DIE LINKE.  Saar 


12. Februar 2020

Beschlossenes Präventionsprojekt ist unausgegoren!

In der vergangenen Stadtratssitzung ist auf Antrag der Jamaika-Koalition unter dem Arbeitstitel „Ist Luisa hier?“ ein runder Tisch zur Prüfung eines Präventionsprogramms gegen sexualisierte Gewalt beschlossen worden. Auch die LINKE hat dem Antrag zugestimmt, gibt aber zu bedenken, dass der vorliegende Entwurf unausgegoren sei. Die sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Patricia Schumann, erläutert:

„Abgesehen von der Formalie, dass der Titel „Ist Luisa hier?“ geschützt ist und von der Landeshauptstadt – falls so geplant – nicht verwendet werden dürfte, greift das vorliegende Konzept insgesamt viel zu kurz. Es gibt beispielsweise keinerlei belastbare Zahlen, in welchem Umfang dieses Programm anderswo überhaupt in Anspruch genommen wird und ob es wirksam ist. Es soll im Kern darum gehen, Absprachen mit der Gastronomie zu treffen, auf das Codewort belästigter Frauen „Ist Luisa hier?“ angemessen zu reagieren. Hier stellt sich schon die Frage, warum betroffene Frauen nicht einfach den Belästiger benennen können, damit dieser vom Wirt rausgeschmissen wird. Stattdessen wird beispielsweise empfohlen, die Frauen unauffällig zum Hinterausgang zu geleiten – wo sie dann auf sich alleine gestellt womöglich in noch größerer Gefahr sind als innerhalb der Gastronomieräume.“

Grundsätzlich, so Schumann weiter, sei es angeraten, in der einen oder anderen Weise ein entsprechendes Präventionsprogramm auf den Weg zu bringen. Jedoch müsse es dafür erst einmal ausgereifte Überlegungen geben. DIE LINKE habe deshalb zunächst auch einem runden Tisch unter Beteiligung aller Akteure zugestimmt.

„Wir haben gefordert, dass ein runder Tisch zusätzlich die Beteiligung aller Fraktionen im Stadtrat ermöglichen und gesellschaftliche Einrichtungen beteiligen muss. Da sich das Projekt auf das Gaststättengewerbe bezieht, sollte nach unserer Ansicht auch ein*e Vertreter*in der DEHOGA hinzugeladen werden. Ebenso sollten Vertreter*innen der Schulen in die Diskussion einbezogen werden, da sie eine Schlüsselrolle bei Aufklärung und Prävention spielen können. Und nicht zuletzt muss außerdem überdacht werden, ob ein Präventionsprojekt in dieser Ausschließlichkeit wie angedacht, nur auf junge Frauen abgestellt sein muss. Wir sind der Meinung, dass der Kreis der Betroffenen erweitert und an reale Gegebenheiten angepasst werden muss. Letztlich ist meine Fraktion froh über jede Maßnahme, die dazu geeignet ist, sexualisierte Gewalt präventiv zu verhindern. Allerdings brauchen wir keine werbewirksame Symbolpolitik, sondern durchdachte Konzepte, die dann auch greifen“, so Schumann abschließend.

 

Quelle: http://www.dielinke-stadtratsfraktion-saarbruecken.de/politik/meldungen/detail/artikel/beschlossenes-praeventionsprojekt-ist-unausgegoren/