Pressemitteilung: Hinter dem Weggang der Metzgerei Konrad steckt mehr als nur Pech
Nach der Schließung der Metzgerei Konrad in der Karstadt-Passage ist der Unmut verständlicherweise groß; in den sozialen Netzwerken geben viele der Stadt die Schuld dafür. Dies tat im Interview mit der Lokalzeitung auch ein namenlos gebliebener Sprecher der Geschäftsführung: Schuld an der ganzen Misere seien Blitzer, Baustellen, stockender Verkehr und hohe Parkgebühren. Für gewöhnlich alles Dinge, die mitten in einer Fußgängerzone eher wenig Unmut erregen. Klingt, als ob man die eigentlichen Gründe nicht an die große Glocke hängen will, aber anhand von anderen Situationen, die sich ebenfalls in der Karstadt-Passage abspielten, lassen sich ein paar handfeste Vermutungen anstellen.
Schon mehrere andere Einzelhändler wurden schlicht mittels Mieterhöhungen aus der Passage gedrängt. Eigentümer ist die "Bayerische Versorgungskammer", ursprünglich eine Art Pensionsfonds der bayrischen Landesregierung, der in den 90ern unter dem schützenden Label einer Behörde ins große Geschäft einstieg. Inzwischen verbirgt sich unter dem so seriös klingenden Namen de facto ein Hedgefonds mit einem Anlagevermögen im dreistelligen Milliardenbereich.
"In diesem Geschäftsbereich ist es nicht unüblich, Gewerbe- oder auch Wohnimmobilien aufzukaufen und je nach den aktuellen Bilanzen zu vermieten oder eben auch nicht. Fallen die Gewinne auf dem Papier bescheiden aus, wird vermietet, fallen sie aber so großzügig aus, das der Fiskus Interesse daran entwickelt, wird Leerstand gerne mal systematisch als bilanzieller Verlust abgeschrieben", erläutert die Chefin der Saarbrücker Linksfraktion, Jasmin Pies. "Eine Leerstandssteuer wäre eine Methode, dem entgegenzuwirken. Solange der Stadtrat sich dazu nicht durchringen kann, werden wir dank der Steuergesetzgebung des Bundes weiterhin dabei zusehen müssen, wie uns Investoren doppelt über den Tisch ziehen - mit dem Leerstand in unseren Städten und mit legalisierter Steuerhinterziehung."

