, Jüngere müssten stumm und gehorsam sein, ihre Meinung sei uninteressant, weil die Lebenserfahrung fehle. Ich denke, Saarbrücken soll eine Stadt für alle Menschen sein – ob jung oder alt, männlich oder weiblich, arm oder reich. Die Jugend ist unsere Zukunft, und deshalb müssen wir auch Räume für Jugendliche schaffen. Frei-Räume, in denen sie sich entfalten können. Ich finde es schade, dass etwa die Skaterbahn im Bürgerpark in keinem guten Zustand mehr ist. Es wäre schon viel geholfen, wenn man diese Bahn saniert und vielleicht auch überdacht. Allerdings sollten wir auch an die Sicherheit der Jugendlichen dort denken und deshalb beispielsweise den Kommunalen Ordnungsdienst häufiger kontrollieren lassen. Mich haben besorgte Bürgerinnen und Bürger angesprochen, weil dort, in der Nähe der Skaterbahn, Alkohol und Drogen zum großen Problem werden. Räume für Jugendliche schaffen – das könnte man auch im alten Stadtbad, das bekanntlich seit langer Zeit leer steht. Solange bis ein Investor gefunden ist, und man weiß, wohin die Reise geht, könnte man das Gebäude Jugendlichen zur Verfügung stellen, etwa für Konzerte oder als Probemöglichkeit für Bands. Ich finde, darüber sollte man zumindest nachdenken. Nachdenken sollten wir auch über einen Jugendbeirat – wenn die Vorraussetzungen stimmen und dieser Beirat nicht nur ein kraftloses Feigenblatt darstellt, sondern sich dort Jugendliche wirklich einbringen können mit ihren Ideen, wenn sie wirklich Gehör finden.
21.09.2011
Jahrelang herrschte Stillstand in Saarbrücken. Über große Projekte wie ein neues Stadion oder eine Eventhalle wurde lange und in den schillerndsten Farben geredet – passiert ist aber nichts. Gleichzeitig fehlte der Mut, an drängende bestehende Probleme heranzugehen etwa bei der Saarmesse oder der Stadtgalerie. Jetzt fangen wir an, diese Stadt zu gestalten. Jetzt zeichnet sich ab, dass das Ludwigsparkstadion zu einer modernen Multifunktionsarena umgebaut werden kann – nicht als Geschenk an einen Fußballverein, sondern als eine wichtige Investition für die Stadt und die ganze Region. Jetzt, wo der Umbau in greifbare Nähe rückt, melden schon Konzertveranstalter Interesse an. Diese moderne Arena wird viele Besucher in die Landeshauptstadt locken, da bin ich mir sicher. Auch Messen und Kongresse sind wichtig für eine Großstadt. Deshalb hat DIE LINKE von Anfang an dafür gekämpft, dass Saarbrücken Messestandort bleibt, die Saarmesse modernisiert und Messe- und Kongressgeschäft zusammengeführt werden. Für diese klare Haltung sind wir von anderen Fraktionen zwar heftig kritisiert worden – inzwischen hat sich diese Position allerdings durchgesetzt. Und was eine Eventhalle angeht: Wir werden auch hier sicher eine sinnvolle Lösung finden - kein Millionengrab, sondern eine sinnvolle Investition in die Zukunft dieser Stadt. Zuerst sollte deshalb geklärt werden, ob und in welcher Form das Land sich an dieser Investition beteiligen würde. Das wichtigste aber ist, dass wir über diese sinnvollen Bau-Investitionen nicht vergessen, auch in soziale Gerechtigkeit zu investieren. Bisher ist uns das gelungen: Mit der Sozialcard, der schrittweisen Einführung eines kostenfreien Mittagessens an Grundschulen und dem Windelbonus etwa. Diesen Weg werden wir weiter gehen.
14.09.2011
Zwei Zahlen haben mich im Stadtrat letzte Woche sehr beeindruckt: Die erste lautet 231.000. Soviel Euro Verlust hat die Stadt im letzten Jahr durch Geschwindigkeitskontrollen gemacht. Verlust! Und das nicht etwa, weil so wenig Raser auf Saarbrückens Straßen unterwegs wären – das wäre ja eine gute Nachricht. Sondern deshalb, weil die Stadt fast die Hälfte der Einnahmen direkt wieder an das Land zahlen muss, rund 150.000 Euro waren das im letzten Jahr. Denn seit der Verwaltungsreform bekommt das Land alle Bußgelder ab 40 Euro. Die Stadt muss aber für Personal und Material sorgen und dafür 464.000 Euro ausgeben. Im Klartext heißt das: Wer in Saarbrücken zu schnell unterwegs ist, von Mitarbeitern der Stadt erwischt wird und deshalb zu Recht ein Bußgeld zahlen muss, der zahlt seine Strafe eigentlich an das Land. Zählt man alle Verkehrskontrollen zusammen – also auch etwa Blitze an Ampeln, dann macht Saarbrücken sogar 1,5 Millionen Euro Verlust. Während das Land einfach nur die Hand auf hält und richtig Kasse macht, bleibt die Stadt auf den Unkosten sitzen! Die zweite Zahl lautet 56,3 Millionen. Soviel Euro Mindereinnahmen hat die Stadt seit 2006, weil das Land an seinen Kommunen spart und den kommunalen Finanzausgleich – das Geld, das das Land eigentlich an seine Städte und Gemeinden zahlen soll - kürzt. Diese Zahlen machen deutlich, dass die Stadt Saarbrücken ihren Haushalt nur in den Griff bekommen kann, wenn man einmal grundsätzlich über die Verteilung von Lasten und Aufgaben zwischen Stadt, Land und Regionalverband redet. Also: Holt die Bußgeldstelle wieder zurück in die Stadt. Wer für sinnvolle Aufgaben hohe Ausgaben aufbringt, sollte auch alle Einnahmen daraus erhalten. Und der kommunale Finanzausgleich muss dringend wieder erhöht werden.
07.09.2011
Ein wenig erinnert der Oberbürgermeister-Kandidat der CDU in diesen Tagen an den tragischen Helden Don Quichotte - auch er kämpft mit Vorliebe gegen Windmühlen. Jetzt will er etwas retten, was gar nicht in Gefahr ist: die städtischen Schwimmbäder. Wir haben gemeinsam mit SPD und Grünen einen Haushalt verabschiedet, der die städtischen Finanzen in diesem Jahr um 13,5 Millionen Euro verbessert - ohne Schwimmbad-Schließungen und ohne Stellenabbau. Jetzt fordert das Land nach monatelangem Gezerre weitere 1,2 Millionen Euro Einsparungen - und auch dafür wird kein Bad geschlossen und kein Beschäftigter entlassen. Wenn Herr Strobel es ernst meint mit seinem Kampf für die städtischen Bäder, sollte er mal mit seinen Parteifreunden im Land reden. Schließlich waren es die vom Land beauftragten Gutachter, die vorgeschlagen haben, Schwimmbäder zu schließen. Schließlich ist es die Landesregierung, die immer wieder drängt, dass die Stadt Bäder dicht macht. Auch beim Thema SozialCard sollte Strobel aufhören, gegen Windmühlen zu kämpfen. Schon Ende 2009 hat der Stadtrat mit der rot-rot-grünen Mehrheit beschlossen, dass dafür jährlich 100.000 Euro bereitstehen. Es ist also keineswegs so, dass die Stadt in diesem Jahr neue Ausgaben für dieses wichtige Projekt beschlossen hätte. Und wenn die Stadt den Haushalt in der Höhe verbessert, die die vom Land beauftragten Gutachter vorschlagen, kann das Land nicht immer noch mehr einfordern. Dann sieht jeder, dass sparen allein nicht hilft. Deshalb müssen wir die Einnahmeseite dringend verbessern, ohne die Bürgerinnen und Bürger zusätzlich zu belasten. Umso wichtiger, dass das Land endlich den Weg für die Bettensteuer frei macht - wie in Köln und Trier.
31.08.2011
Wir haben jetzt September, und das Land hat den laufenden Haushalt der Landeshauptstadt noch immer nicht genehmigt. Es weigert sich auch, die Bettensteuer zu genehmigen. Im Mai – rund ein Jahr nachdem der Stadtrat die Satzung beschlossen hatte – hatte Staatssekretär Jungmann der Stadt geschrieben und vorgeschlagen, solange mit einer Genehmigung zu warten, bis in Köln über die dortige Bettensteuer geurteilt worden ist. „Wegen der überwiegenden Vergleichbarkeit der Kölner Satzung mit der Saarbrücker“ sollte das Urteil „für die hier zu treffende Entscheidung weitere Rechtssicherheit bringen“. In Köln hat das Gericht die Bettensteuer inzwischen längst voll und ganz für rechtens erklärt – die Saar-Landesregierung aber schweigt noch immer. Die jetzt amtliche Rechtssicherheit passt Jamaika wohl nicht in den Kram. Ich verzichte an dieser Stelle mal darauf, auf den Einfluss zu verweisen, den ein bekannter Hotelier und FDP-Kreisvorsitzender auf diese Landesregierung hat. Aber ich möchte an die eigentliche Aufgabe einer Kommunalaufsicht erinnern: zu überprüfen, ob Städte und Gemeinden nach Recht und Gesetz handeln, und zwar so, „dass die Entschluss- und Verantwortungsfreudigkeit der Gemeinde gefördert und nicht beeinträchtigt wird“, wie es im Kommunalselbstverwaltungsgesetz (KSVG) heißt. Das Land darf die Genehmigung des Haushaltes also nicht beliebig verzögern, nur weil ihm nicht passt, wie die Saarbrücker gewählt haben. Es kann nicht zuerst auf ein ausstehendes Urteil zur Bettensteuer verweisen und weiter auf der Bremse stehen, wenn dieser Urteilsspruch dann nicht passt. Und was tun die OB-Kandidaten Strobel, Fiedler und Willger? Sie schweigen lieber, statt bei ihren Jamaika-Freunden im Land für die Stadt zu kämpfen.
24.08.2011
Wir alle kennen doch Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind. Mädchen, die eigentlich viel zu jung sind, um sich schon verantwortungsvoll um ein eigenes Kind kümmern zu können. Frauen und Männer, die gar nicht genug Geld haben, um für Nachwuchs sorgen zu können. Deshalb ist es gut, dass seit Erfindung der Pille eine wirksame Familienplanung möglich ist. Schlimm wird es, wenn sich Frauen wirksame Verhütungsmittel finanziell nicht mehr leisten können. Ich habe es selbst zuerst kaum glauben wollen, aber Beratungsstellen wie Pro Familia berichten davon, dass immer mehr Frauen nur noch unsichere, dafür aber billige Verhütungsmittel verwenden, oder aber gar keine mehr. Damit riskieren sie eine ungewollte Schwangerschaft und gefährden ihre Gesundheit. 364 Euro bekommt ein erwachsener Hartz-IV-Empfänger, das ist natürlich viel zu wenig. Und in diesem schmalen Regelsatz sind gerade einmal 15,55 Euro monatlich für „Gesundheitspflege“ vorgesehen. Ein Hohn, wenn man sich vor Augen führt, dass eine Monatspackung der Pille bis zu 18 Euro kostet, die Hormonspirale 350 Euro und selbst eine Zehnerpackung Kondome zwischen sechs und elf Euro. Wer dann auch noch krank wird und zehn Euro Praxisgebühr bezahlen muss oder aber Medikamente, der hat dann natürlich erst Recht kein Geld mehr für Verhütungsmittel. Ich bin überzeugt davon, dass hier die Stadt helfen muss. Kostenlose Verhütungsmittel für Ärmere – das gibt es auch in Freiburg, Flensburg und Berlin. Wenn der OB-Kandidat der CDU jetzt kritisiert, dass es "immer nur mehr Geld für Hartz IV-Empfänger“ gibt, ist das billigster Populismus auf dem Rücken der Betroffenen.
17.08.2011
Eine neue Erfahrung führt manchmal zu ganz ungewohnten Einsichten. Nach einem Oberschenkelhalsbruch war ich Anfang letzten Jahres vorübergehend auf eine Krücke angewiesen. Und musste feststellen, dass man es damit in unserer Stadt nicht immer leicht hat. Da steht man in öffentlichen Gebäuden, im Theater oder Behörden auf einmal vor steilen Treppen, ein Aufzug fehlt. Menschen, die noch gut zu Fuß sind, machen sich meistens gar keine Gedanken darüber. Mir geht es längst wieder gut, aber viele Menschen in unserer Stadt sind dauerhaft gehbehindert, sind etwa auf einen Rollstuhl angewiesen. Und für sie stellen auch ein paar Stufen, ein enger Gang oder eine fehlende Behindertentoilette ein großes Hindernis dar. Natürlich ist schon viel passiert in den letzten Jahren. Aber damit Saarbrücken wirklich eine Stadt für alle wird, müssen wir auch neue Wege beschreiten. In Berlin hat der Verein „Sozialhelden“ eine Internetseite aufgebaut, auf der Menschen mit Behinderungen über behindertengerechte Orte in ihrer Stadt informiert werden. Gleichzeitig können diese Menschen dort selbst in einer online-Karte die Gebäude und Plätze eintragen, an denen es noch keinen behindertengerechten Zugang gibt. „Wheelmap.org“ heißt diese Seite. Auch in Fürth soll sie jetzt mit Informationen gefüttert werden. Ich denke, das wäre eine gute Idee für Saarbrücken. So können sich behinderte Menschen vorher zuhause informieren und stehen nicht plötzlich vor steilen Treppen ohne Aufzug. Und vor allem kann so auch die Stadtverwaltung direkt sehen, an welchen Stellen dringend etwas unternommen werden muss. Menschen mit Behinderungen werden dadurch auch endlich als Ratgeber ernst genommen und können sich direkt einbringen und beteiligen. Ich würde mir wünschen, dass dieses Projekt auch über alle Parteigrenzen hinweg Zustimmung findet.
10.08.2011
Rund ein Jahr ist es jetzt her, dass der erste Dezernent der LINKEN in einer westdeutschen Kommune, Harald Schindel, sein Amt angetreten hat. Seitdem ist er als Beigeordneter für Bürgerdienste, Sicherheit, Soziales und Sport zuständig. Erinnern Sie sich noch, was für einen regelrechten Kulturkampf die CDU im Vorfeld ausgerufen hatte? Ein Beigeordneter, der Mitglied der LINKEN ist - da sahen einige extrem Konservative schon den Untergang des Abendlandes drohen. Und jetzt, ein Jahr später? Die Kritik ist verstummt. Vielleicht sind die Christdemokraten insgeheim ja sogar etwas enttäuscht, dass ihr Feindbild nicht getragen hat. Dass Saarbrücken auch mit einem LINKEN-Sicherheits-Dezernenten nicht untergegangen ist. Das alles kennen wir ja schon: Gut zwei Jahre ist es jetzt her, dass DIE LINKE zum ersten Mal als Fraktion in den Saarbrücker Stadtrat eingezogen ist - als drittstärkste Kraft und auch noch als Teil eines rot-rot-grünen Bündnisses. Da wollten die Konservativen schon das Totenglöckchen für unsere Stadt läuten. Doch Saarbrücken steht noch – und ist seitdem ein gutes Stück gerechter und menschlicher geworden. Zum Beispiel durch die SozialCard, für die DIE LINKE lange gekämpft und gestritten hat und die der LINKE-Dezernent jetzt mit Unterstützung der Linksfraktion erarbeitet hat. Zum Beispiel auch durch den Windelbonus, mit dem seit Januar Familien mit kleinen Kindern und inkontinente Erwachsene bei den Müllgebühren entlastet werden. Auch den haben wir vorgeschlagen, auch für den haben wir gekämpft, auch den haben wir gemeinsam mit dem LINKEN-Beigeordneten umsetzen können. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt kann man also nur gratulieren - und auf die nächsten Jahre der Zusammenarbeit gespannt sein.
03.08.2011
Die Sommerferien gehen langsam zu Ende, bald fängt der Alltag wieder an. Und für rund 1400 Sechsjährige beginnt dann die Schulzeit. Ich habe selbst einen Sohn und sieben Enkel, ich weiß gut, dass die Einschulung ein ganz besonderer Moment für die Kinder ist. Für sie beginnt ein ganz neues, aufregendes Kapitel ihres Lebens. Ich möchte, dass diese Kinder wissen, dass sie in unserer Stadt willkommen sind. Saarbrücken soll noch familienfreundlicher werden. Deshalb hat DIE LINKE vorgeschlagen, dass künftig alle Erstklässler zum Beginn ihrer Schulkarriere kostenlose Eintrittskarten etwa für ein städtisches Schwimmbad, den Zoo, das Filmhaus oder ein Museum bekommen - für sich und für eine erwachsene Begleitperson. Und dabei muss es nicht bleiben. Warum sollten sich nicht auch private Einrichtungen an diesem "Begrüßungsspaket“ beteiligen - mit Freikarten für ein Kino oder ein Spiel des 1. FC Saarbrücken? So werden Hemmschwellen gesenkt und die Kinder können sehen, was diese Stadt alles zu bieten hat. Ich finde, ein solches Begrüßungspaket ist auch eine ideale Ergänzung zur SozialCard, die es seit Juli auf unsere Initiative hin gibt. Denn es gilt ja für alle Kinder - nicht nur für sozial benachteiligte. Und wer einmal gesehen hat, wie schön und spannend es im Zoo oder im Museum sein kann, was für sehenswerte Filme im Filmhaus laufen, der kommt bestimmt wieder - auch als zahlender Gast. Diese Erfahrung haben jedenfalls die Städte gemacht, die bereits einen kostenfreien Zugang für alle Kinder und Jugendlichen ermöglichen. Dort ist anschließend die Zahl der zahlenden Besucher gestiegen. In Magdeburg gibt es eine solche "Kulturschultüte“ übrigens schon seit fünf Jahren, in Wuppertal wird auch darüber nachgedacht. Warum sollte es also in Saarbrücken nicht möglich sein?<//font><//font><//span>
27.07.2011
Am Wochenende wird das Nauwieser Viertel wieder einen regelrechten Besucher-Ansturm erleben. Das Nauwieser Viertelfest ist schließlich Jahr für Jahr eine ganz besondere Attraktion. Hier sieht man, wie bunt, lebendig und lebensfroh dieses Viertel mitten in Saarbrücken ist. Was für einen spannenden Mix der Kulturen, Künstler, Kreativen und faszinierenden Persönlichkeiten, der Kneipen und Restaurants es hier gibt. Keine Frage: Das Nauwieser Viertel ist etwas ganz besonderes. Hier gibt es eine Vielzahl von interessanten kleinen Geschäften, gemütlichen Kneipen und – auch das gehört zu diesem Viertel – Rotlicht-Bars. Und genau diese ganze besondere Mischung macht das Nauwieser Viertel aus. Die Stadt hat viel getan, um dieses Viertel so lebenswert zu machen. Oskar Lafontaine hat als Oberbürgermeister den Anfang gemacht: Über 30 Jahre lang, bis zum Mai 2010, war das Nauwieser Viertel offiziell Sanierungsgebiet. Jetzt wird an einem Bebauungsplan gearbeitet. Für mich und für DIE LINKE ist klar: Ein solcher Plan ist wichtig, damit dort nicht jeder Bauherr machen kann, was er will. Das Viertel soll nicht in die Hände von profitsüchtigen Investoren fallen. Wir wollen, dass die Wohnungen bezahlbar bleiben und der gelungene Mix bestehen bleibt. Darum muss die Einmaligkeit dieses Viertels aber auch in einem Bebauungsplan berücksichtigt werden. Den Anwohnern, Händlern und Kneipiers darf nicht durch unnötige Vorschriften die Luft zum Atmen genommen werden. In diesem Zusammenhang müssen wir uns auch überlegen, was in der unmittelbaren Nachbarschaft des Nauwieser Viertels, dem Mühlenviertel, geschehen soll. Dort kann nicht ewig die Ruine des ehemaligen Stadtbades vor sich hin dümpeln. Auch hier sollte ein lebendiges, spannendes Quartier mit bezahlbarem Wohnraum entstehen.
20.07.2011
Der saarländische Landtag hat im Mai einstimmig eine wichtige Entscheidung getroffen: In der Landesverfassung ist jetzt eindeutig geregelt, dass auch Schwule und Lesben nicht wegen ihrer sexuellen Identität benachteiligt oder bevorzugt werden dürfen. Damit ist das Saarland das fünfte Bundesland, das ein solches Diskriminierungs-Verbot für Homosexuelle in die Verfassung aufgenommen hat – nach Thüringen, Berlin, Brandenburg und Bremen. Ein wichtiges Zeichen, auch wenn es recht spät kommt. Nach wie vor ist „schwul“ eines der schlimmsten und am häufigsten gebrauchten Schimpfwörter auf den Schulhöfen dieser Republik. Nach wie vor haben homosexuelle Lebenspartnerschaften zwar dieselben Pflichten aber weit weniger Rechte als heterosexuelle Ehepartner. Und die schwarz-gelbe Bundesregierung weigert sich beharrlich, das zu ändern. Der Europäische Gerichtshof hat Deutschland deshalb schon gerügt – und geurteilt, dass homosexuelle Lebenspartner bei der Rente nicht schlechter gestellt werden dürfen. Schon letztes Jahr hat das Bundesverfassungsgericht erklärt, dass es verfassungswidrig ist, wenn schwule und lesbische Paare bei der Erbschaftssteuer wie Fremde besteuert werden. Man sieht also: Es tut sich etwas. Viel ist schon passiert – aber es muss auch noch viel passieren, damit es endlich gleiche Rechte für gleiche Liebe gibt. Daran sollten wir denken – nicht nur jetzt am Wochenende, wenn wieder der Christopher-Street-Day in Saarbrücken stattfindet. Respekt und Offenheit gegenüber allen Menschen ist ein Thema, das uns jeden Tag beschäftigen sollte. Wir sollten uns dabei an Artikel 1 des Grundgesetzes erinnern: Die Würde des Menschen ist unantastbar – das gilt für alle Menschen.
13.07.2011
Es ist schon sehr schade: Da steht seit Monaten ein schönes großes Haus mitten in der Innenstadt, ganz nahe am Bahnhof leer. Ich rede vom ehemaligen C&A. Was könnte man aus diesem Gebäude alles machen. Ich hätte da eine Idee: Warum keinen "City-Campus“? Warum sollten Universität und Hochschulen dieses Haus nicht nutzen können - für größere Veranstaltungen etwa? So würde die Uni näher in die Stadt rücken. Andere Städte wie Freiburg oder Münster werden von den vielen jungen Menschen, die dort studieren, deutlich stärker geprägt als unsere Stadt. Eine junge, lebendige Innenstadt wäre auch für Saarbrücken wünschenswert. Ein City-Campus im alten C&A wäre deshalb ein Schritt in die richtige Richtung. So könnten sich Uni und Hochschulen auch für alle anderen Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt öffnen. Wenn dort spannende Diskussionen und Veranstaltungen stattfinden, würde das sicher nicht nur Studenten anlocken. Uni und Hochschule würden auf diese Weise für die Menschen in dieser Stadt erlebbarer. Und die Innenstadt würde so jünger und frischer werden. Mit einem City-Campus würden wir außerdem etwas gegen die Leerstände in der Innenstadt tun. Denn es ist doch eine Schande, wenn so ein großes, modernes Gebäude mitten in der City leer steht. Ein abschreckendes Beispiel ist für mich die alte Hauptpost. Auch dort gäbe es so viele Möglichkeiten für eine sinnvolle Nutzung. Sei es ein Hotel, seien es Kneipen und Restaurants, oder Räume, in denen sich Jugendliche treffen, in denen Bands proben können.
06.07.2011
Es gibt so viele gute Initiativen und so viele sinnvolle Projekte, die man unterstützen könnte. So viele wunderbare Ideen, die man umsetzen könnte, um diese Stadt noch gerechter, noch besser zu machen. Aber leider müssen wir uns in Saarbrücken dabei ja immer die Frage nach der Finanzierung stellen. Immerhin steht die Landeshauptstadt vor einem Schuldenberg von rund einer Milliarde Euro. Eine bessere Finanzausstattung für unsere Stadt ist deshalb eine wichtige Vorraussetzung dafür, dass Saarbrücken handlungsfähig bleibt. Zurzeit wird die Stadt regelrecht in die Zange genommen. Über ein Drittel der Steuereinnahmen geht direkt wieder an die nächste Ebene, den Regionalverband. Gleichzeitig gibt das Land über den kommunalen Finanzausgleich immer weniger. Allein zwischen 2005 und 2009 hat Saarbrücken nur deshalb rund 40 Millionen Euro Schulden aufnehmen müssen, weil die Landesmittel gekürzt wurden. Und weil die Bundesregierung mit ihrem „Geldregengesetz“ Hotels, reiche Erben und große Konzerne beglücken wollte, hat die Stadt Saarbrücken in den nächsten Jahren 13 Millionen Euro weniger zur Verfügung. So kann es nicht weiter gehen. Es muss gelten: Wer bestellt, bezahlt. Wenn Bund oder Land neue Maßnahmen beschließen, dann müssen sie auch die finanziellen Lasten dafür tragen. Außerdem müssen wir die Einnahmeseite der Stadt dringend verbessern. Nicht durch neue Belastungen für die Bürgerinnen und Bürger, sondern etwa über die Bettensteuer und die höhere Vergnügungssteuer auf Glücksspielautomaten. Wir brauchen aber auch die Unterstützung von Bund und Land. Nötig wäre etwa ein Entschuldungsfonds für Städte und Gemeinden. Nur zum Vergleich: Für die „notleidenden Banken“ waren quasi über Nacht hunderte Milliarden Euro vorhanden.
29.06.2011
Endlich! Die Sommerferien haben begonnen. Einige von Ihnen müssen trotzdem arbeiten, viele können jetzt aber auch ihren wohlverdienten Urlaub antreten. Und auch der Saarbrücker Stadtrat geht in die Sommerpause. Zeit abzuschalten, neue Kräfte zu sammeln – damit es im Herbst wieder mit frischer Kraft vorangehen kann. Zeit auch, eine Zwischenbilanz zu ziehen. Knapp zwei Jahre ist DIE LINKE jetzt im Saarbrücker Stadtrat vertreten. In dieser Zeit haben wir den Einstieg in ein kostenloses Mittagessen für alle Grundschulkinder geschafft - im nächsten Schuljahr wird es dieses Projekt an fünf Ganztagsgrundschulen geben. In dieser Zeit haben wir auch erreicht, dass Familien mit kleinen Kindern und inkontinente Ältere durch den Windelbonus bei den Müllgebühren entlastet werden. Und das letzte Projekt, das wir verwirklichen konnten, ist der Sozialpass - oder SozialCard, wie sie offiziell heißt. Wir haben erreicht, dass es keinen Stellenabbau bei der Stadt und ihren Gesellschaften gibt, keinen Sozialabbau und keine weiteren Privatisierungen. Stattdessen ist die Stadt wieder in die Energieerzeugung eingestiegen. Trotz der schwierigen Haushalts-Situation der Stadt haben wir gemeinsam mit SPD und Grünen sowohl 2010 als auch 2011 jeweils einen Haushalt ohne Schwimmbadschließungen und ohne Stellenabbau vorlegen können – obwohl das Land quasi darauf drängt, dass wir in Saarbrücken Bäder schließen und Jobkahlschlag betreiben. Ich denke, diese Bilanz kann sich durchaus sehen lassen. Wer hätte vor zwei Jahren schon gedacht, dass wir die Stadt so schnell, so nachhaltig verändern können? Jetzt wünsche ich Ihnen allen aber erst einmal schöne und geruhsame Sommerferien.
22.06.2011
Es ist schon beeindruckend, was uns in Saarbrücken in den letzten Wochen geboten worden ist: Das Wiener Burgtheater war zu Gast im Staatstheater, die Wiener Philharmoniker in der Saarlandhalle, Tenor-Megastar Jonas Kaufmann sang im E-Werk, Popstar Christina Stürmer in der Garage. Wir können uns auch auf einen Auftritt des Wiener Staatsopernballetts in der Saarlandhalle freuen. Weltklasse-Kultur aus Österreich geballt in der saarländischen Landeshauptstadt. Zu verdanken haben wir diese kulturellen Leckerbissen den Musikfestspielen Saar um Prof. Leonardy und sein engagiertes Team. Sie haben es geschafft, die ganz Großen an die Saar zu locken. Eine beachtliche Leistung, vor der ich großen Respekt habe. Und dieser Erfolg nutzt ja der ganzen Region. Da werden Besucher angelockt, die natürlich auch hier ihr Geld ausgeben, was den Einzelhandel, die Hotels und Gastwirte freut. Durch solche Glanzlichter steigt auch das Ansehen des Saarlandes spürbar. Jetzt sieht man, was möglich ist in dieser Stadt. Wir müssen uns nicht verstecken, auch nicht im Vergleich zu Luxemburg oder Mannheim. Diesen Weg sollten wir konsequent weiter gehen. Die nächsten Musikfestspiele in zwei Jahren sollen ja Musik aus Deutschland zum Thema haben. Vielleicht können dann ja schon große Konzerte im modernisierten Ludwigsparkstadion stattfinden. Und natürlich sollen auch wirklich alle daran teilhaben können: Es wäre doch schön, wenn es dann auch mit unserer neuen SozialCard verbilligte Eintrittskarten für Ärmere gibt. Kultur für alle! In diesem Sinne muss man neben den großen Veranstaltungen natürlich auch die kleine aber feine freie Kulturszene fördern. Ganz in diesem Sinne war ja der Umzug des Theaters im Viertel in neue, komfortablere Räume im Alten Feuerdrachen.
15.06.2011
Das rheinland-pfälzische Oberverwaltungsgericht in Koblenz hat dem saarländischen Innenminister Toscani kürzlich sicher ordentlich die Stimmung verhagelt. Denn die Richter haben die Klagen zweier Hoteliers gegen die Bettensteuer abgewiesen. Trier und Bingen dürfen diese Steuer damit weiterhin erheben. Wer sich die Urteilsbegründung der Koblenzer genauer durchliest, findet dabei eine Stelle, die der saarländischen Landesregierung besonders übel aufstoßen dürfte: Demnach dürfen nämlich nicht nur Hotel-Übernachtungen von Touristen besteuert werden, "sondern auch für beruflich veranlasste Aufenthalte in einem Beherbergungsbetrieb" – Geschäftsreisen also. Genau davon wollte das saarländische Innenministerium in einem Schreiben an die Stadt Saarbrücken im Mai noch nichts wissen. Dieses Urteil bestätigt uns LINKE. Nachdem die schwarz-gelbe Bundesregierung den Hoteliers zwölf Prozent Steuern geschenkt hat, dürfen Städte und Gemeinden selbstverständlich einen Teil davon zurückfordern, in Form der Bettensteuer. "Reine Notwehr“ nennen das die Kollegen in Köln, in der es die Bettensteuer ebenfalls gibt. Denn die Städte und Gemeinden leiden immer stärker unter den Steuergeschenken, die die Bundesregierungen den Großkonzernen und Vermögenden machen. Jetzt müsste das Land der Stadt die Bettensteuer endlich offiziell genehmigen. Denn wie kann etwas, was in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen rechtmäßig ist, im Saarland unrechtmäßig sein? Ich nehme an, der saarländische Innenminister grübelt inzwischen angestrengt über eine Lösung. Aber auch er muss erkennen: Eine Kommunalaufsicht darf nur prüfen, was rechtlich geht und was nicht – und keine politischen Bewertungen anstellen. Die Bettensteuer belastet keinen Menschen in Saarbrücken – sie führt nur dazu, dass die Steuerentlastung für die Hoteliers etwas schmaler ausfällt – und nutzt uns allen.
08.06.2011

