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10.04.2013

Widerstandskämpfer Willi Graf ehren

Saarbrücken hat mit der neu gestalteten Berliner Promenade samt Freitreppe ein neues Aushängeschild bekommen. Deshalb wäre es doch passend, diesen besonderen Ort nach einer ganz besonderen Person zu benennen. Nach einem Bürger dieser Stadt, der sich wirklich verdient gemacht hat - und der es deshalb verdient, das sein Andenken lebendig gehalten wird. Lasst uns deshalb die untere Berliner Promenade Willi-Graf-Ufer nennen. Nach dem mutigen Widerstandskämpfer, der sich gemeinsam mit den Geschwistern Hans und Sophie Scholl, Alexander Schmorell, Christoph Probst und Prof. Dr. Kurt Huber in der "Weißen Rose“ gegen die Nazi-Barbarei gestellt hat und dafür vor 70 Jahren im Alter von nur 25 Jahren hingerichtet wurde. Ein junger Mann, der voller Überzeugung gegen Unmenschlichkeit, Hass, Krieg und Rassenwahn ankämpfte. Er wäre ein würdiger Namenspatron für den unteren Abschnitt der Promenade zwischen Congresshalle und Wilhelm-Heinrich-Brücke. Dort tummeln sich an sonnigen Tagen ja viele gerade junge Menschen - für sie wäre der junge aufrechte Willi Graf doch wirklich ein ausgezeichnetes Vorbild. Ich würde mir wünschen, dass über ein Willi-Graf-Ufer ernsthaft nachgedacht wird. Der Vorschlag eignet sich nicht für parteipolitische Spielchen, keine Partei kann und sollte Willi Graf für sich beanspruchen. .Und der 70. Todestag unseres Ehrenbürgers am 12. Oktober wäre ein würdiger Anlass für eine Umbenennung. Mut, Mitmenschlichkeit und Zivilcourage - diese Tugenden, die Willi Graf vorgelebt hat, sind auch heute noch unverzichtbar. Um mit seinen Worten zu schließen: "Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung. Für uns aber ist die Pflicht, dem Zweifel zu begegnen und irgendwann eine eindeutige Richtung einzuschlagen."

 

18.10.2012

Gedenktafel für Max Braun enthüllt

DIE LINKE, SPD und Grüne im Saarbrücker Stadtrat haben den saarländischen Politiker und antifaschistischen Widerstandskämpfer Max Braun geehrt. Bei einer Gedenkfeier auf dem neuen Max-Braun-Platz neben der Alten Feuerwache haben die Fraktionsvorsitzenden Rolf Linsler (DIE LINKE), Peter Bauer (SPD) und Thomas Brück (Grüne) eine Gedenktafel für Braun enthüllt, die von den drei Parteien gestiftet worden ist. Zur Feier waren über hundert Saarbrückerinnen und Saarbrücker gekommen. "Max Braun war ein mutiger Mann, weil er sich gegen eine 'Rückkehr' des Saarlandes zu Hitler-Deutschland stark machte und anschließend in Frankreich in der 'Volksfront' gegen die NS-Diktatur kämpfte", erklärte Linsler. "Wenn wir ihn heute ehren, dann denken wir auch an andere, die gegen die Nazi-Tyrannei gekämpft haben, die sich unter Einsatz ihres Leben gegen Ungerechtigkeit und Hass gestellt haben. Männer und Frauen wie Max Braun, die auch heute für uns Vorbilder sein sollen." Linsler schlug vor, bei künftigen Straßenbenennungen an solche Widerstandskämpfer zu denken: "Warum nicht etwa die untere Berliner Promenade, die derzeit ja gar keinen richtigen Namen hat, zum Willi-Graf-Ufer machen?"

