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Pressemitteilung: Wohnungsbau im Knappenroth: Die Stadt würde - darf aber nicht

Der Idealfall wäre folgender gewesen: Eine Spezialfirma holt das verseuchte Erdreich der ehemaligen Teerfabrik im Knappenroth aus dem Gelände, tuppert es fachgerecht ein und verbunkert es in direkter Nachbarschaft der ausgedienten Brennelemente aus Cattenom, oder so ähnlich.

Teuer, das ist richtig, aber die einzige Möglichkeit sicherzugehen, dass wir uns hinterher nichts vorwerfen müssen. Im Gegenzug wären schließlich über 500 neue Wohneinheiten in Malstatt entstanden, aber nach dem jahrelangen Gezerre um den korrekten Umgang mit der chemiebelasteten Erde hat der Investor Altin nun offenbar das Handtuch geworfen. 

Theoretisch wäre das jetzt eine wunderbare Gelegenheit für die Stadt, zuzugreifen und die noch in Privathand befindlichen Parzellen aufzukaufen, das Grundstück zu entwickeln und mit über 500 Wohnungen mit langfristig garantierten, erschwinglichen Preisen die Wohnsituation in Saarbrücken auf einen Schlag deutlich zu verbessern. Schließlich hat so eine Stadt - zumindest theoretisch - einen gewaltigen Vorteil, den Privatinvestoren nicht haben. Letzterer will in der Regel nicht 30 Jahre warten, bis sich ein Projekt amortisiert hat; Saarbrücken wird in drei Jahrzehnten immer noch stehen. Entscheidend wäre, den Menschen zu helfen.

Und genau das dürfen wir nicht. Da Saarbrücken unter kommunaler Sparaufsicht steht, wird die Stadt - bzw. die angegliederten Eigenbetreibe, die für solche Projekte zuständig sind - verwaltet wie ein rein gewinnorientiertes Unternehmen. Ob es den Leuten in der Stadt hilft, interessiert nicht, sondern ausschließlich, ob am Ende ein Plus oder ein Minus steht. "Der Mietspiegel bei Neuvermietungen in Malstatt ist in den letzten zehn Jahren um rund 50 % gestiegen", rechnet die Fraktionschefin der Saarbrücker Linken Jasmin Pies vor. 

"Das Wohnprojekt Knappenroth zu entwickeln hätte schon aufgrund seines Umfangs diese Entwicklung gebremst. Aber aufgrund des Sparzwangs wird es dazu wohl überhaupt nicht mehr kommen." In diesem Zusammenhang warnt Pies auch vor den ökonomischen Folgen dieser Sparlogik. "Wenn Kommunen gezwungen sind, mit privaten Investoren zu kooperieren, um solche Projekte überhaupt angehen zu können, ist es unvermeidbar, dass überzogene Mieten verlangt werden, um die Erwartungen der Geldgeber zu erfüllen. Über eine immer stärkere Vermögenskonzentration in den obersten Etagen braucht man sich dann nicht zu wundern." Auch gesamtökonomisch ist der Ansatz zu kurz gedacht. "Die Mieteinnahmen, die sich auf wenigen Bankkonten ansammeln, tauchen in der Stadt nie wieder auf. Das Geld fehlt stattdessen den Leuten im Portemonnaie, und somit auch im lokalen Wirtschaftskreislauf. Langfristig gesehen zahlt die Stadt drauf."

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