Wir in Saarbrücken können Hartz IV ja leider nicht mal eben so abschaffen. Wir können auch nicht die Armut einfach beenden. Wir können aber dafür sorgen, dass Menschen, die mit wenig Geld auskommen müssen, nicht mehr länger ausgegrenzt werden. Denn bislang müssen ärmere Menschen noch oft draußen bleiben, weil sie sich die Eintritte und Gebühren nicht leisten können – sei es im Museum, in den Schwimmbädern oder im Zoo. Deshalb haben wir LINKE engagiert für einen Sozialpass gestritten, gekämpft und geworben. Jetzt ist es soweit. Wenn der Stadtrat am 21. Juni grünes Licht gibt, dann geht es ab Juli los. Die SozialCard – wie der Sozialpass nun offiziell heißt – bekommen alle, die von Hartz-IV, Sozialhilfe, Grundsicherung oder von Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz leben müssen und in der Landeshauptstadt gemeldet sind. SozialCard-Inhaber müssen künftig in allen städtischen Schwimmbädern nur noch die Hälfte des Eintrittspreises zahlen und können die Stadtbibliothek kostenlos nutzen. Sie bekommen ermäßigte Eintritte etwa im Zoo, im Filmhaus und in den Saarbrücker Museen der Stiftung saarländischer Kulturbesitz. Auch bei der Musikschule gibt es 50-Prozent Ermäßigung. Und für Bus und Saarbahn wird es deutliche Rabatte für Jahres- und Monatskarten geben. Ich denke, unsere Anstrengungen haben sich gelohnt, dieser Sozialpass kann sich sehen lassen. Unser Sozialdezernent Harald Schindel hat gute Arbeit geleistet, und vielleicht gelingt es ihm gemeinsam mit unserer Fraktion ja, künftig noch weitere Vergünstigungen herauszuholen. Warum sollte es mit dem Sozialpass beispielsweise nicht auch ermäßigte Eintritte für Spiele des 1. FC Saarbrücken geben? Schließlich haben die Blau-Schwarzen auch viele Fans, die gerne ihre Mannschaft im Ludwigsparkstadion unterstützen würden, sich aber leider kein Ticket leisten können.
01.06.2011
Die Wirte in Saarbrücken sind nicht zu beneiden. Jamaika hat das schärfste Rauchverbot Deutschlands durchgedrückt, ohne auf die Warnungen der Gastronomen zu hören. Viele Jobs sind in Gefahr, die Existenzen vieler Gastwirte stehen auf der Kippe. Alles nur aus ideologischem Eifer. Getrieben von den Grünen ist das Land in einem regelrechten Anti-Raucher-Wahn verfallen. Natürlich müssen Nichtraucher geschützt werden, keine Frage. Aber dieser Schutz wäre auch gegeben, wenn es eigene, gut belüftete Raucher-Nebenräume geben dürfte. Und wenn bei kleineren Kneipen der Wirt selbst entscheiden dürfte, ob in seinen Räumen geraucht werden darf, oder nicht. Im Landtagswahlkampf hatten CDU und FDP noch versprochen, dass es bei der etwas toleranteren früheren Regelung bleiben wird. Längst vergessen. Schließlich brauchen beide Parteien ja die kleine grüne Partei, um an der Macht zu bleiben. Im Landtag hat Jamaika deshalb geschlossen den Antrag der Linksfraktion abgelehnt, Ausnahmen für kleinere Kneipen und solche mit eigenem Nebenraum zuzulassen. Das Gesetz ist auch noch handwerklich schlecht. Denn wer für Kontrollen zuständig sein soll, ist nicht geklärt. Die Städte und Gemeinden bekommen dafür vom Land weder Geld noch Personal. Das Land beschließt also wieder einmal etwas und die Kommunen müssen sehen, wie sie damit zurecht kommen. In Saarbrücken haben wir kein Geld für zusätzliche Rauch-Patrouillen. Hier wird deshalb nur ganz gelegentlich kontrolliert – in der Zeit zwischen acht und 22 Uhr. Ob sich wirklich jemand an das Rauchverbot hält, wird also kaum überprüft. Den Wirten nutzt das wenig – es sei denn, eine Stadt wie Saarbrücken würde konsequent etwa am Wochenende ganz auf Kontrollen verzichten und den Kneipiers so wieder etwas Luft zum atmen lassen. Im guten saarländischen Sinne also auch mal fünfe gerade sein lassen.
25.05.2011
Wer heute 16 oder 17 Jahre alt ist, steckt vielleicht mitten in der Ausbildung oder hat sie gerade beendet. Er zahlt Steuern und Sozialabgaben. Oder er geht zur Schule, bereitet sich auf einen Abschluss vor. Mit 17 dürfen Jugendliche im Saarland den Führerschein machen. Nur eines dürfen sie nicht: Darüber mitentscheiden, was in dieser Gesellschaft passiert. Fahren mit 17 – ja klar. Wählen- nein danke? Ich bin überzeugt, wir müssen Jugendliche stärker an den politischen Entscheidungen beteiligen. Dazu gehört auch ein Wahlrecht ab 16. Wichtig wäre auch, ernsthaft und auf Augenhöhe mit Jugendlichen zu sprechen, vor allem dann, wenn es um Themen geht, die sie unmittelbar betreffen. Ob das nun in einem eigenen Jugendbeirat geschieht, oder von Fall zu Fall bei ganz konkreten Projekten. Wichtig ist, dass Jugendliche sich einbringen können, dass sie gehört werden und nicht über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Dass nicht nur Ältere die Politik für junge Menschen machen. Letzte Woche hat unsere Fraktion im Café Exodus eine Diskussionsrunde veranstaltet. Mich hat sehr beeindruckt, dass bei den vielen anwesenden Jugendlichen nichts von Politikverdrossenheit zu spüren war. Dafür umso mehr Engagement, Idealismus und Leidenschaft. Deshalb sollten sie bei den wichtigen Entscheidungen auch nicht außen vor bleiben. Ausgeschlossen werden sollen aber auch nicht diejenigen jungen Menschen, die kein Geld haben, um ins Schwimmbad, ins Kino oder zu Konzerten zu gehen – weil sie etwa von Hartz IV leben müssen. Deshalb werden wir ab Juli einen Sozialpass einführen. Denn Saarbrücken soll ja eine Stadt für ALLE werden – für jung und alt, männlich und weiblich, mit großem oder kleinerem Geldbeutel.
18.05.2011
Ein Jahr lang hat der saarländische Innenminister gebraucht, um die fünfseitige Satzung für eine Bettensteuer in Saarbrücken zu lesen. Ein Jahr, um ein Projekt zu prüfen, das in anderen Teilen Deutschlands längst umgesetzt wird. Derselbe CDU-Innenminister, der von der Stadt Saarbrücken harte Spareinschnitte verlangt und die Stadt quasi dazu aufruft, Schwimmbäder zu schließen und Stellen zu streichen, hat Probleme damit, wenn diese Stadt mit einer neuen Einnahmequelle den Haushalt deutlich verbessert. Eine Einnahmequelle wohlgemerkt, die keinen Bürger zusätzlich belastet. Nur die Hoteliers, die von der Bundesregierung zwölf Prozent Steuern geschenkt bekommen haben, sollen fünf Prozent davon an die Stadt zurückzahlen. Eine Kommunalaufsicht sollte eigentlich keine politischen Bewertungen anstellen oder ungeliebte Entscheidungen auf die lange Bank schieben. Sie sollte lediglich prüfen, ob es in den Städten und Gemeinden nach Recht und Gesetz zugeht. Nach einem Jahr sagt das Land jetzt offenbar "ja – aber“ zur Bettensteuer. Ja, sie ist ein legitimes Mittel zur Finanzierung der Infrastruktur dieser Stadt – von der ja auch die Hotelgäste profitieren – muss das Land zähneknirschend zugeben. Und fügt trotzig ein „aber“ an: Ob diese Steuer auch für Geschäftsreisende gelten darf, sei fraglich. Dabei kassiert die Stadt ja gar nicht bei den Hotelgästen ab. Wer immer nach Saarbrücken reist, muss keinen Cent Bettensteuer zahlen – es sei denn, die Hotels legen diese Steuer auf ihre Gäste um und verteuern so die Zimmerpreise. Dann sind sie aber ehrlich gesagt selbst schuld. Wenn der Bund den Steuersatz pauschal um zwölf Prozent senken kann – für den Umsatz, den Hotels mit Geschäftseisenden machen ebenso wie für den Umsatz im privaten Tourismusbereich – warum sollte eine Bettensteuer auf den Hotel-Umsatz dann nicht ebenfalls möglich sein?
11.05.2011
Wie lebt es sich eigentlich als Jugendlicher in einer Stadt wie Saarbrücken? Wie sieht es an den Schulen aus? Haben wir ein ausreichendes Angebot an Freizeiteinrichtungen? Und sind sie über den öffentlichen Nahverkehr gut zu erreichen? Welche Probleme haben junge Menschen während ihrer Ausbildung – und wie könnte man sie beheben? Wie beurteilen Jugendliche ihre Zukunftsperspektiven in Saarbrücken und im Saarland? Und wie könnten sie sich in dieser Stadt noch besser einbringen? In Deutschland ist man bekanntlich mit 18 Jahren volljährig, darf wählen und sich wählen lassen. Das heißt: Alle, die jünger sind, sind in Parlamenten und Regierungen nicht vertreten. Und auch der Anteil der jungen Erwachsenen ist dort sehr überschaubar. Ältere machen also die Politik für junge Menschen. Wären also Jugendbeiräte eine Lösung – oder gibt es andere Wege, die besser funktionieren? Wir wollen, dass Saarbrücken eine Stadt für alle ist – das heißt auch: eine Stadt für Jung und Alt. Deshalb werden wir am Donnerstag, 19. Mai, mit Jugendlichen und Vertretern von Jugendorganisationen diskutieren. Darüber, wo in dieser Stadt der Schuh drückt, was man verbessern kann. Und darüber, wie Jugendliche ganz allgemein mehr Gehör finden können im politischen Getriebe der Landeshauptstadt. Sie sind alle herzlich zu dieser Veranstaltung eingeladen. Los geht es um 18 Uhr im Cafe Exodus. Und alle, die schon jetzt ganz konkrete Verbesserungsvorschläge haben, können sich gerne an uns wenden. Auf unserer Homepage, per Mail an dielinke@saarbruecken.de oder per Post. Natürlich wollen wir nicht nur schwafeln, sondern gute Ideen dann auch ganz konkret umsetzen. Darüber werden wir Sie und Euch natürlich auch künftig auf dem Laufenden halten.
04.05.2011
Ist es nicht schockierend, dass es in diesem reichen Land Kinder gibt, die an Mangelernährung leiden? Und dass die Schultage unserer Kinder zwar immer länger werden – viele aber den ganzen Tag keine warme Malzeit zu sich nehmen? Ich halte das für einen Skandal. Deshalb kämpfen wir dafür, dass alle Schulkinder in den Ganztagsgrundschulen ein kostenloses Mittagessen bekommen. In den Schulen Folsterhöhe und Weyersberg gibt es das seit Beginn des Schuljahres und dort ist die Resonanz sehr positiv. Die Essensplätze sind alle belegt, es essen jetzt auch viele Kinder mit, die vorher außen vor geblieben sind. Im nächsten Schuljahr sollen auf Initiative der LINKEN drei weitere Schulen dazu kommen: die Füllengartenschule in Burbach, die Turmschule in Dudweiler und die Dellengartenschule in Alt-Saarbrücken. Der Ausbau geht voran und er wird auch nicht stoppen. Dafür werden wir sorgen – auch wenn es oft ein mühsames Ringen ist, die dafür nötigen Mehrheiten zusammen zu bekommen. Aber es lohnt sich. Wir wollen, dass kein Kind außen vor bleibt – weder im Unterricht noch am Mittagstisch. Und deshalb hat sich das rot-rot-grüne Bündnis auf unser Drängen hin auch klar entschieden: Für ein kostenfreies Mittagessen für alle. Und gegen eine weitere Auslese zwischen arm und reich schon in der Grundschule. Ich finde es gut, dass die FDP uns bei diesem Projekt in der Vergangenheit unterstützt hat. Da sieht man, dass man auch über Parteigrenzen hinweg und jenseits aller so genannter Lager gemeinsam neue Wege gehen kann. Und ich würde mich freuen, wenn wir auch jetzt für den weiteren Ausbau möglichst breite Mehrheiten finden können – im Interesse unserer Kinder. Bald wird Saarbrücken übrigens noch in einem weiteren Bereich sozialer und gerechter: Denn der Sozialpass wird wohl noch in diesem Sommer eingeführt.
27.04.2011
Jetzt, wo der Frühling erwacht und Ostern schon wieder vorbei ist, denkt kaum noch einer an den langen, harten, kalten Winter, der hinter uns liegt. Es sei denn, man schaut sich die Schäden an, die dieser Winter auf unseren Straßen hinterlassen hat. Schäden, mit denen unsere Stadt jetzt mehr oder weniger alleine da steht. Am 8. Februar hat der Stadtrat auf unsere Anregung hin eine Resolution verabschiedet. Darin haben wir den Bund aufgefordert, den Städten und Gemeinden bei der Beseitigung der Winterschäden finanziell unter die Arme zu greifen. Immerhin sind befahrbare Straßen nicht nur im Sinne einer Kommune, sondern auch des Landes und des Bundes. Immerhin ist ein gut ausgebautes Straßennetz auch ein Standortvorteil von wirtschaftspolitischer Bedeutung. Die Stadt hat ihren Teil getan und in diesem Jahr noch einmal deutlich mehr Geld für die Straßensanierung bereit gestellt. Aber mehr ist nicht drin. Im letzten Jahr hat die Ausbesserung der Straßen im Saarland rund acht Milliarden Euro gekostet, in diesem Jahr rechnet man mit landesweit zehn Milliarden. Und da in ganz Deutschland 95 Prozent aller Straßen in Trägerschaft der Städte, Gemeinde und Kreise sind, dürfen die Kommunen die Zeche zahlen. Das ist ungerecht. Der Bund hat sich durch unsere Resolution nicht beeindrucken lassen. Bundesverkehrsminister Raumsauer von der CSU hat kurz und knapp mitteilen lassen, dass „der Bund nur die Straßen in seiner Baulast“ finanziert, also die Bundesfernstraßen. „Vor diesem Hintergrund gewährt das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung weder Finanzhilfen noch Zuschüsse im Rahmen von Sonderprogrammen an die Kommunen zur Beseitigung der entstandenen Winterschäden."
20.04.2011
Es klingt ja durchaus einleuchtend: Die Stadt ist hoch verschuldet, weder vom Land noch vom Bund ist Hilfe zu erwarten – also kann Saarbrücken keine Millionen für neue Projekte ausgeben. Ganz wie zuhause in der Familie: Wenn kein Geld da ist, kann man sich eben kein neues Auto leisten. Klingt einleuchtend – richtig ist es deshalb noch lange nicht. Denn dann könnten wir den Laden gleich dicht machen. Im Gegenteil: Saarbrücken braucht nach langen Jahren des Zögerns, Zauderns und Abwartens endlich wieder richtungweisende Investitionen. Investitionen, die der ganzen Stadt nutzen, und die uns in Zukunft helfen werden, den Haushalt weiter zu verbessern. Durch den Umbau des Ludwigsparkstadions bekommt die Landeshauptstadt eine moderne Multifunktions-Arena, in der neben Fußballspielen auch endlich wieder Konzerte und Großveranstaltungen stattfinden können. Das lockt Besucher in unsere Stadt, die natürlich auch hier Geld ausgeben. Und das wiederum freut den Einzelhandel. Außerdem ist und bleibt die Stadt Besitzer des Ludwigsparkstadions. Auch ohne Umbau müssten wir in den nächsten Jahren Millionen ausgeben, damit der in die Jahre gekommene Bau nicht zusammenkracht. Durch den Umbau kann die Stadt aber den Haushalt deutlich verbessern, durch höhere Mietzahlungen und neue Veranstaltungen. Was unser Sportdezernent Harald Schindel da mit ausgehandelt hat, kann sich also sehen lassen. Und Investitionen wie diese werden die wichtigen Projekte im sozialen Bereich nicht schmälern. Der Ausbau des kostenfreien Mittagessens geht natürlich trotz Stadionumbaus voran, im nächsten Schuljahr werden drei weitere Schulen folgen. Im Sommer wird Saarbrücken auch einen Sozialpass bekommen. Und gleichzeitig fördern wir den Sport auch in den Stadtteilen – etwa durch Unterstützung beim Bau von Kunstrasenplätzen.
13.04.2011
Wer gut arbeitet hat ein Recht auf gute Bezahlung. Deshalb sind wir hier in Saarbrücken zwar prinzipiell dafür, dass Langzeitarbeitslose im Rahmen der Bürgerarbeit gefördert werden – aber eben nicht zum Mini-Tarif ausgebeutet. Wir müssen auch in der Privatwirtschaft gegen den Trend zu Billiglöhnen vorgehen. Es ist skandalös, dass im letzten Jahr im Saarland die Zahl der Leiharbeiter um rund 39 Prozent zugenommen hat. Und es ist nicht hinnehmbar, dass die Durchschnittslöhne an der Saar mehr als neun Prozent unter denen in Rest-Westdeutschland liegen. Durch diese Niedriglohnpolitik droht auch eine deutliche Zunahme der Altersarmut. Weil das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung immer weiter sinkt, rechnen Experten damit, dass ein Durchschnittsverdiener künftig mindestens 30 Jahre lang Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen muss, um überhaupt das Minimum, eine Rente in Höhe der Grundsicherung, zu erhalten. Bei Menschen mit kleinem Einkommen werden dafür bald nicht mal mehr 45 Jahre reichen. Ihnen hilft auch eine private Zusatzversicherung wie die Riester-Rente wenig: Schließlich ist es schwer, mit einem schmalen Einkommen die dafür nötigen Beiträge aufzubringen. Außerdem würde ihnen am Tag des Rentenbeginns sofort die Grundsicherung entsprechend gekürzt. Der Paritätische Wohlfahrtsverband rechnet damit, dass im Jahr 2025 jeder zehnte Rentner auf Grundsicherung angewiesen ist. Der Chef der Deutschen Rentenversicherung, Herbert Rische, hat deshalb Recht, wenn er fordert, dass alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen müssen und der Staat auch für Hartz IV-Empfänger und Arbeitslosengeld-I-Bezieher Rentenbeiträge einzahlt. Ansonsten haben wir hier in Saarbrücken auch ein finanzielles Problem: Denn wir müssen ja über die Regionalverbandsumlage für die Sozialkosten aufkommen – und damit die Lasten für den Billiglohn-Boom tragen.
06.04.2011
"Wir schlagen Schaum - wir seifen ein. Wir waschen unsre Hände wieder rein“. Dieses Lied von Ernst Busch ist zwar schon ein paar Jahrzehnte alt, aber es scheint, als wäre es für die aktuelle Atomdebatte geschrieben worden. Denn da wird ja zurzeit viel Schaum geschlagen. Union und FDP boxen zuerst, 25 Jahre nach Tschernobyl, mit aller Macht eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke durch, um sie dann für drei Monate wieder auf Eis zu legen. Offizielle Begründung: Man könne dieses „Innehalten“ nutzen, um grundsätzlich über die Atomkraft nachzudenken. Vorher hatte man also wohl nicht richtig nachgedacht. Nicht, als Frau Merkel noch Ministerin für Umwelt und Reaktorsicherheit war, nicht als man die Laufzeiten der AKW verlängert hat. Oder war es nur ein plumper Wahlkampftrick? Aber auch woanders wird munter Schaum geschlagen. Die Grünen wollen jetzt einen völligen Ausstieg aus der Atomkraft bis 2017 – also innerhalb von sechs Jahren. Recht haben sie. Nur: Als sie selbst die Möglichkeit dazu hatten, zu Zeiten der rot-grünen Bundesregierung, haben sie nur einen Minikompromiss vorgelegt, einen unendlich langsamen Ausstieg, der gleich schon die Möglichkeit des Wiedereinstiegs beinhaltete. Wahr ist: Hätten die Grünen in ihrer Amtszeit mutig gehandelt, gäbe es heute gar keine Atomdebatte mehr. Atomenergie ist ein viel zu wichtiges Thema, um es den Grünen zu überlassen. Gleiches gilt natürlich für die SPD. Im Saarbrücker Stadtrat waren sich alle Parteien schnell einig: Wir unterstützen den Bürgeraufruf für ein schnelles Abschalten des AKWs Cattenom. Wichtig ist aber, auf allen Ebenen für ein Ende des Atomzeitalters zu kämpfen – und die richtigen Alternativen zu fördern. Deshalb ist es gut, wenn die VVS wieder selbst in die Energieerzeugung eintritt. Deshalb sollten wir den Ausbau der erneuerbaren Energien auch in unserer Stadt fördern.
30.03.2011
Eine Meldung hat kürzlich viele Menschen in Saarbrücken verärgert: Der holländische Q-Park-Konzern hatte kurz und knapp mitgeteilt, dass 40 Minuten parken jetzt 1,50 Euro kosten und ab der 41. Minute drei Euro fällig werden sollen. Eine Unverschämtheit, denn diese Preiserhöhung hätte ja nichts mit gestiegenen Kosten zu tun gehabt. Hier wollte ein Konzern einfach noch mehr Profit machen. Nun sind die neuen Taktzeiten nach starkem Protest und nach einer Resolution des Stadtrates – bei der die Grünen allerdings lieber außen vor geblieben sind - wieder vom Tisch. Dennoch bleiben die Q-Parkgebühren auf sehr hohem Niveau. Das ist ein großer Nachteil auch für den Einzelhandel in unserer Stadt. Immerhin kostet die volle Park-Stunde in Neunkirchen und Saarlouis gerade einmal 50 Cent. Das zeigt: Die Privatisierungsorgien der letzten Jahre waren ein Riesenfehler. Die Stadt hätte ihre Parkhäuser niemals an einen Privat-Konzern verscherbeln dürfen. Wir haben deshalb im Stadtrat Ende 2009 dafür gestimmt, dass die Stadt keine weiteren Parkplätze oder –häuser mehr privatisiert – übrigens wieder gegen die Stimmen der Grünen. Wir haben es auch tatsächlich geschafft, dass neue Parkflächen von der Stadt selbst betrieben werden und dass etwa das Bürgerhaus Dudweiler re-kommunalisiert wird, also nicht mehr Q-Park sondern der Stadt gehört. Das kann aber nur ein erster Schritt sein. Natürlich ist eine reine „Asphalt- und Bleifuss-Politik“, wie sie etwa die FDP fordert, auch keine Lösung. Eine Stadt wird nicht lebenswerter, wenn noch mehr Autos in die Innenstadt drängen. Wichtig ist vielmehr der richtige Mix: Mehr Bus und Bahn, durchaus auch mehr Radwege, gleichzeitig aber keine Park-Abzocke. Denn die trifft ja gerade auch die Menschen mit dem schmaleren Geldbeutel, die in dieser Stadt aber nun einmal parken müssen – etwa weil sie hier arbeiten oder einkaufen wollen.
"Wochenspiegel" vom 30. März 2011
23.03.2011
Die CDU scheint im beginnenden Oberbürgermeister(in)-Wahlkampf besonders verzweifelt nach einer zündenden Idee zu suchen. Da fordert ihr Kandidat zuerst lauthals einen Bürgerentscheid über Stadtmitte am Fluss – obwohl er und seine Partei bekanntlich seit langem besonders engagiert für dieses Projekt kämpfen. Dann rudert er hilflos wieder zurück: Ein solcher Entscheid könnte ja irgendwann nach den OB-Wahlen stattfinden. Da erscheint er in Herrensohr und gibt hastig bekannt, dass das Land der Stadt noch in diesem Jahr Geld für einen Kunstrasenplatz vorstreckt. Nun gönne ich den Menschen in Herrensohr einen modernen Kunstrasenplatz von Herzen. Aber den Menschen etwa in Güdingen und Rockershausen – wo sich auch Sportvereine beworben haben – ebenfalls. Und genauso den Menschen etwa am Wackenberg – und überall dort, wo Schwächere und Benachteiligte leben und ihre Sportvereine darum nicht das große Geld haben, um die nötige Eigenleistung für einen solchen Platz zu bringen. Nun kann es sich die Stadt nicht leisten, alle Plätze auf einmal zu bezuschussen. Aber wenn jährlich ein Platz mit Hilfe der Stadt und des Landes erneuert wird, ist dies ja auch ein Fortschritt. Die Christdemokraten wollen aber unbedingt, dass die Stadt in diesem Jahr auch Geld ausgibt, das erst für 2012 gedacht war – und im nächsten Jahr kann dann kein weiterer Kunstrasenplatz gebaut werden. Aber dann ist ja auch keine OB-Wahl, scheint die CDU zu denken. Wenn das Land in diesem Jahr also zusätzlich Geld bereitstellen will, dann soll es das erst einmal ganz offiziell mitteilen und auch erklären, wie die Förderung im nächsten Jahr aussieht. Dann können wir auch in den Bezirksräten und im Stadtrat darüber diskutieren, wo es losgeht und welcher Sportverein als nächstes an der Reihe ist.
"Wochenspiegel" vom 23. März 2011
16.03.2011
Die Oberbürgermeister(in)-Wahl im Herbst wirft ihre Schatten voraus. Jetzt haben auch Grüne und FDP ihren Hut in den Ring geworfen. Claudia Willger-Lambert, die gute Freundin Hubert Ulrichs und Jamaikanerin aus Überzeugung, will als Kandidatin der Grünen antreten - obwohl sie im Stadtrat immer mal wieder gegen ihre eigene Fraktion und gegen das rot-rot-grüne Bündnis stimmt, etwa bei der Bettensteuer. Die Grünen sind nicht zu beneiden um eine Kandidatin, die oft vergisst, dass sie in Saarbrücken ihre Fraktion im Stadtrat vertritt, und nicht die schwarze Ampelkoalition im Land. Die CDU ist währenddessen schwer bemüht, ein Profil zu finden – irgendein Profil. Da wird es auch schon mal mit dem Thema ‚Kampf gegen die Glücksspielsucht’ versucht, aber dummerweise wollen die CDU- Parteifreunde im Landtag nichts wissen von den Ideen ihres eigenen Saarbrücker OB-Kandidaten. Und so wird wortlos die Erhöhung der Vergnügungssteuer auf Glücksspielautomaten wieder als Wahlkampf-Thema fallengelassen. Echte inhaltliche Auseinandersetzungen finden bisher im OB-Getöse nicht statt. Wir LINKE sind für einen Politikwechsel angetreten. Wir wollen eine Stadt für alle – ob arm oder reich, alt oder jung. Und deshalb ist es für uns viel wichtiger, dass etwa das kostenlose Mittagessen für alle Schulkinder schnell an weiteren Schulen angeboten wird und der Sozialpass für Arbeitslose und Geringverdiener bald starten kann. Dass Familien mit kleinen Kindern, Kranke und Ältere durch den Windelbonus bei ihren Müllgebühren entlastet werden. Inhalte vor Personen. Aber ein wenig Inspiration kann diese Stadt, kann auch Charlotte Britz schon vertragen. Deshalb werden wir in Ruhe nachdenken und Ende März entscheiden, wie wir uns im OB-Wahlkampf verhalten werden.
"Wochenspiegel" vom 16. März 2011
In Saarbrücken wird gerade ja viel über die sogenannte Bürgerarbeit gesprochen: Die verschiedenen Beschäftigungsprogramme für Langzeitarbeitslose werden gebündelt und der Bund gibt den Kommunen dafür Geld. Im Gegenzug fallen Ein-Euro-Jobs und zum großen Teil auch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen weg. Durchaus annehmbar – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Auf Landesebene fordern wir LINKEN ja einen öffentlich geförderten Beschäftigungssektor und hier in Saarbrücken wollen wir ebenfalls eine starke Arbeitsförderung - wenn es dabei gerecht zugeht. Bürgerarbeit darf nicht zum Mini-Tarif stattfinden, also nicht für vier oder fünf Euro die Stunde. Wir brauchen wirklich keinen öffentlich bezuschussten Niedriglohnsektor. Deshalb ist es auch gut, wenn die unerträglichen Ein-Euro-Jobs verschwinden. Unerträglich deshalb, weil Hungerlöhne von einem Euro für gute Arbeit eben nichts anders bedeuten als staatliche geförderte Ausbeutung. Natürlich wird die Stadt Saarbrücken weniger Bürgerarbeits-Jobs vergeben können, wenn sie anständig bezahlen will. Aber die „Bürgerarbeiter“ haben ja ein Recht auf eine gerechte Entlohnung. Außerdem darf die Bürgerarbeit nicht genutzt werden, um vorhandene Arbeitsplätze zu streichen. Ich gehe davon aus, dass die Stadtverwaltung in dieser Frage eine entsprechende Vereinbarung mit der Arbeitnehmer-Vertretung schließen wird, die nicht zulasten der Betroffenen geht. Dafür wird es im Stadtrat dann sicher auch eine politische Mehrheit geben. Die Stadt sollte auch allgemein aufhören, immer mehr und mehr Mitarbeiter nur befristet zu beschäftigen. Wie sollen junge Männer und Frauen denn eine Familie gründen, wenn sie sich gar nicht sicher sein können, ob sie in einem oder zwei Jahren ihr Kind noch ernähren können? Weil sie nicht wissen, ob sie dann noch einen Job haben.
"Wochenspiegel" vom 9. März 2011
Politik kann wirklich etwas verändern, auch in Zeiten knapper Kassen. Das kann man seit Anfang des Schuljahres in den Grundschulen Folsterhöhe und Weyersberg sehen. Denn dort wird seit August das Mittagessen für alle Kinder kostenlos angeboten. Seitdem sind die Essensplätze ausgebucht. Jetzt essen hier auch Kinder, die bisher ohne warme Malzeit ihren Schultag bestehen mussten, die nicht am Essen teilnehmen konnten, weil ihre Eltern dafür kein Geld hatten. Wir wollen dieses Erfolgsprojekt jetzt zügig ausbauen, damit auch in anderen Schulen die Kinder diese Möglichkeit bekommen. Beispielsweise an der Grundschule Füllengarten in Burbach. In einem Stadtteil also, mit vielen Problemen und mit vielen Kindern, deren Eltern leider mit wenig Geld auskommen müssen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass in diesem Jahr das Projekt „Kostenfreies Schulessen für alle“ an zwei bis drei weiteren Schulen starten kann. Denn wir haben ja erreicht, dass dafür in diesem Jahr insgesamt – mit den Haushaltsresten des letzten Jahres – 426.000 Euro im Haushalt bereitstehen. Und wir haben berechnet, dass auch ohne eine Erhöhung des Haushalts-Ansatzes die Mittel bis zum Ende der Amtsperiode 2014 für vier bis fünf Schulen reichen. Das Ziel bleibt natürlich bestehen: Kostenloses Essen an allen Ganztagsgrundschulen in Saarbrücken. Und ein Anfang dafür ist gemacht. Der Bündnisvertrag mit SPD und Grünen ist in diesem Punkt eindeutig: „Wir werden ab dem Schuljahr 2010/2011 schrittweise in den Ganztagseinrichtungen ein kostenloses Mittagessen für alle Kinder anbieten“ heißt es da. Ich glaube aber nicht, dass wir unsere Bündnispartner daran noch großartig erinnern müssen. Ich denke vielmehr, dass der Ausbau problemlos und zügig vonstatten gehen wird.
"Wochenspiegel" vom 2. März 2011
Seit letzter Woche wissen die Menschen in Saarbrücken, wie groß der Einfluss Peter Strobels in seiner eigenen Partei wirklich ist. Er tendiert gegen Null. Seine eigenen CDU-Parteifreunde haben ihm die Gefolgschaft verweigert und im Landtag die Erhöhung der Vergnügungssteuer auf Glücksspielautomaten eiskalt abgebügelt. Dass im Saarland auf jeden Glücksspielautomaten ein Spielsüchtiger und noch einmal mehrere Suchtgefährdete kommen war den Fraktionen von CDU, FDP, SPD und Grünen schlicht egal. Dass die Zahl der Zockerautomaten stetig wächst und wir allein in Saarbrücken mittlerweile mehr als 600 davon haben, auch. Im Stadtrat hatte das noch ganz anders geklungen. In seltener Einigkeit hatten alle Fraktionen bis auf die FDP dafür gestimmt, der Glücksspielsucht den Kampf anzusagen und den Landtag aufzufordern, die Steuersätze deutlich zu erhöhen. Richtig ist, dass das Bundesverfassungsgericht entschieden hat, dass eine pauschale Besteuerung pro Automat unzulässig ist. Deshalb hat DIE LINKE im Stadtrat ja im September vorgeschlagen, die Steuer so umzustellen, dass sie sich am Umsatz orientiert. Wir wollten, dass dann zwischen 18 und 22 Prozent fällig werden, wie das in anderen Städten außerhalb des Saarlandes längst üblich ist. Dafür müsste der Landtag das entsprechende Landesgesetz aber völlig ändern – und das kann dauern. Für einen Übergang wollten wir deshalb die pauschalen Sätze, die bereits im geltenden Gesetz stehen, erhöhen. Doch alle anderen Landtagsfraktionen wollen lieber ein Gesetz, das sie für verfassungswidrig halten, unverändert gelten lassen, bis vielleicht irgendwann einmal ein ganz neues Gesetz verabschiedet wird. Ganz egal, was für große Reden ihre Parteifreunde im Stadtrat eine Woche zuvor geschwungen hatten.
"Wochenspiegel" vom 23. Februar 2011
Man merkt, dass der Oberbürgermeister(in)-Wahlkampf begonnen hat. Da schlagen wir LINKE eine gemeinsame Erklärung des Stadtrates zu den Winterschäden auf unseren Straßen vor, und fordern, dass der Bund die Kommunen finanziell bei der Sanierung unterstützt - und kurz darauf stellt die CDU einen fast wortgleichen Antrag. Da haben wir schon im September – auch im Rahmen dieser Kolumne – vorgeschlagen, die Vergnügungssteuer auf Glücksspielautomaten zu erhöhen. Und jetzt ist die CDU auf einmal von dieser Idee so begeistert, dass sie sie für ihre eigene hält. Das Problem ist nur, dass die Stadt über diese Erhöhung selbst nicht entscheiden kann. Der Landtag muss dafür erst einmal das Gesetz ändern. Die Linksfraktion im Landtag hat deshalb jetzt dafür einen entsprechenden Antrag gestellt. Dann können die Menschen in Saarbrücken ja sehen, wie ernst es den Christdemokraten mit dieser Idee wirklich ist. Wir stehen dazu. Am 29. September habe ich an dieser Stelle geschrieben: „Damit würden wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einen weiteren Schritt im Kampf gegen das Glücksspiel und die Verschandlung unserer Stadt durch immer neue Spielhallen einerseits. Und andererseits eine neue Einnahmequelle für unseren klammen städtischen Haushalt. Mit den Mehr-Einnahmen können wir zur Finanzierung bestehender und schon eingeplanter Projekte wie den Ausbau des kostenfreien Schulessens und die Einführung eines Sozialpasses beitragen. Und gleichzeitig bekommen wir mehr Spielraum für neue soziale Vorhaben.“ Immerhin haben wir in Saarbrücken fast 300 Glücksspiel-Automaten und 43 Spielhallen. Dieser Boom hat seinen Preis: Landesweit kommen auf jeden Glücksspiel-Automaten ein Spielsüchtiger und noch einmal mehrere Suchtgefährdete. Und gerade auf Jugendliche übt das Zocken einen gefährlichen Reiz aus. Ich hoffe also, dass wir für unsere Idee eine breite Mehrheit bekommen.
"Wochenspiegel" vom 16. Februar 2011
Eine der großen Herausforderungen in der Politik besteht ja darin, auch in Zeiten leerer Kassen etwas zu bewegen und zu gestalten. Es gibt ja viele gute Möglichkeiten, das Geld sinnvoll zu investieren. Aber Saarbrücken steht nun einmal vor einem Schuldenberg, der bald die Milliardengrenze erreicht hat. Da ist der Spielraum sehr eng. Im letzten Jahr hat Rot-Rot-Grün deshalb das größte Paket zur Haushaltsverbesserung geschnürt, das diese Stadt seit vielen Jahren erlebt hat. Wir haben dort gespart, wo es vertretbar ist. Wir haben mit der Bettensteuer gleichzeitig eine neue Einnahmequelle gefunden, die die Bürgerinnen und Bürger nicht zusätzlich belastet. Und wir haben so insgesamt einen Haushalt geschaffen, der ohne Stellenabbau und ohne Schwimmbadschließungen auskommt. Im Gegenteil: Wir haben sinnvoll in mehr soziale Gerechtigkeit investiert, indem wir Geld für das kostenlose Mittagessen an Ganztagsgrundschulen und für den Sozialpass bereitgestellt haben. 2011 gehen wir diesen Weg konsequent weiter. Wir haben die Sparauflagen des Landes befolgt, ohne Stellenabbau, ohne Sozialabbau, ohne Privatisierungen. Und wir haben wieder in ein sinnvolles Projekt investiert: In den Windelbonus für Familien mit kleinen Kindern und inkontinente Erwachsene. Der Stadtrat hat dafür jetzt 200.000 Euro bereit gestellt. Wir wollen auch die Vergnügenssteuer auf Glücksspielautomaten erhöhen um damit zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die gefährliche Glücksspielsucht bekämpfen und den Haushalt verbessern. Da eine Änderung dieser städtischen Steuer aber nur möglich ist, wenn das Land mitzieht, fordern wir im Stadtrat den Landtag auf, das entsprechende Gesetz bald zu ändern. Die Linksfraktion im Landtag arbeitet schon daran. Wir müssen aber auch einmal grundsätzlich über die Finanzausstattung der Städte und Gemeinden reden – fair und sauber.
"Wochenspiegel" vom 9. Februar 2011
Stellen Sie sich vor, Sie wollen in Saarbrücken etwa von Malstatt nach St. Arnual und könnten einfach mit einem Wasserbus auf der Saar quer durch die Stadt fahren. Das wäre schnell, bequem, staufrei und sicher etwas ganz besonderes – denn so etwas gibt es ja wirklich nicht in jeder Stadt. Die Idee für diese Wasserbusse ist nicht schlecht. Neu ist sie aber auch nicht. Denn schon vor rund 15 Jahren hat die damalige Verkehrsgewerkschaft ÖTV genau das vorgeschlagen. Die CDU hat damals kein gutes Haar an dem Vorhaben gelassen. Doch die Zeiten ändern sich und jetzt sind die Christdemokraten auf einmal Feuer und Flamme für das Projekt "saarlang“. Anders als damals die ÖTV haben Herr Strobel und seine CDU sich aber nicht die Mühe gemacht, im Vorfeld mit Experten darüber zu reden – etwa mit Günter Emmer und der Saarbrücker Personenschifffahrt. Dabei sind das Leute, die wissen, worum es geht und wo eventuell Probleme lauern. Bei aller Freude darüber, dass unsere Stadt eine Stadt der Ideen ist und es immer wieder neue, verlockende, interessante Projekte gibt, sollte man doch nichts übers Knie brechen und genau abwägen, wie sinnvoll ein Vorhaben wirklich ist und wie teuer es werden könnte. Was nutzt der schönste Wasserbus, wenn es auf der linken Saarseite gar keine Haltestelle gibt – und im Bereich der Autobahn auch nur schwer eine zu installieren wäre? Wer sollte diese Wasserbuslinie <//span>betreiben? Die Saarbahn GmbH hat genug zu tun mit dem Millionenprojekt des Weiterbaus nach Lebach. Die Stadt baut derzeit eifrig an der Berliner Promenade und hat mit dem ganzen Projekt Stadtmitte am Fluss ebenfalls viel vor. Ein privater Investor wäre also wünschenswert – aber ich habe nicht den Eindruck, dass die Interessenten schon Schlange stehen. Die Linksfraktion ist aber gerne bereit, mit allen anderen Stadtratsfraktionen über die Idee zu reden.
"Wochenspiegel", vom 2. Februar 2011
Im Januar lädt ja so ziemlich jede Organisation, jeder Verein und natürlich auch jede Partei und jede Fraktion zu einem Neujahrsempfang ein. Dann kommen die Menschen ganz zwanglos zusammen, reden über wichtige und weniger wichtige Themen. Es gibt etwas zu essen und zu trinken und ab und zu wird bei diesen Empfängen sogar neues und interessantes verkündet. So war ich positiv überrascht, als Oberbürgermeisterin Britz bei ihrem Neujahrsempfang auf einmal ankündigte, dass die Stadtverwaltung ein Messe-Konzept vorlegen will. Genau das haben ich und meine Fraktion ja immer gefordert. Nicht ganz so überraschend war der CDU-Neujahrsempfang, bei dem sich Herr Strobel als OB-Kandidat präsentierte. Dieser Empfang war übrigens der einzige, zu dem der Beigeordnete Harald Schindel, nicht eingeladen wurde – weil er ein Politiker der LINKEN ist. Dass die CDU da große Berührungsängste hat, hat man auch bei unserem Neujahrsempfang gemerkt, bei dem Strobel durch Abwesenheit glänzte. Wer Oberbürgermeister dieser Stadt werden will, der sollte auch mit Menschen reden können, die nicht dasselbe Parteibuch haben. Bei uns hat Oskar Lafontaine daran erinnert, wie wichtig Investitionen in die Kultur sein können. In seiner Amtszeit als Oberbürgermeister ist das Max-Ophüls-Festival ins Leben gerufen worden, das heute das Festival für den deutschsprachigen Filmnachwuchs ist. Der Empfang der FDP-Fraktion hat wieder einmal bestätigt, dass es bei den Liberalen besonders gutes Essen gibt. Ob das mit dem guten Draht zu einem bekannten Saarbrücker Hotelier zu tun hat? Die Grünen haben – zumindest auf Stadtebene – diesen guten Draht nicht. Und so habe ich gehört, dass die Mahlzeit im Kulturbistro Malzeit nicht der Höhepunkt des Abends war. Die SPD schließlich kann für ihren Empfang jetzt auf die Erfahrungen der anderen zurückgreifen.
"Wochenspiegel", 26. Januar 2011