 

04.01.2012

Historischen Rodenhof vor dem Verfall schützen

Es ist schon tragisch: Da verfällt ein altes, ehrwürdiges Gebäude vor aller Augen - und niemand tut etwas. Der historische Rodenhof ist vielen Saarbrückerinnen und Saarbrückern nicht nur als schönes und beliebtes Restaurant in Erinnerung. Er ist auch ein Gebäude mit langer Geschichte. Gebaut als Gutshof des Fürsten Ludwig ist es das einzige, was noch vom legendären Ludwigspark übrigen geblieben ist, den der Fürst Ende des 18. Jahrhunderts für seine zweite Frau, das „Gänsegretel von Fechingen“ anlegen ließ. Was muss das damals für eine Pracht gewesen sein: Ein Lustschloss – an der Stelle, an der heute die Gesamtschule Ludwigspark steht – und ein großer Park, angelegt als Volksgarten, also für jedermann zugänglich. Der ehemalige Gutshof hat sicher bessere Tage gesehen. Seit Jahren steht das Gebäude leer und verfällt. Immerhin, das Dach ist jetzt notdürftig abgestützt. Aber wie es weitergehen soll, ist völlig unklar. Auch die Bauaufsicht hält den Zustand für bedenklich. Und immerhin ist der historische Rodenhof nicht nur irgendein altes Haus, sondern ein Kulturdenkmal im Sinne des Denkmalschutzgesetzes. Aber da das Gebäude Privatleuten gehört, kann die Stadt scheinbar nicht viel ausrichten. Und trotzdem würde ich mir mehr Engagement wünschen.  <//span>Wem ein solches Kleinod gehört, der sollte auch verpflichtet sein, es zu erhalten. Für den Erhalt eines anderen, deutlich hässlicheren Baudenkmals geben die Steuerzahler gleichzeitig notgedrungen Geld aus: Für das Finanzministerium am Stadtgraben. Der Klotz ist zum Baudenkmal erklärt worden, und der Staat muss sich als Eigentümer natürlich an die Auflagen halten. Verfallen wird dieser Bau also nicht. Genau das erwarten viele Saarbrückerinnen und Saarbrücker mit Recht auch am Rodenhof.

Das Andenken an aufrechte Stadtverordnete bewahren

Erinnern Sie sich an Fritz Dobisch? Er wurde 1928 zum Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes im Saargebiet und 1932 in den Saarbrücker Stadtrat gewählt. Schon früh warnte er vor den Nationalsozialisten in Deutschland. 1935 floh er vor den Nazis nach Luxemburg, wo er 1940 verhaftet wurde. Am 7. Juli 1941 wurde er im KZ Buchenwald ermordet. Nach Fritz Dobisch ist immerhin eine Straße in Saarbrücken benannt. Und hoffentlich wird auch bald ein Stolperstein vor dem Saarbrücker Rathaus an ihn erinnern. Aber sagen Ihnen die Namen Eduard Lehmann, Julius Schwarz, Karl Simon oder Otto Niebergall etwas? Sie alle gehörten dem letzten frei gewählten Stadtrat an und haben gegen den Nationalsozialismus gekämpft. Sie alle wurden deshalb verfolgt, wurden verhaftet oder mussten fliehen. Insgesamt 26 Stadtverordnete wurden von den Nazis verfolgt. Sie alle haben Mut bewiesen, sind aufrecht geblieben in einer schweren Zeit. Ich finde, dass wir uns an sie alle als Vorbilder erinnern sollten. Es wäre schön, wenn wir künftig Straßen und Plätze nach diesen mutigen Männern und Frauen benennen würden. Etwa nach Karl Bode, der 1926 in den Stadtrat gewählt wurde und in verschiedensten Projekten aktiv war. Bode hat gegen den Anschluss des Saarlandes an Nazi-Deutschland gekämpft, er hat vor dem braunen Terror gewarnt und wurde dafür schon im August 1935 verhaftet. 1936 kam er ins KZ Lichtenburg, schließlich nach Buchenwald. Bode hat diese schreckliche Zeit überlebt, nach dem Krieg arbeitete er im städtischen Fürsorgeamt. 1976 starb er in Lebach. Saarbrücken täte gut daran, das Andenken an Menschen wie Karl Bode und Fritz Dobisch zu bewahren.

"Wochenspiegel" vom 8. September 2010