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24.08.2011

Familienplanung darf kein unerreichbarer Luxus sein

Wir alle kennen doch Frauen, die ungewollt schwanger geworden sind. Mädchen, die eigentlich viel zu jung sind, um sich schon verantwortungsvoll um ein eigenes Kind kümmern zu können. Frauen und Männer, die gar nicht genug Geld haben, um für Nachwuchs sorgen zu können. Deshalb ist es gut, dass seit Erfindung der Pille eine wirksame Familienplanung möglich ist. Schlimm wird es, wenn sich Frauen wirksame Verhütungsmittel finanziell nicht mehr leisten können. Ich habe es selbst zuerst kaum glauben wollen, aber Beratungsstellen wie Pro Familia berichten davon, dass immer mehr Frauen nur noch unsichere, dafür aber billige Verhütungsmittel verwenden, oder aber gar keine mehr. Damit riskieren sie eine ungewollte Schwangerschaft und gefährden ihre Gesundheit. 364 Euro bekommt ein erwachsener Hartz-IV-Empfänger, das ist natürlich viel zu wenig. Und in diesem schmalen Regelsatz sind gerade einmal 15,55 Euro monatlich für „Gesundheitspflege“ vorgesehen. Ein Hohn, wenn man sich vor Augen führt, dass eine Monatspackung der Pille bis zu 18 Euro kostet, die Hormonspirale 350 Euro und selbst eine Zehnerpackung Kondome zwischen sechs und elf Euro. Wer dann auch noch krank wird und zehn Euro Praxisgebühr bezahlen muss oder aber Medikamente, der hat dann natürlich erst Recht kein Geld mehr für Verhütungsmittel. Ich bin überzeugt davon, dass hier die Stadt helfen muss. Kostenlose Verhütungsmittel für Ärmere – das gibt es auch in Freiburg, Flensburg und Berlin. Wenn der OB-Kandidat der CDU jetzt kritisiert, dass es "immer nur mehr Geld für Hartz IV-Empfänger“ gibt, ist das billigster Populismus auf dem Rücken der Betroffenen.

03.08.2011

ABC-Schützen sollen sich willkommen fühlen

Die Sommerferien gehen langsam zu Ende, bald fängt der Alltag wieder an. Und für rund 1400 Sechsjährige beginnt dann die Schulzeit. Ich habe selbst einen Sohn und sieben Enkel, ich weiß gut, dass die Einschulung ein ganz besonderer Moment für die Kinder ist. Für sie beginnt ein ganz neues, aufregendes Kapitel ihres Lebens. Ich möchte, dass diese Kinder wissen, dass sie in unserer Stadt willkommen sind. Saarbrücken soll noch familienfreundlicher werden. Deshalb hat DIE LINKE vorgeschlagen, dass künftig alle Erstklässler zum Beginn ihrer Schulkarriere kostenlose Eintrittskarten etwa für ein städtisches Schwimmbad, den Zoo, das Filmhaus oder ein Museum bekommen - für sich und für eine erwachsene Begleitperson. Und dabei muss es nicht bleiben. Warum sollten sich nicht auch private Einrichtungen an diesem "Begrüßungsspaket“ beteiligen - mit Freikarten für ein Kino oder ein Spiel des 1. FC Saarbrücken? So werden Hemmschwellen gesenkt und die Kinder können sehen, was diese Stadt alles zu bieten hat. Ich finde, ein solches Begrüßungspaket ist auch eine ideale Ergänzung zur SozialCard, die es seit Juli auf unsere Initiative hin gibt. Denn es gilt ja für alle Kinder - nicht nur für sozial benachteiligte. Und wer einmal gesehen hat, wie schön und spannend es im Zoo oder im Museum sein kann, was für sehenswerte Filme im Filmhaus laufen, der kommt bestimmt wieder - auch als zahlender Gast. Diese Erfahrung haben jedenfalls die Städte gemacht, die bereits einen kostenfreien Zugang für alle Kinder und Jugendlichen ermöglichen. Dort ist anschließend die Zahl der zahlenden Besucher gestiegen. In Magdeburg gibt es eine solche "Kulturschultüte“ übrigens schon seit fünf Jahren, in Wuppertal wird auch darüber nachgedacht. Warum sollte es also in Saarbrücken nicht möglich sein?<//font><//font><//span>

 

Familienfreundlichkeit darf nicht nur eine Phrase sein

Politiker aller Parteien sind sich schnell einig, dass man Familien besonders unterstützen muss. Alle Fraktionen im Stadtrat geben sich gern das Etikett „familienfreundlich“. Wenn es darauf ankommt, herrscht dann aber plötzlich Schweigen. Ein Beispiel: Der alte Stadtrat hat im März letzten Jahres, noch mit der Mehrheit von CDU und FDP, beschlossen, dass in Saarbrücken Müllgebühren je nach Häufigkeit der Leerungen gezahlt werden sollen – IDENT-System genannt. Weder Christdemokraten noch Liberale sind aber auf den Gedanken gekommen, dass ein solches Müllsystem Familien mit Kleinkindern ebenso wie inkontinente Erwachsene stark benachteiligt. Denn so gut es ist, auf Müllvermeidung zu setzen – Windeln lassen sich eben nicht einsparen. Und Familien, die viel Windelmüll produzieren, hätten deutlich höhere Gebühren zahlen müssen. Aber an Familien hatten CDU und FDP wohl gar nicht gedacht. Da auch das System der Müllverwiegung denselben Effekt hätte, haben wir vorgeschlagen, den Windelmüll kostenlos zu entsorgen. Und auf einmal ist auch die FDP mit ihrem Fraktionsvorsitzenden Fiedler aufgewacht und hat eine ähnliche Idee aus dem Ärmel gezogen.

Ein anderes Beispiel ist der Sozialpass. Wie viele Familien mit Kindern in unserer Stadt können nicht ins Schwimmbad, in ein Museum oder ins kommunale Kino gehen, weil das Geld einfach nicht reicht? Wie viele Kinder leben in Saarbrücken, und haben die Saar noch nie gesehen, weil sich das Leben armer Menschen meist auf den allernächsten Umkreis ihrer Wohnung konzentriert? Im Sinne dieser Familien wollen wir einen Sozialpass einführen, der ihnen kostenfreien Zutritt zu städtischen Einrichtungen wie dem Zoo, der Stadtbibliothek und der Musikschule ermöglicht. Da wird das Wort „familienfreundlich“ ganz konkret.

"Wochenspiegel" vom 13. Oktober 2010