Das neue Jahr beginnt gleich mit Horrormeldungen: Wuppertal wird nächstes Jahr wohl sein Schauspielhaus schließen müssen. In Hamburg plant man, ein historisches Museum zu schließen. Viele Städte und Gemeinden müssen darauf verzichten, die Winterschäden auf ihren Straßen wenigstens notdürftig wieder zu beseitigen. Denn den Kommunen fehlt das Geld, viele stehen vor dem finanziellen Kollaps. Und das nicht, weil sie in den letzten Jahren so geprasst hätten. Nein, schuld daran sind die Steuersenkungsorgien der Bundesregierungen. Allein die rot-grüne Regierung hat den Kommunen 25 Milliarden Euro weggenommen. Ein Jahr schwarz-gelb hat zu weiteren Einnahme-Ausfällen von 3,3 Milliarden geführt. Kein Wunder also, dass die Stadt Saarbrücken vor einem derart großen Schuldenberg steht. Klar ist: Ohne die Hilfe des Bundes und ohne die Unterstützung des Landes, werden wir es nicht schaffen. Da verteilt die Bundesregierung munter Steuergeschenke an Hoteliers, große Unternehmen und reiche Erben – und in Saarbrücken müssen wir kämpfen, damit keine Stellen abgebaut und keine Schwimmbäder geschlossen werden. Und das Land? Das hat den kommunalen Finanzausgleich in den letzten Jahren immer weiter gesenkt. So kann es nicht weitergehen. Immerhin hat Saarbrücken als einzige Großstadt des Saarlandes, als Universitäts- und Messestadt sowie als Regierungssitz auch besondere Lasten zu tragen, die dem ganzen Land zugute kommen. Rund 40 Prozent der Saarländer arbeiten in der Landeshauptstadt und pendeln täglich hierher. Deshalb muss das Land uns auch endlich unter die Arme greifen und etwa auf die Gewerbesteuer-Umlage verzichten – den Teil der Gewerbesteuer also, den die Kommunen zurück an die Landeskasse überweisen müssen. Gleichzeitig muss der kommunale Finanzausgleich dringend erhöht werden. Und wir brauchen einen Entschuldungsfonds für Städte und Gemeinden.
"Wochenspiegel" vom 12. Januar 2011

