Die GdL treibt es zu weit
Bei aller Sympathie und Verständnis die wir in der Linksfraktion für kämpferische Gewerkschaften grundsätzlich haben: wenn die Gewerkschaft der Lokführer im Namen der rund 80 Beschäftigten, die sie bei der Saarbahn vertritt, die Tarifverhandlungen vorzeitig für gescheitert erklärt und anschließend über Wochen hinweg die Kunden mit zahllosen spontan angekündigten, dann verschobenen und schließlich doch durchgeführten Streiks in hysterische Wechselbäder taucht - dann muss man die Vermutung äußern, dass das bestmögliche Interesse aller Beteiligten und Betroffenen vielleicht ein wenig aus dem Blickfeld geraten ist."Ver.di hatte mit der Geschäftsführung eine Einingung erzielt, die vom Großteil der Beschäftigten mitgetragen wurde, auch von den Lokführern. Genau die bekommen bislang aber überhaupt nichts von den Erhöhungen zu sehen, weil die GdL sich weigert, den Abschluss zu aktzeptieren. Damit hat diese Gewerkschaft in unseren Augen ihre eigentliche Aufgabe verfehlt", meint die Vorsitzende der Saarbrücker Linksfraktion Jasmin Pies. "Kann es im Sinne der Beschäftigten und Kunden sein, dass es zwar eine gültige Einigung gibt, sogar eine recht großzügige, aber die GdL sie schlicht nicht annehmen will? Wir glauben das kaum."
Ähnlich äußert sich Willi Edelbluth, stellvertretender Vorsitzender der Saarbrücker Linksfraktion und Mitglied im Aufsichtsrat der Saarbahn: "Wir haben inzwischen die Befürchtung, dass es der GdL zu sehr darum geht, sich gegenüber anderen Gewerkschaften zu profilieren. Wir finden diese Haltung enttäuschend, da Ver.di und Co. eigentlich als Genossen im Arbeitskampf und nicht als Konkurrenz betrachtet werden sollten. Gegen gesunde Rivalität ist nichts einzuwenden, aber nicht auf dem Rücken der Belegschaft und Kunden. Wir hatten noch nie die Situation, uns zwischen der Solidarität mit den Beschäftigten und der Gewerkschaft entscheiden zu müssen, aber im Zweifel stehen wir natürlich hinter den Beschäftigten; nicht nur im Sinne ihrer Tarifabschlüsse, sondern auch ihrer langfristigen Arbeitsplatzsicherung. Lokführer der Saarbahn verdienen im überregionalen Vergleich hervorragend, aber wir müssen im Sinne der Kunden und Beschäftigten auch darauf achten, dass der Betrieb weiterbesteht. Normalerweise ist es nicht die Aufgabe von Stadträten und Aufsichtsratsmitgliedern sich in die Tarifautonomie einzumischen, aber diese Vorgehensweise seitens der GDL habe ich in dieser Form noch nie erlebt."

