DIE LINKE.  Saar 


20. Mai 2020

Barrierefreiheit und Inklusion – Konsequenzen aus der Corona-Krise ziehen!

Während der Corona-Krise sind neue und bestehende Defizite bezüglich der bisherigen Behindertenpolitik zutage getreten. Die Linksfraktion im Saarbrücker Stadtrat fordert daher die politisch Verantwortlichen auf, aus den vorhandenen Missständen die richtigen Konsequenzen zu ziehen und entsprechend gegen zu steuern. Die sozialpolitische Sprecherin, Patricia Schumann, erläutert:

„Die Corona-Pandemie ist noch lange nicht überstanden, aber in weiser Voraussicht sollte allen klar sein: nach der Krise ist vor der Krise. Auch wenn jetzt langsam immer mehr Lockerungen bei den bestehenden Beschränkungen beschlossen werden und wir irgendwann wieder eine Art von Normalität genießen können, sollte man in einigen Lebensbereichen nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern bei erkannten Defiziten spürbare Korrekturen vornehmen. Ansonsten werden wir in zukünftigen Krisenzeiten wieder mit den gleichen – oder schlimmeren – Problemen kämpfen müssen.“

Es sei derzeit beispielsweise zu bemängeln, so Schumann, dass Informationen zum Corona-Virus zwar allgemeinverständlich zugänglich, aber nicht barrierefrei in Gebärden- oder leichter Sprache aufbereitet seien. Behinderte Menschen seien dadurch auf die Zuarbeit Dritter angewiesen. Eine weitere tragische Entwicklung sei unter anderem, dass gerade die gut gemeinten Ratschläge und Vorsichtsmaßnahmen gegenüber den oftmals besonders gefährdeten Menschen mit Handicap zu einer Ausgrenzung führten, die eigentlich überwunden schien.

„Manche Probleme, die für die meisten von uns hinnehmbar waren, hatten für behinderte Menschen wesentlich drastischere Auswirkungen. Die Verknappung von Schutzmasken und –kleidung sowie Desinfektionsmaterialien betraf häufig gerade kleine Pflege- und Assistenzdienste, die dadurch oftmals Risikopatienten mit Handicap nicht ausreichend versorgen konnten. Und auch im Bereich der Beschulung während der Pandemie haben wir zwar Lösungen für die Schülermehrheit gefunden, während jedoch beispielsweise Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf durch das Raster gefallen sind.

Ohne die ganze Palette von Defiziten aufzählen zu wollen, fordern wir vor dem Hintergrund bestehender Probleme daher, dass sich Bund und Land, aber insbesondere auch die Landeshauptstadt Saarbrücken in absehbarer Zeit sorgfältig mit Fragen der Barrierefreiheit und Inklusion auseinandersetzen. Wir brauchen eine Neubewertung der bisherigen Maßnahmen vor dem Hintergrund der Pandemie und gegebenenfalls angepasste oder veränderte Richtlinien und Vorkehrungen, damit unsere behindertenpolitischen Maßnahmen nicht nur im Alltag, sondern auch in der Krise funktionieren“, erklärt Schumann abschließend.

 

Quelle: http://www.dielinke-stadtratsfraktion-saarbruecken.de/politik/meldungen/detail/artikel/barrierefreiheit-und-inklusion-konsequenzen-aus-der-corona-krise-ziehen/