Jamaika macht ernst: Im Landtag haben CDU, FDP und Grüne einen Haushalt verabschiedet, den man mit Recht als große Sparschweinerei bezeichnen kann. Dieses Bündnis, das ein Modell für die Republik sein will, tatsächlich aber nur ein abschreckendes Beispiel darstellt, kürzt, streicht und spart schamlos bei Behinderten, Familien, Arbeitslosen und den Beschäftigten des Landes. Ein Beispiel: Da wird der Zuschuss für den Landesjugendring um 25.000 Euro gekürzt – und gleichzeitig soll in der Nachhaltigkeitsstelle der Staatskanzlei eine Spitzenposition gleich doppelt besetzt werden, mit einem CDU-Politiker und einem Grünen. Sie können sich denken, dass diese Doppelbesetzung mehr kostet, als die Sparschweinerei beim Jugendring bringt. Ganz zu schweigen von den Kosten für zusätzliche Minister- und Staatssekretärs-Posten. Wir in Saarbrücken wollen das anders machen. Auch wir stehen bald wieder vor der schwierigen Aufgabe, einen Haushalt für das nächste Jahr zu verabschieden. Einen Haushalt, der dann vom Land genehmigt werden muss. Wir wissen alle, dass unsere Stadt hoch verschuldet ist. Und trotzdem wollen wir nicht zulasten der Schwachen und Benachteiligten sparen. Mit uns wird es keinen Sozialabbau geben, ebenso wenig wie einen Stellenabbau bei der Stadt und ihren Gesellschaften. Wir wollen nicht die Sparaxt bei den wichtigen sozialen Projekten anlegen und wir wollen diese Stadt nicht kaputtsparen. Wir werden auch selbst nicht prassen. Im Gegenteil: Ich könnte mir gut vorstellen, die Zuschüsse für die Fraktionen zu kürzen, denn wir sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Klar ist aber auch: Bund und Land müssen die Städte und Gemeinden stärker unterstützen. Im letzten Jahr konnten wir auch durch die Bettensteuer die Schwimmbäder retten – in diesem Jahr sind neue Ideen gefragt.
"Wochenspiegel" vom 5. Januar 2011

Jetzt, wo die Weihnachtsfeiertage zu Ende sind, ist die Zeit der Rück- und Ausblicke gekommen. Was haben wir im letzten Jahr erreicht? Was ist gut gelaufen, und was nicht? Und was nehmen wir uns für das kommende Jahr vor? Politisch war 2010 geprägt von den Sparschweinerein des Bundes und des Landes, unter denen auch viele Saarbrückerinnen und Saarbrücker leiden müssen. Dennoch haben wir in unserer Stadt auch viel bewegen können: Bei seiner letzten Sitzung hat der Stadtrat noch einstimmig einer Resolution für den Erhalt der Arbeitsplätze bei der Telekom zugestimmt. Einstimmig! So etwas kommt selten vor. Die VVS wird wieder in die Energie-Erzeugung eintreten, auch diese Re-Kommunalisierung ist ein beachtlicher Erfolg. Es ist uns auch gelungen, dass an zwei Schulen jetzt alle Grundschulkinder kostenfrei Mittagessen bekommen, ein Einstieg ist damit gemacht. 2011 werden weitere Schulen folgen. Wir haben es auch geschafft, den städtischen Haushalt deutlich zu verbessern – und das ohne Stellenabbau und ohne Schwimmbadschließungen. Wir haben eine Bettensteuer beschlossen, damit die Hoteliers fünf Prozent ihres 12-prozentigen Steuergeschenkes der Bundesregierung wieder an die Stadt zurückzahlen. Dadurch wird niemand zusätzlich belastet und die Stadt bekommt dennoch wesentliche Mehr-Einnahmen. Sparen – aber gerecht - und gleichzeitig bewusst investieren – das wird auch die Überschrift der Arbeit meiner Fraktion für das Jahr 2011 sein. Konkret werden wir im Februar den Sozialpass für Arbeitslose und Geringverdiener einführen und uns gleichzeitig wieder um einen gerechten Haushalt bemühen. Auch wenn wir um Einsparungen nicht herumkommen werden: Wir sind nicht die schwarz-gelbe Bundesregierung, wir sind nicht Jamaika – und deshalb werden wir es besser und gerechter machen.
"Wochenspiegel" vom 29. Dezember 2010

Weihnachten ist die Zeit des Jahres, die wir am liebsten gemütlich, besinnlich und gemeinsam mit unserer Familie verbringen. Ein leckerer Braten, duftendes Weihnachtsgebäck, ein schön geschmückter Weihnachtsbaum, schöne Geschenke und im Kreise der Lieben. Aber leider können längst nicht alle die Feiertage so verbringen. Ich denke an diejenigen, die keine Wohnung haben, die in Armut leben müssen und Weihnachten in einer Wärmestube oder in einer Obdachlosenunterkunft verbringen müssen. Es ist gut, dass wir solche Einrichtungen haben. Und es ist erschreckend, dass sie immer mehr Zulauf bekommen, weil immer Menschen auf ihre Hilfe angewiesen sind. Ich denke an diejenigen, die von Hartz IV leben müssen – und bei denen der Bund so sehr aufs Sparen erpicht ist, dass er ihnen nicht einmal einen Weihnachtsbaum zugesteht. Wenn auch nur einer von denen, die jetzt über eine Reform von Hartz IV entscheiden, nur einen Monat lang selbst von 364 Euro im Monat leben müsste, würden wir keine langen Diskussionen mehr brauchen, und der Regelsatz würde schnell auf ein würdiges Niveau erhöht. Ich denke auch an die vielen Kinder, die in Armut leben müssen – in diesem reichen Land. Wir alle sollten nicht nur zu Weihnachten an diese Menschen denken. Und uns im neuen Jahr mit aller Kraft dafür einsetzen, dass es ihnen besser geht. Dass unser Land und unsere Stadt gerechter werden. Darum werden wir im neuen Jahr das kostenlose Schulessen für alle Grundschulkinder in dieser Stadt ausbauen und den Sozialpass für Arbeitslose und Geringverdiener einführen. Deshalb werden wir auch weiterhin Wärmestuben, Obdachlosenhilfe und die wichtigen sozialen Projekte in dieser Stadt unterstützen. Jetzt wünsche ich Ihnen allen und Ihren Familien aber erst einmal frohe, besinnliche Weihnachtstage.
"Wochenspiegel" vom 22. Dezember 2010
Es ist immer dasselbe: Ein bisschen Regen oder schmelzender Schnee in den Vogesen – und schon steht die Stadtautobahn unter Wasser. Die Autobahn wird dann gesperrt, der Verkehr durch die Innenstadt umgeleitet, und Saarbrücken versinkt im Verkehrschaos. Seit gut 50 Jahren geht das nun schon so. Und warum? Weil es nun einmal ein Fehler war, die Stadtautobahn so niedrig direkt neben die Saar zu bauen. Ein Tunnel wäre schon damals die richtige Lösung gewesen. Ein Tunnel wäre auch jetzt die Antwort – wenn der Bund ihn bezahlt. Und das müsste er eigentlich. Ein Blick in das Bundesfernstraßengesetz genügt dafür: Der Bund – und nur er – ist als „Baulastträger“ verantwortlich für den Hochwasser-, Lärm- und Gefahrenschutz seiner Bundesautobahnen. Da die A 620 einerseits Jahr für Jahr wegen Hochwassers gesperrt werden muss und wir sie andererseits nicht einfach innerhalb der Stadtgrenzen irgendwo anders hin verlegen können, hilft nur die Untertunnelung. Sie würde auch die unerträgliche Lärmbelästigung beseitigen und den Menschen ihr Saarufer wieder geben. Eigentlich ist die Sachlage also klar: Der Bund muss zahlen. Und eigentlich müsste das der Bundesverkehrsminister auch wissen. In anderen Städten geht es ja auch. Ministerpräsident Müller muss sich deshalb bei seinem Parteifreund, dem Bundesverkehrsminister Ramsauer, für Saarbrücken einsetzen. Er muss nicht bitten und betteln, sondern einfordern, was uns zusteht. Er kann Herrn Ramsauer ja auch gerne nach Saarbrücken einladen, damit er sich selbst ein Bild von der Lage macht. Wenn das hilft, fahre ich ihn auch persönlich bei Hochwasser durch die Innenstadt, von Stau zu Stau. Er muss dann allerdings sehr viel Zeit mitbringen, denn das kann bei diesem Chaos dauern.
"Wochenspiegel" vom 15. Dezember 2010

"Mir wisse was gudd is." Mit diesem Satz wurde die saarländische „Landsieg“-Margarine beworben – vor über einem halben Jahrhundert. Bei der ersten Saarmesse Ende April 1950 konnten staunende Besucher an einem Stand Brötchen mit der ersten Margarine probieren, die noch aus Frankreich ins Saarland gebracht wurde. Etwas später begann dann der Siegeszug der „Landsieg“. Wahrscheinlich fühlen Sie sich jetzt wieder zurück in die 50er Jahre versetzt. Und tatsächlich war das ja durchaus ein spannendes Jahrzehnt. Mir geht das öfter so, wenn ich die Messe besuche. Keine Frage, die „Saarmesse“ und die „Welt der Familie“ haben eine lange Tradition. Aber in den 50ern konnte eine Messe die Massen schon dadurch anziehen, dass sie neue, aufregende Produkte zeigte. Heute kann jeder über das Internet zu jeder Zeit alles über technische Neuerungen erfahren und sich auch die ausgefallensten Produkte ansehen und bestellen. Wir sind mit dem ICE in einer Stunde in Paris – und dagegen wirkt die Weltläufigkeit, die eine Messe in den 50er Jahren noch verströmte, doch ziemlich bescheiden. Um eins klarzustellen: Wir brauchen die Saarmesse! Aber mit neuen frischen Ideen, mit einem Konzept, das überzeugt. Mit Margarine und neuen Gurkenhobeln werden Sie keinen mehr begeistern können. Ich halte nichts davon, jetzt eine Entscheidung übers Knie zu brechen. Aber im nächsten Jahr muss eine Lösung gefunden werden. Dann brauchen wir ein Konzept. Dann brauchen wir endlich auch eine Entscheidung des Landes. Die Landesregierung muss erklären, ob und wie sie den Messestandort Saarbrücken unterstützt. Vielleicht könnte man ja die CCS mit ins Boot nehmen und so eine Messe- und Congressgesellschaft unter Beteiligung der Stadt und des Landes schaffen.
"Wochenspiegel" vom 8. Dezember 2010
Haben Sie schon ihren nächsten Urlaub gebucht? Gerade jetzt, wo die Tage immer kürzer werden und Kälte und Regen Einzug halten, zieht es viele ja in den Süden. Da ist es wirklich praktisch, dass wir von Saarbrücken aus etwa nach Palma de Mallorca, Antalya oder Rom fliegen können. Doch jetzt ist die Abflughalle auf einmal leer, weil die wichtigsten Ferienziele im Flugplan fehlen. Rund 50.000 Fluggäste wird Ensheim in diesem Winter wohl verlieren, ich habe auch schon viele Beschwerden von Menschen gehört, deren Urlaubsflug jetzt gestrichen worden ist. Da wird dann etwa als Ersatz ein Flug morgens früh um sechs Uhr ab München angeboten – eine Zumutung. Und warum? Zum einen, weil die Geschäftsführung des Flughafens die Pleite der Fluglinie Hamburg International weder hat kommen sehen, noch bis jetzt angemessen darauf regiert hat. In Friedrichshafen etwa hat man frühzeitig gehandelt, deshalb fallen dort keine Flüge aus. Vielleicht steckt ja Absicht dahinter: In den letzten fünf Jahren hat sich das Verhältnis von Ferien-Fliegern und Geschäftsreisenden umgekehrt. Inzwischen fliegen rund 134.000 Menschen von Ensheim aus in den Urlaub – 2005 waren es noch rund 350.000. Wird Ensheim also immer mehr zum reinen Flughafen für Geschäftsleute? Flughafen-Chef Schwan hat im SR erklärt, seine Hauptaufgabe sei es, Linienflüge für die Wirtschaft anzubieten. Wir wissen aber doch, wer den ganzen Flughafen in den letzten Jahren bezahlt hat: Wir alle, durch unsere Steuergelder. Deshalb muss der Flughafen auch für uns alle da sein – und nicht nur für ein paar Geschäftsreisende. Natürlich ist es wichtig, dass unsere Unternehmen eine gute Flug-Anbindung haben. Aber gleichzeitig darf man die Ferienflüge für die Menschen in der Region nicht vernachlässigen.
"Wochenspiegel" vom 1. Dezember 2010
Neulich hat mich ein Mann angesprochen: Er ist 51 Jahre alt, arbeitet seit Jahren bei der Telekom in Saarbrücken, hat eine Frau, zwei Kinder und ein kleines Häuschen. Jetzt ist sein Job in Gefahr, denn die Telekom will hier 116 Arbeitsplätze abbauen. Ihm hat man
einen Job in Bonn angeboten. Er ist aber hier gebunden, seine Familie kann nicht einfach so umziehen. Seine Kinder gehen hier zur Schule, sein Haus steht hier. Und es wäre auch wirklich nicht im Interesse dieses Landes, wenn gut ausgebildete Männer und Frauen wie er das Saarland verlassen müssten. Getreu dem Motto: Der Letzte macht das Licht aus. Für diesen Mann würde das also bedeuten, dass er jeden Tag drei Stunden nach Bonn und wieder drei Stunden zurück fahren müsste. Eine unglaubliche Zumutung. Aber welche Alternative hätte er? Mit 51 findet man nicht mehr so einfach einen Job. Menschen wie er und ihre Familien brauchen unsere Solidarität.
Deshalb wäre die Landesregierung gefordert. Immerhin ist die Telekom nicht einfach irgendein Betrieb. Dieses Unternehmen ist durch unser aller Steuergelder aufgebaut worden – auch mit dem Geld der Saarländerinnen und Saarländer. Und der Bund ist auch jetzt noch der größte Anteilseigner der Telekom und hat schließlich eine soziale Verantwortung. Daran muss man ihn nur erinnern. Die Landesregierung sollte deshalb im Bundesrat die Initiative ergreifen und sich wirklich dafür einsetzen, dass der Arbeitsplatzabbau bei der Telekom verhindert wird – Rheinland-Pfalz tut das ja auch. Heute geht es um 116 Stellen, in den nächsten Jahren sind 750 in Gefahr. Seit der
Privatisierung hat die Telekom im Saarland weit über 3000 Arbeitsplätze abgebaut. Verheerend für die Menschen, die arbeitslos geworden sind, verheerend auch für dieses Land und für unsere Stadt.
"Wochenspiegel" vom 27. November 2010
Im Oktober waren in Saarbrücken mehr als zehntausend Menschen arbeitslos gemeldet. Dazu kommen noch diejenigen, die sich in den verschiedensten Maßnahmen befinden oder aus irgendeinem Grund nicht in der Statistik auftauchen. Und natürlich die, die zwar Arbeit haben, davon aber nicht leben können. Es sind also sehr viele Menschen, die in dieser Stadt eine Arbeit mit gerechter Bezahlung suchen. Jetzt hat die Bundesregierung die so genannte Bürgerarbeit vorgeschlagen, ein Projekt, das Langzeitarbeitslosen - vom Bund bezuschusst - Beschäftigung anbieten soll. Im Prinzip geht dieser Vorschlag in die richtige Richtung: DIE LINKE hat immer einen öffentlichen Beschäftigungssektor gefordert. Und Arbeit ist ja mehr als genug vorhanden. Die Stadt könnte zusätzliche Beschäftigte gut gebrauchen, etwa zur Pflege und Instandhaltung der öffentlichen Parks und Friedhöfe oder zur Beseitigung des Mülls. Nur eines ist klar: Wer hart arbeitet, der muss auch gerecht bezahlt werden. Eine Bürgerarbeit zum Mini-Tarif lehnen wir ab. Wir brauchen keinen öffentlich bezuschussten Niedriglohnsektor sondern gute Arbeit für alle. Deshalb bin ich dafür, dass Saarbrücken selbst einen öffentlichen Beschäftigungssektor schafft, um den Arbeitslosen endlich wieder Perspektiven zu eröffnen. In anderen Städten wie Frankfurt wird das ebenfalls diskutiert. Auch auf Landesebene fordern wir das schon lange – aber Jamaika möchte natürlich nichts davon wissen. Vielleicht sollten sich die Christdemokraten mal mit dem Trierer Bischof Ackermann unterhalten, denn der spricht sich für öffentlich geförderte Beschäftigung für 9000 Menschen im Land aus. Es muss etwas geschehen in dieser Stadt. Wir haben mit die höchste Arbeitslosenquote des Saarlandes – das darf nicht so bleiben.
"Wochenspiegel" vom 17. November 2010
Zuerst hört es sich ja absolut richtig an: Die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt sollen mitentscheiden dürfen über das Großprojekt Stadtmitte am Fluss. Immerhin wird es unsere Stadt ja entscheidend verändern und kostet natürlich auch Geld. Ich und meine Partei sind immer schon für mehr Bürgerbeteiligung gewesen. Und seit „Stuttgart 21“ diskutiert man ja inzwischen in der ganzen Republik darüber, wie die Menschen direkt an Entscheidungen beteiligt werden können. Diese Diskussion führt aber leider auch dazu, dass manche Politiker aus purem Populismus Schaufenster-Anträge stellen und sich für Schein-Befragungen stark machen. Ja, auch in unserer Stadt sollen sich die Einwohner stärker einbringen können. Allerdings macht Bürgerbeteiligung nur dann Sinn, wenn die Menschen auch wissen können, über was sie abstimmen sollen. Wenn es also einen konkreten Plan und gezielte Alternativen gibt. Wenn ich morgen gefragt werde, ob ich für oder gegen die Stadtmitte am Fluss bin, dann habe ich doch auch ein Anrecht darauf, zu erfahren, wie teuer dieses Projekt genau ist und wer welchen Anteil über einen wie langen Zeitraum bezahlen soll. Dann muss ich wissen, ob das Projekt noch mit der Untertunnelung der Stadtautobahn geplant ist, oder diese aus Kostengründen verschoben werden soll. Solange diese Fragen nicht beantwortet sind, kann man auch von keinem Einwohner dieser Stadt verlangen, eine so wichtige Entscheidung zu treffen. Deshalb hat sich der Stadtrat auf unsere Initiative hin ja auch darauf verständigt, dass jetzt in den zuständigen Ausschüssen ausgiebig über eine Bürgerbefragung beraten wird. Der Stadtrat wird sich aber auch nach einer Bürgerbefragung nicht vor einer Entscheidung drücken können.
"Wochenspiegel" vom 10. November 2010
Die Europagalerie hat unsere Stadt spürbar verändert: Zigtausende haben den neuen Einkaufstempel schon besucht. Saarbrücken hat damit eine neue Attraktion und das ist gut, auch für den Wettbewerb mit anderen großen Städten unserer Region, mit Metz, Trier und Luxemburg etwa. Jetzt müssen wir aber auch die Bahnhofstraße aufwerten. Was passiert mit den Ladenlokalen, die jetzt leer stehen? Wie können wir neue Geschäfte in die Innenstadt locken? Wie können wir dafür sorgen, dass auch kleinere Läden einen attraktiven Standort mit bezahlbarer Miete bekommen? Nur wenn die Innenstadt als Ganzes belebt wird, wenn Leerstände verschwinden und neue Jobs im Handel und bei Dienstleistern entstehen, profitiert Saarbrücken wirklich vom neuen Einkaufszentrum. Ansonsten wäre es ein Nullsummenspiel: Dann wären die allermeisten Geschäfte nur von ihrem früheren Standort in ein einst denkmalgeeschütztes Gebäude gezogen, und die Bahnhofstraße würde veröden. Gemeinsam mit den Händlern, Bauherren und Anwohnern müssen wir deshalb ein Konzept entwickeln. Eines ist aber klar: Die wichtige Belebung der Bahnhofstraße darf nicht auf dem Rücken der Beschäftigten geschehen. Schließlich fordert die IHK bereits mehr verkaufsoffene Sonntage für die Geschäfte in der Innenstadt. Das lehnen wir ab. Jeder weiß inzwischen, dass dadurch nicht mehr eingekauft wird und die Geschäfte nicht mehr Umsatz machen - das Geschäft verlagert sich nur. Mit uns wird es keine zusätzliche Sonntagsarbeit geben. Stattdessen sollte die Bahnhofstraße als eine lebendige Fußgängerzone durch einen gelungenen Mix aus alten und neuen, großen und kleinen Geschäften und Ladenketten, aus Handel, Gastronomie und Kultur glänzen.
"Wochenspiegel" vom 3. November 2010
Alle Menschen haben ein Recht auf gute Bildung – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Deshalb unterstützen wir den weiteren Ausbau der Saarbrücker Grundschulen zu echten Ganztagsgrundschulen. Und deshalb sollten wir auch darüber nachdenken, in unserer Stadt für alle Grundschüler kostenlose Schulbücher bereitzuhalten. Möglich wäre auch, Präsenzbibliotheken an den Schulen einzurichten, die alle Bücher vorrätig haben. Denn wir haben im Saarland zurzeit eine Schulbuch-Ausleihe, die kaum funktioniert. In Saarbrücken etwa standen noch einen Monat nach Ende der Sommerferien 100 Kinder ohne Schulbücher da. Gleichzeitig sorgt das Verleihsystem bei Städten und Kreisen für einen riesigen Verwaltungsaufwand, der wiederum mit hohen Kosten verbunden ist. Dazu kommt die Tatsache, dass viele Bücher schon nach einem Jahr wieder ersetzt werden müssen – nicht weil die Schüler damit unachtsam umgegangen wären, sondern weil viele Bücher einfach schlecht verarbeitet und gebunden sind. Hier müssen wir anzusetzen, deshalb fordert ja auch DIE LINKE auf Landesebene kostenlose Schulbücher für alle. Denn Bildung ist der Schlüssel im Kampf gegen Arbeitslosigkeit und Armut. Nur wenn junge Menschen entsprechend ihrer Begabungen gefördert und gut ausgebildet werden, haben sie auf dem Arbeitsmarkt eine Chance. Leider spielt der Geldbeutel der Eltern bei der Bildung der Kinder in Deutschland aber eine so große Rolle, wie in sonst kaum einem Industrieland. Wer aus einem ärmeren Elternhaus kommt, der hat viel geringere Chancen, ein Gymnasium bis zum Abitur zu besuchen und noch viel geringere, anschließend zu studieren. Das liegt vor allem an den hohen Kosten, die eine gute Schul- und Hochschulbildung mit sich bringen. Und das müssen wir ändern.
"Wochenspiegel" vom 27, Oktober 2010
Was machen Sie am Liebsten in ihrer Freizeit? Ins Kino gehen? Im Sommer die verschiedensten Feste in unserer Stadt besuchen? Menschen mit Behinderungen ist dieses alltägliche Vergnügen oft versagt. Weil Türen sich für sie nicht öffnen lassen, oder niemand daran gedacht hat, genug Platz für Rollstuhlfahrer einzuplanen. Weil es entweder keine behindertengerechten Toiletten gibt, oder – ein wahrer Schildbürgerstreich – die Zugangsrampe zum Behinderten-WC zu steil ist. Eigentlich müssten alle öffentlichen Gebäude barrierefrei sein, also leicht zu erreichen auch für behinderte und alte Menschen. Das steht in der UN-Behindertenrechtskonvention, die auch in Deutschland gilt. Was nutzt es aber, wenn etwa ein Rollstuhlfahrer leicht in eine Behörde hereinkommt, im Gebäude selbst die Gänge und Räume aber so eng sind, dass er nicht durchkommt? Eigentlich müsste in jedem Mehrfamilienhaus mindestens eine Wohnung behindertengerecht ausgestattet und zu erreichen sein. Eigentlich. Denn viele Menschen mit Behinderungen machen ganz andere Erfahrungen: Sie finden einfach keine geeignete Wohnung. Es ist schon viel passiert in den letzten Jahren, keine Frage. Aber ich denke, wir müssen uns alle noch etwas mehr anstrengen. Auch unsere Stadt soll eine Stadt für alle werden – auch für behinderte Menschen. Zum Schluss aber noch ein gelungenes Beispiel: Die Busse in Saarbrücken sind technisch inzwischen so ausgestattet, dass sie sich an den Haltestellen so neigen, dass die Fahrgäste auf einer Ebene zum Bürgersteig aussteigen können – ohne Stufen steigen zu müssen also. Weil aber viele Haltestellen leider zugeparkt sind, haben wir im Stadtrat beantragt, dass der Kommunale Ordnungsdienst sich darum kümmert und behinderte Menschen der Zugang zu Bussen und Bahnen nicht verwehrt wird.
"Wochenspiegel" vom 20. Oktober 2010
Politiker aller Parteien sind sich schnell einig, dass man Familien besonders unterstützen muss. Alle Fraktionen im Stadtrat geben sich gern das Etikett „familienfreundlich“. Wenn es darauf ankommt, herrscht dann aber plötzlich Schweigen. Ein Beispiel: Der alte Stadtrat hat im März letzten Jahres, noch mit der Mehrheit von CDU und FDP, beschlossen, dass in Saarbrücken Müllgebühren je nach Häufigkeit der Leerungen gezahlt werden sollen – IDENT-System genannt. Weder Christdemokraten noch Liberale sind aber auf den Gedanken gekommen, dass ein solches Müllsystem Familien mit Kleinkindern ebenso wie inkontinente Erwachsene stark benachteiligt. Denn so gut es ist, auf Müllvermeidung zu setzen – Windeln lassen sich eben nicht einsparen. Und Familien, die viel Windelmüll produzieren, hätten deutlich höhere Gebühren zahlen müssen. Aber an Familien hatten CDU und FDP wohl gar nicht gedacht. Da auch das System der Müllverwiegung denselben Effekt hätte, haben wir vorgeschlagen, den Windelmüll kostenlos zu entsorgen. Und auf einmal ist auch die FDP mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Fiedler aufgewacht und hat eine ähnliche Idee aus dem Ärmel gezogen.
Ein anderes Beispiel ist der Sozialpass. Wie viele Familien mit Kindern in unserer Stadt können nicht ins Schwimmbad, in ein Museum oder ins kommunale Kino gehen, weil das Geld einfach nicht reicht? Wie viele Kinder leben in Saarbrücken, und haben die Saar noch nie gesehen, weil sich das Leben armer Menschen meist auf den allernächsten Umkreis ihrer Wohnung konzentriert? Im Sinne dieser Familien wollen wir einen Sozialpass einführen, der ihnen kostenfreien Zutritt zu städtischen Einrichtungen wie dem Zoo, der Stadtbibliothek und der Musikschule ermöglicht. Da wird das Wort „familienfreundlich“ ganz konkret.
"Wochenspiegel" vom 13. Oktober 2010

Die schwarz-gelbe Bundesregierung will Hartz-IV-Empfängern das Elterngeld streichen, Wohngeldempfängern den Heizkostenzuschuss und Langzeitarbeitslosen die Beiträge zur Rentenversicherung. Ist das gerecht? Nein, natürlich nicht. Es ist ein Skandal, dass der arbeitslosen Mutter 300 Euro im Monat genommen werden sollen, während Reiche, Banken und große Konzerne nichts abgeben sollen. Weder ein höherer Spitzensteuersatz ist geplant, noch die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, noch die Rücknahme des „Geldregengesetzes“, das Hoteliers eine zwölfprozentige Steuersenkung beschert hat. Gerecht ist eine solche dreiste Klientelpolitik sicher nicht. Ist sie wenigstens wirtschaftlich sinnvoll? Nein. Denn wieder einmal spart der Bund etwas ein, was Städte und Gemeinden später umso mehr belasten wird. Wenn der Bund Langzeitarbeitslosen künftig keine Rentenversicherungs-Beiträge mehr zahlt, sind diese später auf Grundsicherung angewiesen – und die wird von den Kommunen gezahlt. Die geplante Streichung der Zuschläge beim Übergang vom Arbeitslosengeldes I zu Hartz IV könnte den Kommunen außerdem höhere Kosten für Unterkunft und Wohngeld bescheren. Wenn auf den Regionalverband aber höhere Sozialausgaben zukommen, muss er seinen Haushalt erhöhen – und die Stadt muss entsprechend mehr Umlage zahlen. Die Spar-Schweinerein der Bundesregierung treffen hier also nicht nur viele, die auf Hilfe angewiesen sind, sie führen auch dazu, dass Saarbrücken noch stärker finanziell belastet wird. Bald werden wir über den städtischen Haushalt für das nächste Jahr beraten. Keine leichte Aufgabe, angesichts der immer neuen Lasten, die uns aufgedrückt werden. Aber wir werden nicht solche Spar-Schweinerein zulasten von Hartz-IV-Empfängern und Familien beschließen.
"Wochenspiegel" vom 6. Oktober 2010
Fast 300 Glücksspiel-Automaten gibt es in Saarbrücken und 43 Spielhallen - weitere 13 Anfragen hat es allein in diesem Jahr gegeben. Keine Frage also: Glücksspiel boomt in dieser Stadt. Aber zu welchem Preis? Landesweit kommen auf jeden Glücksspiel-Automaten ein Spielsüchtiger und noch einmal mehrere Suchtgefährdete. Gerade auf Jugendliche übt das Zocken einen gefährlichen Reiz aus. Was kann man also tun? Im Landtag hat DIE LINKE den Antrag gestellt, die Zahl der Spielhallen zu regulieren, Kontrollen zu verschärfen und strengere Auflagen zu machen. Aber wir in Saarbrücken können auch etwas unternehmen: Nämlich den Umsatz der Spielautomaten stärker besteuern. Bislang wird hier nämlich pro Automat und Monat eine pauschale Summe fällig – 138 Euro, wenn der Automat in einer Spielhalle hängt, 30,50 Euro in einer Gastwirtschaft. Andere Städte wie etwa Stuttgart haben angefangen und steigen von diesem pauschalen Satz um auf eine Steuer, die sich danach richtet, was in den Automaten eingeworfen und verspielt wird. 18 Prozent des Umsatzes – das wollen wir auch für Saarbrücken einführen. Damit würden wir gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Einen weiteren Schritt im Kampf gegen das Glücksspiel und die Verschandlung unserer Stadt durch immer neue Spielhallen einerseits. Und andererseits eine neue Einnahmequelle für unseren klammen städtischen Haushalt. Mit den Mehr-Einnahmen können wir zur Finanzierung bestehender und schon eingeplanter Projekte wie den Ausbau des kostenfreien Schulessens und die Einführung eines Sozialpasses beitragen. Und gleichzeitig bekommen wir mehr Spielraum für neue soziale Vorhaben, etwa die Einführung eines kostenlosen Windelsacks. Diese Steuer allein wird den Haushalt nicht gesunden lassen, aber sie ist ein wichtiger Beitrag dafür, dass es wieder aufwärts geht.
"Wochenspiegel" vom 22. September 2010
Seit Beginn des Schuljahres bekommen alle Kinder an zwei Saarbrücker Ganztagsgrundschulen kostenlos ein warmes Mittagessen täglich. Das ist natürlich nur der Anfang. Denn das Ziel bleibt bestehen: Ein kostenfreies Mittagessen für alle Schüler an allen Ganztagsgrundschulen unserer Stadt. Das haben wir im Wahlkampf versprochen, und das werden wir auch halten. Ein Anfang ist jetzt schon einmal gemacht – und der läuft viel erfolgreicher, als viele gedacht haben. Denn sowohl an der Grundschule Folsterhöhe als auch an der Weyersberg-Schule sind alle Essensplätze ausgebucht. Noch im letzten Schuljahr haben an der Weyersberg-Grundschule gerade einmal rund 60 Kinder am Mittagessen teilgenommen, jetzt sind es rund 160. Das zeigt doch: Der Bedarf ist da. Wenn wir von unseren Kindern verlangen, immer mehr Zeit in der Schule zu verbringen, dann haben wir auch die Pflicht, dafür zu sorgen, dass sie eine warme Malzeit bekommen – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Deshalb muss das Projekt schnell ausgebaut werden, weitere Grundschulen müssen folgen. Es gibt Schulen – wie etwa die Grundschule Füllengarten – bei denen wir schon Anfang des Jahres starten könnten. Im Stadtrat haben wir jetzt den ersten Schritt dafür getan. Wir haben dafür gesorgt, dass das Geld, das in diesem Jahr nicht für das Mittagessen verwendet wird, im nächsten Jahr zusätzlich zur Verfügung steht – und auch ausschließlich für das kostenfreie Mittagessen ausgegeben wird. Bei den Haushaltsberatungen werden wir natürlich außerdem beantragen, dass im nächsten weitere Mittel für den Ausbau des Projekts bereitgestellt werden. Wir sind auf einem guten Weg – deshalb sollten wir ihn fortsetzen.
"Wochenspiegel", vom 22. September 2010
Wenn man kleine Kinder hat, dann erstickt man fast in Windeln. Wenn künftig der Müll nach Gewicht bezahlt werden muss, dann könnte daraus schnell auch ein finanzielles Problem für viele Familien werden. Keine Frage: Es ist wichtig und gerade im Blick auf die Umwelt absolut sinnvoll, Anreize zu schaffen, damit die Menschen in dieser Stadt Müll vermeiden. Nur an Windeln kann man nicht sparen. Eltern von Kleinkindern ebenso wenig wie inkontinente Ältere. Wir dürfen diese Menschen aber nicht bestrafen. Im Gegenteil: Wir wollen unsere Stadt doch familienfreundlich machen. Deshalb haben wir LINKE einen kostenlosen Windelsack in Saarbrücken vorgeschlagen. Wir wollen Umweltschutz und Familienfreundlichkeit verbinden. Wir wollen, dass es insgesamt weniger Müll in dieser Stadt gibt, und dass gleichzeitig Windeln kostenfrei entsorgt werden können. Über die Details werden wir noch reden müssen, dazu lade ich alle anderen Fraktionen im Stadtrat herzlich ein. Aber wenn die CDU schon jetzt über diesen Vorschlag schimpft, dann muss man sie einmal daran erinnern, dass ihre eigenen Parteifreunde in mehreren Kommunen, etwa in Gersheim, genau einen solchen Windelsack beantragt haben. Und wer wie die Christdemokraten sich immer wieder familienfreundlich nennt, der sollte jetzt nicht tatenlos zusehen, wie Familien abgezockt werden. Schließlich hätte auch der CDU-Plan für ein so genanntes Ident-System – also Müllgebühren nach Anzahl der Leerungen - Kleinkindern und Alten deutlich höhere Kosten beschert. Denn Windeln sind bekanntlich nicht nur schwer, sie haben auch ein entsprechendes Volumen und füllen die Mülltonnen. Interessant also, dass die Christdemokraten an ihrem Projekt zwar immer festgehalten, sich aber so gar keine Gedanken über die Auswirkungen gemacht haben.
"Wochenspiegel" vom 15. September 2010

Erinnern Sie sich an Fritz Dobisch? Er wurde 1928 zum Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes im Saargebiet und 1932 in den Saarbrücker Stadtrat gewählt. Schon früh warnte er vor den Nationalsozialisten in Deutschland. 1935 floh er vor den Nazis nach Luxemburg, wo er 1940 verhaftet wurde. Am 7. Juli 1941 wurde er im KZ Buchenwald ermordet. Nach Fritz Dobisch ist immerhin eine Straße in Saarbrücken benannt. Und hoffentlich wird auch bald ein Stolperstein vor dem Saarbrücker Rathaus an ihn erinnern. Aber sagen Ihnen die Namen Eduard Lehmann, Julius Schwarz, Karl Simon oder Otto Niebergall etwas? Sie alle gehörten dem letzten frei gewählten Stadtrat an und haben gegen den Nationalsozialismus gekämpft. Sie alle wurden deshalb verfolgt, wurden verhaftet oder mussten fliehen. Insgesamt 26 Stadtverordnete wurden von den Nazis verfolgt. Sie alle haben Mut bewiesen, sind aufrecht geblieben in einer schweren Zeit. Ich finde, dass wir uns an sie alle als Vorbilder erinnern sollten. Es wäre schön, wenn wir künftig Straßen und Plätze nach diesen mutigen Männern und Frauen benennen würden. Etwa nach Karl Bode, der 1926 in den Stadtrat gewählt wurde und in verschiedensten Projekten aktiv war. Bode hat gegen den Anschluss des Saarlandes an Nazi-Deutschland gekämpft, er hat vor dem braunen Terror gewarnt und wurde dafür schon im August 1935 verhaftet. 1936 kam er ins KZ Lichtenburg, schließlich nach Buchenwald. Bode hat diese schreckliche Zeit überlebt, nach dem Krieg arbeitete er im städtischen Fürsorgeamt. 1976 starb er in Lebach. Saarbrücken täte gut daran, das Andenken an Menschen wie Karl Bode und Fritz Dobisch zu bewahren.
"Wochenspiegel" vom 8. September 2010
Immer mehr Menschen haben den Eindruck, dass etwas grundsätzlich falsch läuft: Der Leitzins der Europäischen Zentralbank – der Zinssatz also, zu dem sich die Banken selbst frisches Geld besorgen können – liegt zurzeit auf einem historischen Tief von einem Prozent. Wer etwas angespart hat, der merkt auch, dass die Zinsen auf sein Erspartes sehr niedrig ausfallen. Aber wer sein Konto überziehen muss und den Dispo-Kredit nutzt, der wird kräftig abgezockt. Wer den Rahmen des Dispo-Kredits überzieht, noch viel mehr: Die Überziehungszinsen liegen mittlerweile zwischen 17,5 und 18,9 Prozent. Im Klartext: Die Banken, die derzeit so billig an Geld kommen wie nie, verlangen von ihren Kunden Rekordzinsen, nur um noch bessere Geschäfte zu machen. Das ist ein Skandal. Tatsächlich treffen die unverschämt hohen Überziehungszinsen ja vor allem die, die ohnehin schon kämpfen müssen, um über die Runden zu kommen: Arbeitslose, Geringverdiener und Sozialrentner etwa, aber auch kleine Händler. Leider sind auch die Sparkassen im Land hier keine Ausnahme – dabei haben sie als öffentlich-rechtliche Einrichtungen eigentlich einen besonderen Auftrag: Sie sollen das Gemeinwohl fördern, den Mittelstand und wirtschaftlich Schwache mit Finanzdienstleistungen versorgen. Wenn Sparkassen also ebenfalls hohe Gewinne auf Kosten der Schwachen einfahren, dann muss der Staat gegensteuern. Im Landtag hat DIE LINKE deshalb einen Antrag eingebracht, der diese Wucherzinsen verbietet. Die Sparkassen sollen nur noch Überziehungszinsen verlangen dürfen, die höchstens fünf Prozent über dem Leitzins-Satz liegen. Und auch in der Stadt werden wir dieses Thema endlich angehen.
"Wochenspiegel" vom 1. September 2010
Wer in diesen Tagen durch die Saarbrücker Innenstadt spaziert, der stößt immer wieder auf Läden, die leer stehen. Sei es das ehemalige Sinn, das alte C&A, aber auch viele kleine Ladenlokale. Oder denken Sie an die ehemalige Hauptpost, die seit langer Zeit leer steht, weil sich kein Investor findet. Verödet Saarbrücken also langsam aber sicher? Und woran liegt das? Zum einen natürlich daran, dass viele Menschen in dieser Stadt – und überall in Deutschland – immer weniger Geld zur Verfügung haben. Normal- und Geringverdiener, deren Belastung ständig steigt und deren Löhne sich auf einem niedrigen Niveau eingependelt haben, können natürlich nicht allzu viel Geld in den Läden lassen. Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger und Sozialrentner erst recht nicht. Eine Gesellschaft, in der die Armut immer weiter wächst, ist natürlich auch für den Einzelhandel eine Gefahr. Gleichzeitig kenne ich Geschäfte, die eigentlich gut laufen, die aber unheimlich zu kämpfen haben, weil die Mieten in unserer Stadt zum Teil unbezahlbar geworden sind. Und schließlich haben viele - vor allem kleinere - Läden mit der Konkurrenz der großen Ketten und Shopping-Zentren zu kämpfen. DIE LINKE ist deshalb gegen die Ansiedlung neuer großer Einkaufszentren, denn davon gibt es schon jetzt mehr als genug. Im Landtag haben wir einen Antrag eingebracht, der ein Verbot von Neuansiedlungen ab einer Größe von über 800 Quadratmetern vorsieht. Das wäre auch gut für unsere Stadt. Die müssen wir schließlich auch noch attraktiver machen, denn wir wollen ja schließlich auch Menschen aus der ganzen Region, aus Luxemburg, Lothringen, Rheinland-Pfalz und dem ganzen Saarland anlocken. Es gibt also viel zu tun, um die Leerstände zu bekämpfen und unsere Innenstadt und die Stadtteilzentren zu beleben.
"Wochenspiegel" vom 25. August 2010

Am Dienstag hat Harald Schindel sein Amt als neuer Dezernent für Soziales, Bürgerdienste, Sicherheit und Sport angetreten. Er ist damit der erste Dezernent der LINKEN in einer westdeutschen Kommune. Nun werden viele Saarbrückerinnen und Saarbrückern die Amtseinführung Schindels noch relativ gleichgültig aufgenommen haben, denn die meisten Menschen sind natürlich weniger an Namen und Parteizugehörigkeiten interessiert, als vielmehr an Ergebnissen. Völlig zu Recht, denn wir sind schließlich gewählt worden, um etwas zu bewegen. Deshalb geht es auch nicht um Posten, sondern um den Gestaltungsspielraum, den man damit erhält. Und damit also um die Möglichkeit, etwas zu bewegen. Wir wollen etwas verändern, Saarbrücken zu einer Stadt für alle machen. Sozialer, gerechter, menschlicher. Gemeinsam mit der Linksfraktion im Stadtrat kann Harald Schindel jetzt beweisen, dass diese Stadt anders regiert werden kann. Dass eine verantwortungsvolle Politik nicht zwangsläufig den Rotstift bei den Benachteiligten und Schwachen ansetzen muss. Dass es Alternativen gibt zu dem, was in dieser Stadt jahrelang praktiziert worden ist. Einfach wird das nicht, das ist klar. Denn Saarbrücken steht vor einem riesigen Schuldenberg und wird damit von Bund und Land ziemlich allein gelassen. Wir werden weiter sparen müssen – aber eben gerecht. Das heißt ohne Stellenstreichungen, ohne Sozialabbau und ohne Privatisierungen. Und gleichzeitig werden wir auch weiterhin investieren in Bildung, Familien und soziale Projekte. Wir werden einen Sozialpass für Arbeitslose und Geringverdiener auf den Weg bringen, das kostenfreie Schulessen noch ausbauen und den Ausbau echter Ganztagsgrundschulen vorantreiben.
"Wochenspiegel", vom 18. August 2010

Der Sommer geht langsam zu Ende, am Wochenende hat eines der letzten großen sommerlichen Feste für dieses Jahr in unserer Stadt stattgefunden: Das Saarspektakel. Mehr als 250.000 Menschen waren dabei, Familien, junge und alte Menschen. Ein würdiger Sommer-Abschluss für unsere Stadt. Und jetzt steht uns ein arbeitsreicher und spannender Herbst bevor. Wenn nächste Woche die Schule wieder losgeht, dann werden alle Schülerinnen und Schüler an zwei Ganztagsgrundschulen zum ersten Mal jeden Tag ein kostenfreies Mittagessen bekommen – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern. Der Start dieses Projektes ist ein sozialer Fortschritt für unsere Stadt. Er darf aber nur der erste Schritt sein. Ziel ist ein beitragsfreies Essen für alle Kinder an allen Ganztagsgrundschulen. Nach der Sommerpause werden wir deshalb genau beobachten, wie dieses Projekt angenommen wird, und prüfen, welche Schulen als nächstes an die Reihe kommen können. Auch den Sozialpass wollen wir in der nächsten Zeit in Angriff nehmen. Wir wollen, dass Arbeitslose und Geringverdiener nicht länger ausgeschlossen werden von Kultur- und Freizeitangeboten in unserer Stadt. Das alles haben wir mit SPD und Grünen im Koalitionsvertrag vereinbart, daran müssen sich natürlich jetzt auch alle Partner halten.
Und dann müssen wir uns ja auch bald wieder mit dem Haushalt für das nächste Jahr beschäftigen. Keine leichte Aufgabe, angesichts des Schuldenberges der Landeshauptstadt. Wir wollen sparen, das haben wir bewiesen. Aber wir wollen diese Stadt nicht kaputtsparen. Und wir brauchen die Hilfe vom Land und vom Bund.
"Wochenspiegel" vom 11. August 2010

Man ist ja immer wieder überrascht, wie groß und vielfältig die Saarbrücker Kulturszene ist. Da kann sich Saarbrücken wirklich sehen lassen. Wir haben ein ausgezeichnetes Musiktheater, bedeutende Veranstaltungen wie das Max-Ophüls-Festival und das Festival Perspectives, die weit über die Grenzen des Saarlandes hinaus strahlen. Im Sommer hat zwar das Theater Ferien, dafür finden jeden Sonntag Konzerte am Schloss statt. Wir haben auch eine große freie Kulturszene in dieser Stadt. Deshalb ist es auch gut, dass wir im Stadtrat gemeinsam mit unseren Bündnispartern von SPD und Grünen dafür gesorgt haben, dass das Theater im Viertel neue und bessere Räume im Alten Feuerdrachen erhält. Und wir wollen auch künftig die freie Szene in dieser Stadt fördern und unterstützen. Eine Stadt braucht eine starke Kulturlandschaft und dazu gehören vor allem die vielen unabhängigen Künstler und die vielen kreativen Initiativen. Keine Frage: Die Saarbrücker Kulturszene ist lebendig, vielfältig, beeindruckend. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Keine Frage aber auch, dass man die Rahmenbedingungen immer noch verbessern kann. Und genau das wollen wir tun. Ich freue mich schon auf spannende Gespräche mit den kreativen Köpfen Saarbrückens.
Unsere Stadt hat mit dem Filmhaus auch ein hervorragendes kommunales Programmkino – und wir haben dafür gesorgt, dass es weder privatisiert noch geschlossen wird. Dort lief kürzlich etwa der packende Film „Tirador“, der uns Einblick in die Slums in Manila gibt und Menschen zeigt, die dort in äußerster Armut leben. Wirklich sehenswert!
"Wochenspiegel" vom 4. August 2010

Viele Saarbrückerinnen und Saarbrücker konnten es gar nicht fassen: Das Finanzministerium soll als Denkmal geschützt werden? Dieser hässliche Klotz, der einfach mitten in die historische Sichtachse zwischen Ludwigskirche und St. Johanner Markt gepflanzt worden ist? In vielen Gesprächen mit Bürgern wurde mir immer wieder die Frage gestellt: Darf das sein? Was kann man dagegen tun? Ich erinnere mich auch noch gut an die Diskussionen über die alte Bergwerksdirektion. Damals galt der Schutz eines historischen Gebäudes nicht soviel – das Haus durfte entkernt und zum Einkaufszentrum umgebaut werden. Als das Saarbrücker Schloss vor Jahren völlig saniert und mit einem modernen Mittelbau versehen wurde, da gab es ebenfalls einen Aufschrei, denn einige fürchteten, das historische Gebäude würde dadurch verschandelt werden. Inzwischen ist dieser Bau eines der Wahrzeichen der Landeshauptstadt, eine gelungene Mischung aus Alt und Neu. Es war gut, dass sich die Verantwortlichen damals – allen voran Oskar Lafontaine - nicht verunsichern ließen.
Man sieht: Denkmalschutz ist ein weites Feld und Denkmalschützer haben es nicht einfach. Sie müssen sich immer die Frage stellen: Was ist erhaltenswert, und was nicht? Begriffe wie „schön“ oder „ästhetisch“ können ihnen dabei nicht weiterhelfen, denn jeder hat ja eine andere Vorstellung von Schönheit. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Entscheidungen in Sachen Denkmalschutz keine einsamen Entscheidungen sind. Dass wir in dieser Stadt ausgiebig darüber diskutieren. Und dass die Verantwortlichen – also das Landesdenkmalamt – sich auch mit den Ratschlägen der Experten <//span>- also etwa des Landesdenkmalrates – auseinandersetzen.
"Wochenspiegel" vom 28. Juli 2010

Am Wochenende ist es wieder soweit: Ein großer bunter Zug wird sich durch die Saarbrücker Innenstadt bewegen, Lesben, Schwule, Bisexuelle werden gemeinsam mit Heterosexuellen feiern. Der Christopher-Street-Day ist längst schon eine anerkannte Institution in der Landeshauptstadt, eine feste Größe im Veranstaltungskalender. Im letzten Jahr kamen rund 20.000 Menschen aus der ganzen Region. Eine große bunte Party, die immer vom gegenseitigen Respekt getragen werden sollte. Eine solche Veranstaltung steht der Landeshauptstadt gut zu Gesicht, und es ist wichtig, dass sich die Homosexuellen, die ansonsten ja eine Minderheit sind, an diesem Tag darstellen können – solange dabei nicht übertrieben und zu sehr provoziert wird.
Der CSD zeigt uns allen, wie sich die Gesellschaft in den letzten Jahren gewandelt hat, wie viel offener sie geworden ist. Gleichzeitig bleibt aber auch noch viel zu tun. Wir sind von einer Normalität im Umgang mit Schwulen und Lesben noch immer weit entfernt. Es gibt leider immer noch viele Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen. Ich denke an Spanien, wo die Rechte der Homosexuellen voll anerkannt werden. Hier heißt es leider bislang: Schwule und Lesben, die eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingehen, haben zwar dieselben Pflichten wie verheiratete Hetero-Paare, aber weniger Rechte. Respekt und Offenheit gegenüber allen Menschen, das ist ein Thema, das uns nicht nur am Christopher-Street-Day beschäftigen sollte. Ein Thema, das unbedingt auch in der Schule behandelt werden sollte.
"Wochenspiegel" vom 21. Juli 2010

Der Sommer ist endlich da und die Saarbrückerinnen und Saarbrücker genießen die Sonne - ob beim Schwenken, im Eiscafé oder im Schwimmbad. Und wer die Sommerhitze im Bad in Dudweiler oder Brebach genießt, der denkt vielleicht an den Anfang des Jahres zurück. Damals sah es fast so aus, als hätte der Badespaß dort bald ein Ende. Die Gutachter, die das Land beauftragt hatte, wollten Schwimmbäder schließen und die Stadtverwaltung hatte ein entsprechendes Sparkonzept vorgelegt. Wir haben das verhindern können. DIE LINKE im Stadtrat hat zusammen mit ihren Bündnispartnern von SPD und Grünen ein eigenes Konzept vorgelegt. Wir haben den Haushalt der Landeshauptstadt allein in diesem Jahr um 4,8 Millionen Euro verbessern können, und zwar ohne Personalabbau und ohne Schwimmbadschließungen. Wir haben gezeigt, dass man in schwierigen Zeiten verantwortungsvolle Politik machen kann, ohne Stellenstreichungen, ohne den Abbau von Sozialleistungen, ohne starke Eingriffe bei den Schwächeren in dieser Stadt. Gerecht sparen und gestalten heißt unsere Devise. Denn gleichzeitig wird nach den Schulferien das kostenlose Mittagessen für alle Schüler starten. Zunächst an zwei Schulen, weitere werden bald folgen. Und im Herbst werden wir auch den Sozialpass in Angriff nehmen können. Mittel für den Einstieg stehen bereit, dafür haben wir gesorgt. Die Spardebatte war schwierig für uns alle. Und sicher war es nicht die letzte. Aber wir werden auch künftig darauf achten, dass es gerecht zugeht in dieser Stadt, auch beim Sparen. Sie können also den Sommer entspannt genießen, beim Schwenken, im Eiscafé und eben auch in den Schwimmbädern unserer Stadt.
"Wochenspiegel" vom 14. Juli 2010
Wir in Saarbrücken investieren in die Zukunft unserer Kinder. Wir bauen das Angebot an Kindertagesstätten aus, wir haben im Stadtrat durchgesetzt, dass ein Großteil der Erzieherinnen, die bislang nur einen Zeitvertrag hatten, in feste Arbeitsverhältnisse übernommen wird. Wir schaffen neue Ganztagsschulen und führen schrittweise ein kostenloses Mittagessen für alle Kinder in den Saarbrücker Ganztagsgrundschulen ein. <//span>Bei uns sind Investitionen in Bildung und Familien eben kein reines Lippenbekenntnis. Da könnten sich andere ein Beispiel nehmen. Die schwarz-gelbe Bundesregierung will jetzt ja sogar Hartz-IV-Empfängern das Elterngeld streichen. Sind Kinder ärmerer Eltern etwa weniger wert? Die FDP geht sogar noch einen Schritt weiter und will Elterngeld nur noch an Berufstätige auszahlen. Dabei ist die Erziehung von Kindern eine Arbeit, die die Gesellschaft anerkennen sollte. Warum sollte eine Oberstudienrätin, die ihre Kinder tagsüber in staatliche Einrichtungen gibt, vom Staat Geld bekommen, die Hausfrau und Mutter, die sich tagsüber um ihre Kinder kümmert, aber nicht? Was ist mit den vielen alleinerziehenden Müttern und Vätern, die keine Arbeit finden können? Ich finde, jedes Kind ist gleich viel wert, ganz egal, was die Eltern beruflich machen und wie viel Geld sie im Portemonnaie haben. Mütter und Väter, die ihre Kinder erziehen und deshalb nicht berufstätig sind, müssen gleichgestellt werden mit den Vollzeit-Verdienern. Eltern sollten die freie Wahl haben können – auch deshalb bauen wir in Saarbrücken die Ganztagsbetreuungsplätze aus.
"Wochenspiegel" vom 7. Juli 2010

Menschen, die in Armut leben müssen, haben ja nicht nur ein finanzielles Problem – sie können sich vieles eben nicht leisten. Gleichzeitig haben sie aber auch kaum Zugang zu Kultur- und Bildungs- und Freizeitangeboten. Ob im Museum, bei der Volkshochschule oder im Zoo: Arme Menschen müssen oft draußen bleiben, weil sie sich die Eintritte und Gebühren nicht leisten können. Und werden so wieder ausgegrenzt. Kinder, die in Armut aufwachsen müssen, können ihre Freizeit nicht wie ihre Freunde und Klassenkameraden aus reicheren Elternhäusern verbringen, bekommen nicht die Chance, neue Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln. Tatsächlich, das zeigen Studien, konzentriert sich das Leben armer Menschen auf den allernächsten Umkreis ihrer Wohnung. Es gibt in dieser Stadt Kinder, die noch nie an der Saar gewesen sind, die die Innenstadt kaum kennen. Das ist doch ein Skandal! Wir wollen das ändern. Wir wollen, dass Arbeitslose, Geringverdiener und ihre Familien kostenfreien Zutritt erhalten zu städtischen Einrichtungen wie dem Zoo, Schwimmbädern, der Stadtbibliothek und der Musikschule. Dafür soll ein Sozialpass eingeführt werden. DIE LINKE hat es geschafft, dass im Haushalt 2010 dafür Mittel bereit gestellt worden sind. Und ich bin zuversichtlich, dass der Sozialpass im Herbst in Angriff genommen werden kann. Das haben wir auch mit den Bündnispartnern von SPD und Grünen verabredet. Die Armut werden wir damit nicht abschaffen können. Aber wir können die Ausgrenzung der Armen in dieser Stadt mildern. Denn Saarbrücken soll eine Stadt für alle sein.
"Wochenspiegel", 30. Juni 2010

Peter Strobel, der Chef der CDU-Fraktion, hat es sich so schön vorgestellt: Er als Kämpfer für die einfachen Bürger und gegen „die da oben“. Und so fordert er immer und immer wieder, dass Harald Schindel nicht als Dezernent für Soziales, Bürgerdienste, Sicherheit und Sport antreten und das Dezernat ganz aufgelöst werden soll. So würde die Stadt die Forderungen der Gutachter umsetzen, meint er. Die reinste Heuchelei. Tatsächlich hat die Landeshauptstadt laut Kommunalselbstverwaltungsgesetz ein Recht auf sieben Dezernenten-Stellen, davon hat sie aber zwei längst abgeschafft. Die Gutachtervorschläge sind also schon lange Realität, die Beigeordneten-Stelle keine zusätzliche, und die CDU müsste das wissen.
Nicht zu erklären ist auch, wieso die Christdemokraten einerseits dieses Dezernat, das derzeit noch von ihrem Parteifreund Paul Borgard besetzt wird, für so überflüssig halten, dass sie es abschaffen wollen – andererseits im Dezember aber eben diesen Herrn Borgard erneut zur Wahl empfohlen haben. Wäre die Stelle also nicht unnötig, wenn sie ein Christdemokrat besetzt hätte? Offenbar hat die CDU immer noch nicht verwunden, dass die Saarbrückerinnen und Saarbrücker sie vor einem Jahr abgewählt haben. Zur Erinnerung: Zehn Sitze haben die Christdemokraten damals eingebüßt. Und trotzdem haben sie für eine Erhöhung der Fraktionskosten-Zuschüsse gestimmt – DIE LINKE war dagegen. Sparen macht der Union offenbar nur dann Spaß, wenn es nicht sie selbst betrifft. Die CDU im Stadtrat ist deshalb auch ganz ruhig, wenn ihre Freunde im Land munter neue Ministerien und Staatssekretärs-Posten schaffen. Aufrechte Kämpfer sehen anders aus.
"Wochenspiegel" vom 23. Juni 2010

Die Schultage unserer Kinder dauern immer länger, immer mehr wird ihnen abverlangt. Da ist es doch nur Recht und billig, wenn wir – in diesem Fall also die Stadt Saarbrücken – dafür sorgen, dass sie auch einmal am Tag ein warmes Essen bekommen. Deshalb hat DIE LINKE im Wahlkampf ja auch ein kostenfreies Mittagessen an den Ganztagsgrundschulen gefordert. Und deshalb haben wir dafür gesorgt, dass im Haushaltsplan für dieses Jahr 250.000 Euro bereitgestellt werden – trotz des großen Sparzwanges in dieser Stadt! Ab dem nächsten Schuljahr kann es losgehen. Geplant ist, zunächst an zwei Schulen, der Weyersberg-Schule und der Grundschule Folsterhöhe, kostenfreies Mittagessen für alle Schüler in der Ganztagsbetreuung einzuführen. Im nächsten Jahr werden dann zwei weitere Schulen folgen.
Ich bin aber zuversichtlich, dass schon vorher, noch in diesem Jahr, an zumindest einer Ganztagsgrundschule das Mittagessen für alle kostenlos angeboten werden kann. Die Mittel stehen ja schließlich bereit und es gibt keine bessere Investition als die Zukunft unserer Kinder. Wir werden deshalb genau prüfen, wann der nächste Schritt erfolgen kann. Und wir werden darauf achten, dass er erfolgt. Es geht um einen schrittweisen Einstieg in ein kostenloses Schulessen für alle Ganztagsgrundschüler in Saarbrücken, das steht so auch im Bündnisvertrag mit SPD und Grünen. Für alle deshalb, weil wir nicht wollen, dass schon die Kinder in arm und reich aussortiert werden. Dafür gab es auch Lob vom Bildungsministerium. Doch Worte allein reichen nicht, über kurz oder lang ist das Land gefordert und muss solche Projekte unterstützen.
"Wochenspiegel" vom 16. Juni 2010

Es ist schon bemerkenswert: Die sogenannte Mövenpicksteuer – also die Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent – ist noch nicht einmal ein halbes Jahr in Kraft, da dämmert es auch ihren Erfindern, dass das keine gute Idee war. Ob Noch-Ministerpräsident Rüttgers in Düsseldorf oder sein CDU-Parteifreund Tillich in Dresden, ja selbst der stellvertretende FDP-Vorsitzende Pinkwart – sie alle wollen dieses Steuergeschenk, das den Staat rund eine Milliarde Euro pro Jahr kostet, am liebsten sofort wieder abschaffen.
Was das mit Saarbrücken zu tun hat? Eine ganze Menge. Zum einen wird die Stadt durch die jüngsten Steuersenkungen des Bundes in den nächsten Jahren rund 13 Millionen Euro verlieren. Zum anderen haben hier DIE LINKE, SPD und Grüne im Stadtrat eine Bettensteuer beschlossen. Denn: Wenn der Bund den Hotels zwölf Prozent Steuern schenkt, dann ist es nur Recht und billig, wenn die Stadt davon fünf Prozent zurückfordert – zur Sicherung der Lebensqualität in Saarbrücken. Auch Besucher nutzen ja die gepflegten Straßen, offenen Schwimmbäder und genießen kulturelle Veranstaltungen. Wenn diese Stadt in ihre Infrastruktur investiert, wird sie auch noch attraktiver für Gäste – und dann profitieren auch die Hotelbetreiber. Mit den Einnahmen aus der Bettensteuer könnten wir unter anderem auch etwa das Festival „Perspectives“ finanzieren, eines der kulturellen Aushängeschilder Saarbrückens. Eine solche Steuer schafft also neue Perspektiven für die Stadt.
Jetzt ist das Land am Zug. Das fordert von der Landeshauptstadt ja, den Haushalt deutlich zu verbessern. Deshalb wäre es völlig unverständlich, wenn die Kommunalaufsicht einerseits den städtischen Haushalt wegen der hohen Schulden nicht akzeptiert und gleichzeitig die Bettensteuer in Saarbrücken als neue Einnahmequelle nicht genehmigen würde.
"Wochenspiegel" vom 9. Juni 2010